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DB zieht gemischte Bilanz zur Fußball-EM - Wissing: Konzern hat sich übernommen
Kurz vor dem Ende der Fußballeuropameisterschaft hat die Deutsche Bahn (DB) eine gemischte Bilanz ihrer Leistung gezogen: Während der EM seien zwölf Millionen Reisende allein in den Fernzügen der DB unterwegs gewesen - "noch nie gab es so viel Bahn bei einem internationalen Fußballturnier", erklärte der Konzern am Freitag. Beim Thema Pünktlichkeit seien die Möglichkeiten aber "durch eine veraltete und überlastete Infrastruktur beschränkt" gewesen.
Zudem sei der Zugverkehr vor allem auf der Nord-Süd-Route einige Wochen lang durch Hochwasserschäden beeinträchtigt gewesen. Mehrere hundert ICE-Züge pro Tag mussten umgeleitet werden, die Reisezeit verlängerte sich dadurch um 30 bis 60 Minuten.
Bahn-Chef Richard Lutz erklärte, er danke "allen Fahrgästen für ihre Geduld und Umsicht während des Turniers". Er betonte, das Sicherheitskonzept sei aufgegangen. "Es kam zu keinen nennenswerten Vorfällen in den Zügen und auf den Bahnhöfen." Rund 150.000 Mitarbeitende der DB hätten alles dafür getan, dass viele Millionen Fans und die Mannschaften sicher und zuverlässig zu den Spielen reisen konnten. Das sei angesichts der heftigen Belastungen der Bahn durch Extremwetter kurz vor und während der EM "ein echter Kraftakt" gewesen.
Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) sagte der "Welt am Sonntag", für solche Extremwetterlagen sei das Schienennetz nicht ausgelegt. Die Entwässerungssysteme könnten diese Wassermassen nicht aufnehmen.
Er kritisierte den Konzern aber auch wegen der Ankündigung, während der EM täglich 10.000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung zu stellen. Damit habe sich die DB "übernommen". Was den Fans teilweise widerfahren sei, "entspricht nicht dem Anspruch Deutschlands und nicht dem Anspruch, den ich an unsere Verkehrsinfrastruktur habe".
Die Bahn und der Verkehrsminister verwiesen auf die anstehende Generalsanierung von insgesamt 41 vielbefahrenen Strecken. Am Montag startet die Sanierung der Riedbahn zwischen Frankfurt und Mannheim. Schon diese Maßnahme "wird sich bundesweit ab Dezember positiv auf die Pünktlichkeit auswirken", erklärte die DB.
Wissing betonte in der "Welt am Sonntag", das Paket zur Generalsanierung bis 2031 sei "gesetzlich vereinbart". Da das Bundesverfassungsgericht geurteilt habe, dass die Haushaltsentscheidungen strikt dem Jährlichkeitsprinzip unterliegen, müsse die Regierung "jedes Jahr aufs Neue darlegen, wie viele Mittel wir für die im kommenden Jahr anstehenden Arbeiten brauchen". Das mache die Planung solcher Großprojekte nicht einfacher. Er kämpfe aber nicht nur für den jeweils kommenden Haushalt, sondern auch darum, dass die Mittelfristplanung Sicherheit für Großprojekte widerspiegele.
W.Moreno--AT