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Kaum noch Hoffnung auf Überlebende des Bebens im syrisch-türkischen Grenzgebiet
Drei Tage nach dem verheerenden Erdbeben im türkisch-syrischen Grenzgebiet schwindet die Hoffnung, unter den Trümmern von tausenden eingestürzten Gebäuden noch Überlebende zu finden. Bis Donnerstagmittag meldeten Behörden und Rettungskräfte in beiden Ländern mehr als 17.500 Todesopfer - und ständig werden es mehr. Die bittere Kälte in der Region sowie die politische Lage im Bürgerkriegsland Syrien verschärfen zusätzlich die Lage. Dort erreichte ein erster Hilfskonvoi die Rebellengebiete.
Allein in der Türkei stieg die Zahl der Opfer seit dem schweren Beben am frühen Montagmorgen auf über 14.351, wie Vizepräsident Fuat Otkay mitteilte. In Syrien meldeten die Behörden weitere 3162 Tote.
Rettungskräfte in beiden Ländern versuchten bei weiter eisigen Temperaturen verzweifelt, noch mögliche Überlebende zu finden. Die Suche wird aber immer mehr zu einem Wettlauf gegen die Zeit: Aus den Erfahrungen vergangener Katastrophen ist bekannt, dass ungefähr nach 72 Stunden die Wahrscheinlichkeit, noch Überlebende zu finden, dramatisch sinkt. Diese Zeitspanne verstrich am Donnerstagmorgen.
Die ohnehin schwierige Lage für Rettungskräfte und Hilfslieferungen vor Ort wird in Syrien zusätzlich durch die politisch heikle Situation erschwert. Das Katastrophengebiet ist dort in von Damaskus kontrollierte Gebiete und Territorien unter der Kontrolle von Rebellen geteilt.
Hilfsgüter gelangen lediglich über einen offenen Grenzübergang von der Türkei aus in die betroffenen Gebiete im Norden des Landes - und bislang war befürchtet worden, dass Machthaber Baschar al-Assad die Lieferungen nur in Gebiete unter Kontrolle seiner Regierung lässt.
Am Donnerstag dann erreichte der erste Hilfskonvoi den von Rebellen kontrollierten Nordwesten Syriens. Ein AFP-Korrespondent sah, wie sechs vor allem mit Zelten und Hygieneartikeln beladene Lastwagen den Grenzübergang Bab al-Hawa passierten. Zuvor hatte der UN-Sondergesandte für Syrien, Geir Pedersen, alle Beteiligten aufgefordert, die humanitäre Hilfe nicht zu "politisieren".
Angesichts der Notsituation dringt unter anderem Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) auf eine Öffnung von weiteren Grenzübergängen. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavosoglu kündigte an, zwei weitere Übergänge zu öffnen. Aus "humanitären Gründen" könnten auch Übergänge geöffnet werden, die unter Kontrolle von Damaskus stehen.
Auch Tage nach dem verheerenden Beben der Stärke 7,8 ist das ganze Ausmaß der Zerstörungen nicht abzusehen. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) könnten bis zu 23 Millionen Menschen von den Folgen des Bebens betroffen sein. Sie befürchtet vor allem, die Rückkehr der Cholera vor wenigen Monaten im Bürgerkriegsland Syrien könnte sich nun zu einer Epidemie ausweiten.
Die wirtschaftlichen Schäden könnten sich der Ratingagentur Fitch zufolge auf mehrere Milliarden Dollar summieren. Zwar seien die Verluste derzeit noch schwer zu schätzen, da sich die Lage ständig ändere, teilte die Ratingagentur mit. Die Schäden dürften aber zwei Milliarden Dollar übersteigen und könnten sich auf bis zu vier Milliarden Dollar "oder mehr" belaufen. Die versicherten Schäden schätzt Fitch nur auf rund eine Milliarde Euro, da ein Großteil der Gebäude in der Region keinen Versicherungsschutz hat.
Die EU will Anfang März eine Geberkonferenz für Syrien und die Türkei abhalten. In einem Schreiben an den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sicherten die EU-Staats- und Regierungschefs Ankara zudem am Donnerstag zu, ihre Unterstützung weiter zu verstärken.
Auch die Hilfen aus Deutschland nehmen weiter an Fahrt auf. Nach Angaben des Technischen Hilfswerks (THW) sollten noch am Donnerstag drei A400M-Flugzeuge der Bundeswehr mit 55 Tonnen Hilfsgüter wie etwa Zelte, Heizlüfter und Decken in der Türkei ankommen.
Laut dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft sind etwa 20 Organisationen vor Ort im Einsatz und verteilen Lebensmittel, Babynahrung, Trinkwasser, Hygienebedarf sowie gegen die Winterkälte Zelte, Decken, Thermobekleidung, Matratzen und Heizstrahler. Die Johanniter haben inzwischen ebenfalls nach eigenen Angaben ein Nothilfeteam im türkischen Katastrophengebiet.
Frankreich sagte unterdessen eine Nothilfe in Höhe von 12 Millionen Euro auch für Syrien zu. Nach Angaben von Außenamtssprecher François Delmas soll das Geld an die Vereinten Nationen sowie an französische und internationale Nichtregierungsorganisationen gehen, um Hilfe bei Unterbringung, Ernährung und medizinischer Versorgung von Betroffenen zu leisten. Die Hilfe ändere aber nichts an Frankreichs Politik gegenüber Machthaber al-Assad, betonte Delmas.
M.O.Allen--AT