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Ökonomen rechnen mit Rückgang der Wirtschaftsleistung in diesem Jahr
Die hohe Inflation sorgt für eine anhaltende Konsumflaute, die hohen Kreditzinsen lassen die Nachfrage nach Bauleistungen weiter zurückgehen: Ökonomen rechnen vor allem daher damit, dass in Deutschland das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr schrumpfen wird, und zwar um 0,4 oder 0,5 Prozent. Die Wirtschaft erhole sich nur langsam von der Rezession, erklärten das Ifo-Institut und das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK).
Beide Institute senkten ihre Prognose vom Frühjahr - das Ifo hatte einen Rückgang um 0,1 Prozent erwartet, das IMK der Hans-Böckler-Stiftung eine Stagnation. Es sei bedauerlich, dass sich die etwas positiveren wirtschaftlichen Perspektiven, die sich im Frühjahr abgezeichnet hatten, nun wieder zerschlagen hätten, erklärte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des IMK. Aber angesichts der enormen wirtschaftlichen Herausforderungen nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine seien die Ausschläge nach unten "moderat".
Die Gründe für den erwarteten Rückgang des BIP: Wegen der hohen Inflation sinke der private Konsum, der rund die Hälfte der Wirtschaftsleistung ausmacht, hob das IMK hervor. Auch der Staatskonsum ging demnach "deutlich zurück", nachdem die Corona-Maßnahmen weggefallen sind.
Die Bauinvestitionen sinken demnach weiter "drastisch", weil die Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank (EZB) Kredite stark verteuert haben. Das Ifo erwartet hier nach dem Minus um 1,8 Prozent im vergangenen Jahr ein Minus um 2,2 Prozent in diesem und sogar um 3,2 Prozent im kommenden Jahr.
Hinzu komme eine eher verhaltene Entwicklung des Außenhandels, erklärte das IMK. Die Weltwirtschaft werde im Prognosezeitraum lediglich "mit geringer Dynamik auf Erholungskurs gehen".
Auf der konjunkturellen Habenseite für die deutsche Wirtschaft stehen, neben der nachlassenden Inflation, kontinuierlich wachsende Ausrüstungsinvestitionen, erläuterte das IMK. Gründe dafür seien unter anderem die ökologische Transformation der Wirtschaft und wachsende Rüstungsausgaben des Staates.
Im kommenden Jahr wird die Konjunktur wieder etwas stärker an Fahrt gewinnen, erwarten die Forschenden: Das BIP dürfte dann laut IMK um durchschnittlich 1,2 Prozent zulegen, laut Ifo um 1,5 Prozent.
Die Institute erwarten, dass die Inflation in diesem Jahr noch hoch bleiben wird - das Ifo schätzt die Rate auf 5,8 Prozent, das IMK auf 5,3 Prozent. Im Jahresverlauf verringert sich der Preisauftrieb aber, erklärten die Forschenden. 2024 dürfte die Teuerungsrate laut IMK mit 2,4 Prozent wieder relativ nahe am Inflationsziel der EZB von zwei Prozent liegen. Auch das Ifo rechnet 2024 mit 2,1 Prozent.
IMK-Direktor Dullien forderte die EZB auf, mit ihren Zinsschritten zunächst eine Pause einzulegen. Die Inflation entwickle sich "absehbar" in Richtung des EZB-Ziels, erklärte er. Zugleich entfalteten die kräftigen Zinserhöhungen der vergangenen Monate ihre volle Wirkung erst mit Zeitverzögerung.
T.Perez--AT