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Jugendämter nehmen erstmals seit vier Jahren wieder mehr Kinder in Obhut
Vier Jahre waren die Zahlen rückgängig, im vergangenen Jahr haben deutsche Jugendämter aber wieder mehr Kinder und Jugendliche in Obhut genommen als im Vorjahr. Rund 47.500 Minderjährige seien im Jahr 2021 vorübergehend in Obhut genommen worden, teilte das Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Dies entsprach einer Zunahme von fünf Prozent im Vorjahresvergleich. 2017 lag die Anzahl mit rund 61.300 Fällen noch deutlich höher.
Mit einem deutlichen Plus von 49 Prozent im Vorjahresvergleich wurden 2021 insbesondere mehr Kinder im Kontext einer unbegleiteten Einreise aus dem Ausland von den Jugendämtern aufgenommen. Die Inobhutnahmen wegen dringender Kindeswohlgefährdungen gingen hingegen um sechs Prozent oder rund 1800 Fälle zurück.
Dieser Rückgang könne möglicherweise auch auf die Kontaktbeschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie zurückzuführen sein, erklärten die Statistiker. So könnten diese dazu beigetragen haben, dass ein Teil der Kinderschutzfälle aufgrund von Einschränkungen im Schul- und Kitabetrieb unentdeckt geblieben seien.
Insgesamt wurden in Deutschland im vergangenen Jahr rund 28.500 Kinder und Jugendliche wegen dringender Kindeswohlgefährdungen in Obhut genommen, dies entsprach 60 Prozent aller Fälle. Knapp 11.300 oder 24 Prozent entfielen auf unbegleitete Einreisen, gut 7700 oder 16 Prozent der Inobhutnahmen wurden nach Selbstmeldungen beim Jugendamt durch Kinder und Jugendliche vorgenommen.
Insbesondere bei Kindern unter 14 Jahren war in jedem zweiten Fall die Überforderung der Eltern Grund für die Inobhutnahme. 26 Prozent der Kinder wurden zum Schutz gegen Vernachlässigung aufgenommen, bei 18 Prozent ging es um den Schutz vor physischer und bei zwölf Prozent um den Schutz vor psychischer Gewalt. Bei Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren entfielen 38 Prozent der Inobhutnahmen auf unbegleitet Einreisen.
Ein bedeutender Anteil der Inobhutnahmen konnte laut Statistischem Bundesamt bereits nach verhältnismäßig kurzer Zeit beendet werden: 53 Prozent dauerten maximal zwei Wochen, jeder dritte Fall nur maximal fünf Tage. Zwölf Prozent der Inobhutnahmen dauerten hingegen drei Monate oder länger.
A.Ruiz--AT