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Deutsches Start-up absolviert ersten Start einer Orbitalrakete aus Kontinentaleuropa
Die deutsche Start-up-Firma Isar Aerospace hat am Sonntag den ersten Start einer Orbitalrakete aus Kontinentaleuropa absolviert. Wie während einer Live-Übertragung auf der Videoplattform Youtube zu beobachten war, stürzte die 28 Meter lange Spectrum-Rakete einige Sekunden nach ihrem Stadt vom norwegischen Weltraumbahnhof Andöya ins Meer. Die Betreiberfirma, die Regierungen in Berlin und München und der Bundesverband Luft- und Raumfahrtindustrie werteten den Jungfernflug jedoch als Erfolg.
Wie in der Live-Übertragung zu sehen war, flog die unbeladen gestartete Spectrum-Rakete auf ihrem Jungfernflug zunächst steil nach oben. Nach einigen Sekunden geriet sie in Schieflage, drehte sich um 180 Grad und stürzte ins Meer. "Dank strikter Sicherheitsverfahren" von Isar Aerospace und dem Weltraumbahnhof auf der norwegischen Arktis-Insel Andöya sei das an dem Raketenstart beteiligte Personal zu keiner Zeit gefährdet gewesen, teilte das Münchner Unternehmen im Onlinedienst Twitter mit.
Der staatlich betriebene Weltraumbahnhof auf Andöya meldete derweil einen "Vorfall", weshalb ein "Krisensystem" aktiviert worden sei. Laut der örtlichen Polizei gab es aber weder Verletzte noch materielle Schäden.
"Unser erster Testflug hat all unsere Erwartungen erfüllt", erklärte Isar-Aerospace-Chef Daniel Metzler im Onlinedienst X. Nach einem "sauberen Start" sei die Rakete etwa 30 Sekunden geflogen. Vorab hatte Metzler gesagt, eine solche Flugdauer im ersten Versuch wäre "ein großer Erfolg".
Metzlers Unternehmen, eine 2018 erfolgte Ausgründung der Technischen Universität München, führte auf X aus: "Mit diesem Testflug konnten wir erfolgreich wertvolle Daten und Erfahrungen für künftige Missionen sammeln." An der zweiten und dritten Spectrum-Rakete wird demnach schon gebaut. Vorab hatte Metzler auf die Bedeutung des Testflugs in der aktuellen geopolitischen Lage hingewiesen.
Wegen ungünstiger Wetterbedingungen war der Testflug mehrfach verschoben worden. Metzler hatte im Vorfeld versucht, die Erwartungen zu dämpfen. Dass die Rakete den Orbit erreicht, sei nicht zu erwarten. Schließlich habe noch kein Unternehmen eine Rakete gleich bei ihrem ersten Orbitalflug in eine Erdumlaufbahn gebracht.
Orbitalraketen sind dazu gedacht, Ladungen wie Satelliten in die Erdumlaufbahn oder noch weiter ins All zu transportieren. Die Spectrum-Rakete kann nach Herstellerangaben mit bis zu einer Tonne beladen werden.
Der Start der Spectrum-Rakete war der erste einer Orbitalrakete in Kontinentaleuropa außerhalb Russlands. Zugleich war es der erste Raketenstart in Europa, der fast ausschließlich aus privaten Mitteln finanziert wurde.
Weitere Unternehmen wie die deutschen Firmen Rocket Factory Augsburg und HyImpulse, die französischen Firmen Latitude und MaiaSpace oder das spanische Unternehmen PLD Space arbeiten nach Angaben der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA ebenfalls daran, sich im Markt für Mikro- oder Mini-Trägerraketen zu etablieren und Europa einen "unabhängigen und souveränen Zugang zum Weltraum zu sichern".
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) sprach von einem "Meilenstein für unsere Wettbewerbsfähigkeit in der Raumfahrt". Isar Aerospace werde "einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, Europas unabhängigen Zugang zum Weltraum zu sichern".
Der Bundesverband Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) erklärte in Berlin, der Spectrum-Testflug sei "ein wegweisender Schritt für die deutsche Raumfahrt und ein starker Beweis unserer Innovationskraft". BDLI-Hauptgeschäftsführerin Marie-Christine von Hahn mahnte, um nicht "politisch erpressbar" zu sein, müsse Europa "dringend seine Souveränität im All sicherstellen".
Das Satellitennetzwerk Starlink des US-Unternehmers Elon Musk sei "nicht alternativlos - und darf es auch nicht sein", mahnte die Verbandschefin. Für eine unabhängige Raumfahrt in Deutschland und Europa forderte sie "500 Millionen Euro für das nationale Raumfahrtprogramm und sechs Milliarden für die Europäische Weltraumorganisation (ESA)".
Der bayerische Staatsminister für Digitales, Fabian Mehring (Freie Wähler), erklärte in München, mit "dem ersten privaten Weltraumflug eines bayerischen Unternehmens" habe Isar Aerospace "ein neues Zeitalter europäischer Raumfahrtgeschichte" eingeleitet. Er gratulierte Isar Aerospace zu einem Stück "bayerischer Innovationsgeschichte".
"Europas Zugang zum All ist für uns kein wildes Zukunftsszenario, sondern verheißungsvolle Realität", fügte Mehring hinzu. Er sprach von Bayerns Entwicklung als einem "Silicon Valley Europas". "Eingeklemmt zwischen Trump und Putin" müssten Deutschland und Europa jetzt lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, wenn sie "unsere westlichen Werte bewahren und unsere Art in Freiheit, Wohlstand und Frieden zu leben erhalten" wollten.
H.Romero--AT