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Abschied von König Harald V.: Trauerfeier in Oslo für beliebten Monarchen
Abschied von einer Integrationsfigur: Mit einem Trauerzug gesäumt von zehntausenden Menschen, einer landesweiten Schweigeminute und einem Trauergottesdienst mit prominenten Gästen aus aller Welt hat Norwegen dem verstorbenen König Harald V. die letzte Ehre erwiesen. Auf dem Weg vom Osloer Königspalast schritten am Mittwoch hinter Haralds Sarg und dem neuen König Haakon VIII. zahlreiche Vertreter von Königshäusern sowie internationale Staats- und Regierungschefs zur Domkirche. Beim dortigen Trauergottesdienst erinnerten die Redner an Haralds Einsatz für Toleranz und Vielfalt.
Pünktlich um 12.00 Uhr setzte sich der Trauerzug vom Königsschloss in Oslo in Bewegung. Der mit einem weißen Blumengesteck geschmückte Sarg wurde auf einer sogenannten Artillerielafette, einem fahrbaren Gestell des Militärs, vom Schloss zur Domkirche gezogen. Dahinter schritten Haakon VIII. in schwarzer Gardeuniform und seine Kinder, die 22-jährige Kronprinzessin Ingrid Alexandra und der 20-jährige Sverre Magnus, sowie Haakons Schwester Prinzessin Märtha Louise.
Haralds Witwe, die 89 Jahre alte Königin Sonja, und Haakons durch eine Lungentransplantation geschwächte Frau, die neue Königin Mette-Marit, folgten in einem Auto. Auch Marius Borg Hoiby, Mette-Marits Sohn aus einer früheren Beziehung, der wegen eines Vergewaltigungsurteils unter Hausarrest steht, durfte an den Trauerfeierlichkeiten teilnehmen.
An dem gut einen Kilometer langen Trauerzug nahmen unter anderem der britische Thronfolger Prinz William, Mitglieder des schwedischen und dänischen Königshauses, die Königspaare aus den Niederlanden, Belgien und Spanien sowie Staats- und Regierungschefs aus mehreren Ländern teil, darunter Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Auch das jordanische Königspaar, der japanische Kronprinz Akishino sowie der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj schritten hinter Haralds Sarg.
Die Strecke des Trauerzugs wurde von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern gesäumt. "Er war zutiefst mit seinem Volk verbunden", begründete die 35-jährige Anne Marte Ellertsen ihren Entschluss, von Norwegens Westküste zu der Trauerfeier in Oslo zu reisen.
Der Trauergottesdienst begann mit einer Schweigeminute, zu der alle im Land aufgerufen waren. Der norwegische Regierungschef Jonas Gahr Störe erinnerte in seiner Ansprache an Haralds volksnahe Art: "Er machte Norwegen größer, indem er von einem norwegischen 'wir' sprach, bei dem jeder seinen Platz hatte." Unter anderem in einer viel zitierten Rede im Jahr 2016 hatte Harald für Vielfalt und Weltoffenheit geworben.
Nach dem Trauergottesdienst flogen vier F35-Kampfjets in der Ehrenformation "Missing Man" über die Domkirche hinweg, bei der eines der Flugzeuge in den Himmel aufstieg und eine Lücke hinterließ. Haralds Sarg wurde dann in einem langsamen Marsch zur Schlosskapelle der Festung Akershus gebracht. Dort soll der Monarch nach einer privaten Zeremonie in einem Doppel-Sarkophag im königlichen Mausoleum an der Seite seiner Eltern und Großeltern seine letzte Ruhestätte bekommen.
Nach der Trauerfeier sollen alle norwegischen Flaggen im Land, die nach Haralds Tod vor zwölf Tagen auf Halbmast gesetzt worden waren, wieder hochgezogen werden. Die Kirchenglocken im Land sollten eine Stunde lang läuten.
Zum Schutz des Ereignisses waren fast 3000 Polizisten im Einsatz. Auch 3500 Soldaten wurden zur Sicherung der Trauerfeier entsandt. Im Osten des Landes galten größtenteils Luftraumbeschränkungen.
Harald V. war am 28. August im Alter von 89 Jahren gestorben. Den norwegischen Thron hatte er 1991 bestiegen, in seinen letzten Lebensjahren war er der dienstälteste Monarch Europas. Mit Haralds Tod wurde sein Sohn Haakon automatisch König.
Harald V. war bei den Norwegern äußerst beliebt. Nach seinem Tod hatten sich tausende Menschen vor dem Königspalast in Oslo versammelt, um Blumen niederzulegen und Kerzen anzuzünden. Zu dem gut eine Woche lang aufgebahrten Sarg des Königs kamen mehr als 46.000 Menschen. Manche standen stundenlang in der Schlange, um persönlich Abschied von Harald V. zu nehmen.
Die 81 Jahre alte Gunn Johnsen nahm dafür eine einstündige Zugfahrt auf sich. "Er war der Großvater der Nation", sagte sie der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag. In der Nähe der Osloer Universität wurde ein Plakat mit einem Foto des lächelnden Harald V. aufgehängt mit der Aufschrift "Danke für alles".
O.Ortiz--AT