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EZB "nicht überzeugt genug" vom Erreichen des Inflationsziels - Zinsen unverändert
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen im Euroraum zum vierten Mal in Folge unverändert gelassen. "Obwohl sich die meisten Messgrößen der zugrunde liegenden Inflation weiter abgeschwächt haben, bleibt der binnenwirtschaftliche Preisdruck hoch", erklärte die EZB am Donnerstag in Frankfurt am Main. Noch sei die Zentralbank "nicht überzeugt genug" davon, ihre Inflationsziele erreichen zu können, sagte EZB-Chefin Christine Lagarde.
Damit bleibt der zentrale Leitzins, mit dem sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen können, stabil bei 4,5 Prozent. Auch der Zinssatz zur kurzfristigen Beschaffung von Geld, der Spitzenrefinanzierungssatz, blieb unverändert bei 4,75 Prozent. Der für Sparerinnen und Sparer interessante Einlagenzins verharrt auf seinem Allzeithoch von 4,0 Prozent.
Der EZB-Rat strebt weiter eine Rückkehr zu einer Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Zuletzt lag die Teuerungsrate in der Eurozone bei 2,6 Prozent. "Wir machen Fortschritte in Richtung unseres Inflationsziels, aber wir sind noch nicht völlig überzeugt", sagte Christine Lagarde.
Die EZB korrigierte ihre Inflationserwartung für das laufende Jahr deutlich nach unten: Für 2024 erwartet sie nun eine Teuerungsrate von durchschnittlich 2,3 Prozent, nach 2,7 Prozent im Dezember. 2025 dürften der Prognose nach 2,0 Prozent erreicht werden und für 2026 erwarten die zentralbanker 1,9 Prozent. Als Grund für die Anpassung nannte die EZB vor allem niedrigere Energiepreise.
Insbesondere die steigenden Löhne könnten aber zu Unsicherheiten und damit zu einer Verzögerung beim Erreichen der Zwei-Prozent-Marke führen. Eine Lohn-Preis-Spirale will die EZB verhindern.
"Im Juni werden wir mehr wissen", sagte Lagarde. Viele Expertinnen und Experten erwarten bei der dann stattfindenden Sitzung des EZB-Rats die ersten Zinssenkungen.
Würde die Zentralbank die Zinsen zu früh senken und dann wieder erhöhen müssen, "wäre ein solcher Zickzackkurs enorm schädlich für die Glaubwürdigkeit der EZB", mahnte Florian Heider, Direktor des Leibniz Institute for Financial Research (Safe).
Die Entscheidung vom Donnerstag ist laut Deutscher Industrie- und Handelskammer (DIHK) auch vor dem Hintergrund der weiterhin hartnäckigen Kerninflation, also der Inflation ohne Energie und Nahrung, richtig. "Wenn der erfreuliche Abwärtstrend bei der Inflationsrate anhält, sollte dann auch eine Lockerung der Geldpolitik möglich sein", erklärte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben. Derzeit sei es für eine Entwarnung jedoch noch zu früh.
Die Notenbanker hatten die Leitzinsen seit Juli 2022 wegen der ausufernden Inflation zehnmal in Folge erhöht. Erst im Oktober des vergangenen Jahres legten sie erstmals eine Pause ein, die bis heute anhält.
H.Romero--AT