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Zahl der Todesoper nach Erdbeben in Türkei und Syrien steigt auf über 20.000
Fast vier Tage nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet gibt es kaum Hoffnung, unter den Trümmern noch Überlebende zu finden. Rettungskräfte setzten am Donnerstag dennoch bei eisigen Temperaturen ihre Suche zwischen den eingestürzten Gebäuden fort. Die offizielle Opferzahl stieg auf mehr als 20.000 Tote an. Im von oppositionellen Milizen kontrollierten Nordwesten Syriens traf unterdessen ein erster Hilfskonvoi ein.
Laut der türkischen Katastrophenschutzbehörde Afad stieg die Zahl der Todesopfer durch das Erdbeben der Stärke 7,8 vom frühen Montagmorgen auf der türkischen Seite auf 17.134. Auf der anderen Seite der Grenze in Nordsyrien wurden bis Donnerstagabend 3317 Tote gezählt. Die Gesamtzahl der Todesopfer stieg damit auf 20.451.
Die Suche in den Trümmern wurde immer verzweifelter: Aus den Erfahrungen vergangener Katastrophen ist bekannt, dass ungefähr nach 72 Stunden die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, dramatisch sinkt. Diese Zeitspanne verstrich am Donnerstagmorgen.
Dennoch konnten wie durch ein Wunder vereinzelt Überlebende aus den Trümmern gerettet werden: Im stark verwüsteten Antakya im Süden der Türkei konnten Retter nach über 80 Stunden am Donnerstag die 16-jährige Melda aus einem eingestürzten Gebäude retten. Die erschöpften Retter fielen sich danach in die Arme, der glückliche Vater von Melda rief ihnen zu: "Gott segne euch, Gott segne euch!"
Das eisige Klima gefährdete auch die Gesundheit von Überlebenden, die in notdürftigen Unterkünften ausharrten. So verbrachten in der türkischen Stadt Gaziantep, wo die Temperaturen auf minus fünf Grad sanken, tausende Familien die Nacht in Autos und provisorischen Zelten.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte an die Menschen in Deutschland, den Betroffenen in der Katastrophenregion zu helfen. "Die Menschen, denen das Erdbeben alles genommen hat, brauchen jetzt unsere Hilfe", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft.
Die ohnehin schwierige Lage für Rettungskräfte vor Ort und für Hilfslieferungen wird in Syrien zusätzlich durch die politisch heikle Situation erschwert. Das Katastrophengebiet ist dort in von Damaskus kontrollierte Gebiete und Territorien unter der Kontrolle regierungsfeinlicher und überwiegend islamistischer Milizen geteilt.
Im von oppositionellen Kämpfern kontrollierten Nordwestsyrien traf am Donnerstag der erste Hilfskonvoi seit dem Beben ein, wie ein syrischer Grenzbeamter mitteilte. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP sah, wie sechs Lastwagen, die unter anderem mit Zelten und Hygieneartikeln beladen waren, den Grenzübergang Bab al-Hawa passierten.
Die Internationale Organisation für Migration (IOM) teilte mit, die Lieferung enthalte Matratzen, Decken und andere Hilfsgüter für "mindestens 5000 Menschen". Laut dem syrischen Grenzbeamten Masen Allusch handelte es sich aber um Hilfsgüter, die bereits vor dem Erdbeben für Syrien bestimmt waren. Die in der Region tätige Hilfsorganisation der Weißhelme zeigte sich enttäuscht, dass es sich um "routinemäßige" Hilfe handele und keine Ausrüstung für Bergungsarbeiten nach dem Beben.
Fast die gesamte humanitäre Hilfe für die syrischen Milizengebiete wird von der Türkei aus über den Grenzübergang Bab al-Hawa transportiert. UN-Generalsekretär António Guterres forderte deshalb den UN-Sicherheitsrat auf, die Öffnung weiterer Hilfskorridore aus der Türkei zu genehmigen, um die Erdbebenopfer versorgen zu können.
Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte die Öffnung zweier weiterer Grenzübergänge an. Aus "humanitären Gründen" könnten auch Übergänge geöffnet werden, die unter Kontrolle von Damaskus stehen, fügte Cavusoglu hinzu. Am Mittwoch hatte ein UN-Beamter gewarnt, dass die Bestände der Vereinten Nationen im Nordwesten Syriens kaum ausreichen würden, um 100.000 Menschen eine Woche lang zu ernähren.
In den von der syrischen Regierung kontrollierten Gebieten Syriens trafen hingegen seit dem Erdbeben Flugzeuge mit humanitärer Hilfe ein. In Damaskus, Aleppo und Latakia landeten Flugzeuge, die unter anderem aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Russland und dem Iran kamen.
Die EU will Anfang März eine Geberkonferenz für Syrien und die Türkei abhalten. In einem Schreiben an Präsident Recep Tayyip Erdogan sicherten die EU-Staats- und Regierungschefs während ihres Gipfels in Brüssel der Türkei zu, ihre Unterstützung zu verstärken.
Auch die Hilfen aus Deutschland nahmen an Fahrt auf. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) flogen am Donnerstag drei A400M-Flugzeuge der Bundeswehr mit 55 Tonnen Hilfsgütern wie Zelten, Heizlüftern und Schlafsäcken in die Türkei.
D.Lopez--AT