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Rücktritt eines Bürgermeisters nach mutmaßlichem Brandanschlag bestürzt Frankreich
Der Rücktritt eines Bürgermeisters wegen eines mutmaßlichen Brandanschlags auf sein Wohnhaus nach einem Streit um ein Flüchtlingsheim hat in Frankreich Bestürzung ausgelöst. "Was da passiert ist, ist sehr schockierend", sagte Premierministerin Elisabeth Borne am Donnerstag. "Es zeigt, dass der Extremismus in unserem Land zunimmt", betonte sie und kündigte an, bedrohte Bürgermeister in Zukunft besser schützen zu wollen.
Sie lud Yannick Morez, den betroffenen Bürgermeister von Saint-Brevin-les-Pins an der Atlantikküste, zu einem Treffen ein. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach Morez und seiner Familie seine "Solidarität" angesichts "unwürdiger Angriffe" aus.
"Ich habe mich zu diesem Schritt entschieden, (...) wegen der kriminellen Brandstiftung an meinem Haus und der fehlenden Unterstützung des Staates", hatte der seit sechs Jahren amtierende, parteilose Morez am Mittwoch auf Facebook geschrieben. Bei dem Brand im März waren zwei Autos zerstört und ein Teil des Wohnhauses des Bürgermeisters beschädigt worden. Es gab keine Verletzten. Zur Brandursache laufen die Ermittlungen.
In Saint-Brevin-les-Pins hatte es mehrere Demonstrationen gegen den geplanten Neubau eines Flüchtlingsheims gegeben, das sich seit 2016 in dem Badeort befindet und in die Nähe einer Grundschule verlegt werden soll. Dazu hatte unter anderem die Partei des rechtsextremen Politikers Eric Zemmour aufgerufen.
"Es ist eine Schande, dass der Staat nicht erkannt hat, was dort passierte", schrieb der sozialistische Parteichef Olivier Faure auf Facebook, mit Blick auf die Anfeindungen gegen den Bürgermeister in den vergangenen Monaten. "Und es ist eine Schande, den Rechtsextremismus zu verharmlosen", fügte er hinzu.
"Es hat niemals das geringste Problem gegeben", hatte Morez Ende März der AFP gesagt. Seit der Eröffnung des Flüchtlingsheims in Folge der Räumung des sogenannten Dschungels von Calais seien etwa 400 Asylsuchende in Saint-Brevin-les-Pins beherbergt worden.
"Ist das Amt eines Bürgermeisters inzwischen so gefährlich, dass wir unser Leben und das unser Familien aufs Spiel setzen?", fragte der sozialistische Bürgermeister der benachbarten Stadt Saint-Nazaire, David Samzun.
Der Leiter des betroffenen Flüchtlingsheims, Florian Guyot, sprach von einem "Alarmsignal angesichts wachsender Intoleranz und Fremdenangst". "Es gibt eine Radikalisierung der öffentlichen Meinung", sagte Guyot der AFP. Er bekräftigte, dass der Bau des Flüchtlingsheims wie geplant vorangehe und Ende des Jahres abgeschlossen werde.
K.Hill--AT