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Olympische Spiele nach spektakulärer Eröffnungsfeier im Regen auf der Seine eröffnet
Es waren Wasserspiele der Superlative und eine Hommage an Frankreich in all seiner Diversität: Bei strömendem Regen haben Hunderttausende in Paris begeistert die Bootsparade der Olympia-Teilnehmer und die spektakulären Show-Einlagen gefeiert. Das deutsche Olympia-Team defilierte - wegen der französischen Bezeichnung "Allemagne" - als eines der ersten der insgesamt 85 auf der Seine fahrenden Boote, die von den Zuschauern am Ufer und auf den Brücken bejubelt wurden.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte die Olympische Spiele kurz vor 23.00 Uhr für eröffnet. Als letzte Fackelträger traten der Fußballer Zinédine Zidane und der Tennis-Star Raphael Nadal auf. Sie übernahmen die Fackel von einem mysteriösen Fackelträger, inspiriert von dem französischen Videospiel "Assassin's Creed", der sich als roter Faden durch die gesamte Eröffnungsfeier gezogen hatte. Er bewegte sich über die Dächer von Paris und durch den Louvre.
Die effektvolle Inszenierung des Regisseurs Thomas Jolly griff zahlreiche französische Wahrzeichen und Klischees auf. Sie war zugleich eine Hommage an die grundlegenden Werte der französischen Republik, Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit - und dabei auch an die Diversität.
So trat etwa die malisch-französische Sängerin Aya Nakamura gemeinsam mit einem Orchester der republikanischen Garde vor der Kulisse der Académie auf. Der erwartete Auftritt hatte zuvor rassistische Kommentare rechtspopulistischer Politiker ausgelöst.
Eine Filmeinlage inszenierte ein homosexuelles Paar, das sich in der frisch renovierten Nationalbibliothek näher kommt und lediglich über Buchtitel miteinander kommuniziert. Aufsehen erregende Tanzeinlagen - auf dem Gerüst der Pariser Kathedrale Notre-Dame oder auf schwankenden Metallstangen - faszinierten das Publikum.
In einer ersten Show-Einlage trat US-Sängerin Lady Gaga in einer schwarzen Korsage auf, begleitet von Tänzern mit rosa Puscheln, passend zum Titel "Mon truc en plumes". Die französische Metal-Band Gojira interpretierten gemeinsam mit der klassischen Sängerin Marina Viotti den französischen Revolutionsgesang "Ah! Ça ira".
Auch die erstmals bei den Olympischen Spielen vertretenen Sportarten wie BMX und Skateboard hatten ihren Platz bei der Eröffnungsfeier - mehrere Sportler zeigten ihre Künste unter erschwerten Bedingungen auf Booten.
Mit zehn aus der Seine auftauchenden Statuen wurden einflussreiche Frauen der französischen Geschichte geehrt, unter ihnen die Frauenrechtlerin Olympe de Gouges und die Politikerin Simone Veil. Die goldfarbenen Statuen sollen der Stadt Paris überlassen werden.
Auch die Nationalhymne wurde von einer Frau vorgetragen: Die schwarze Mezzosopranistin Axelle Saint-Cirel sang die "Marseillaise" vom Dach des Grand Palais.
Die Olympia-Mannschaften der USA, Australiens und Frankreichs - die künftigen und aktuellen Gastgeber - beschlossen die Bootsparade auf der Seine. Los Angeles wird 2028 die Spiele ausrichten, Australien im Jahr 2032.
Anschließend interpretierte ein französisches Duo den Klassiker "Imagine" von John Lennon an einem flammenden Klavier auf einer schwimmenden Plattform. Aus dem Off rief eine Stimme zum Gedenken an die Opfer der aktuellen Konflikte und Kriege auf - es war eine der wenigen Anspielungen auf die politische Weltlage während der Eröffnungszeremonie.
Als letzte Show-Einlage auf der Seine schien ein metallenes, mechanisches Pferd über den Fluss zu galoppieren, auf dem der mysteriöse Fackelträger ritt. Anschließend traten die Fahnenträger aller beteiligten Nationen auf der Brücke zwischen Eiffelturm und der Ehrentribüne auf dem Trocadéro auf.
"In einer von Kriegen und Konflikten zerrissenen Welt ist es dieser Solidarität zu verdanken, dass wir heute Abend alle zusammenkommen und die Athleten aus den Gebieten aller 206 Nationalen Olympischen Komitees und der Flüchtlings-Olympiamannschaft des IOC vereinen können", sagte der deutsche IOC-Präsident Thomas Bach.
Mehr als 320.000 Menschen versammelten sich an den Seine-Ufern und auf den Brücken, mehr als eine Milliarde Menschen verfolgen die Eröffnungszeremonie weltweit auf den Bildschirmen. Es war das erste Mal, dass die Zeremonie nicht in einem Stadion stattfand.
Auf einer Ehrentribüne gegenüber des Eiffelturms befanden sich etwa 85 Staats- und Regierungschefs und zahlreiche weitere Ehrengäste. Etwa 45.000 Sicherheitskräfte und 15.000 Soldaten waren im Einsatz, um die Zeremonie abzusichern.
P.A.Mendoza--AT