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Niederlande wollen Europas größtes Gasfeld schließen
Die Niederlande wollen das größte europäische Gasfeld in der Provinz Groningen nach jahrelangen Erdbeben in der Gegend ab Oktober schließen. "Wir drehen wirklich den Hahn zu", erklärte der zuständige niederländische Minister Hans Vijlbrief am Freitag. Die Bohrlöcher des in den 1960er Jahren eröffneten Standorts sollen aber erst bis Oktober 2024 endgültig stillgelegt werden - bis dahin sollen sie für den Fall eines extrem kalten Winters bereitstehen.
Vijlbrief sprach von einem "wichtigen Moment nach Jahrzehnten der Gasförderung und besonders den Folgen dieser Gasförderung für Groningens Bewohner". Die Probleme der Bevölkerung würden damit nicht sofort beseitigt, "aber die Quelle allen Leides wird ab Oktober geschlossen sein".
Die unterirdischen Gasfelder bei Groningen im Norden der Niederlande sind die größten Vorkommen in Europa. Seit mehr als zwei Jahrzehnten klagen die Anwohner über Erdbeben, die direkt auf die Ausbeutung der Vorkommen zurückgeführt werden.
In den vergangenen Jahren war die Gasförderung deshalb zurückgefahren worden. 2021 wurden in Groningen nur noch 4,5 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert. In früheren Jahren waren es über 20 Milliarden Kubikmeter gewesen.
Schon 2022 sollte die Gasförderung ganz eingestellt werden. Angesichts der weltweiten Energiekrise im Zuge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine erklärte die Regierung aber im vergangenen Herbst, dass doch erneut 2,8 Milliarden Kubikmeter Gas entnommen werden sollten - die nötige Mindestmenge, um die bestehenden Standorte und Infrastrukturen zu betreiben.
Die Regierung unter Ministerpräsident Mark Rutte entschied nun in ihrer Kabinettssitzung am Freitag, die Produktion bis zum 1. Oktober komplett einzustellen. "Aufgrund der unsicheren internationalen Situation" werde es ein weiteres Jahr lang möglich bleiben, "in sehr außergewöhnlichen Situationen" an dem Standort Gas zu entnehmen, erklärte die Regierung - etwa bei "sehr strenger Kälte" oder bei Gasmangel. Bis Oktober 2024 würden die letzten elf Bohrlöcher dann "dauerhaft geschlossen".
Die Ölriesen Shell Niederlande und ExxonMobil sind zu gleichen Teilen an dem Konzern NAM beteiligt, der seit den 1960er Jahren für die Ausbeutung des Groninger Gasfeldes verantwortlich ist. Auch eine Shell-Führungskraft hatte im März erklärt, dass die Regierung das Feld schließen müsse.
Die Erdbeben haben den Häusern in der Gegend zwar schwere Schäden zugefügt, die Anwohner haben aber laut einem im Februar veröffentlichten Bericht eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses nur minimale Entschädigungen erhalten. Die Betroffenen sind demnach in einem Netz aus bürokratischen Hürden und Stümperei gefangen.
E.Flores--AT