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Deutscher Exportüberschuss 2022 stark geschrumpft
Der deutsche Exportüberschuss ist im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit mehr als 20 Jahren gefallen. Der Wert der Ausfuhren überstieg den der Einfuhren um 76 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte. Das war der niedrigste Wert seit dem Jahr 2000. Grund dafür sind vor allem die hohen Kosten für die Einfuhr von Energie. Exportierende Unternehmen profitierten aber auch von Preissteigerungen für ihre Produkte.
Insgesamt exportierte Deutschland im vergangenen Jahr Waren im Wert von 1,564 Billionen Euro - ein Plus von 14,3 Prozent im Jahresvergleich. Die Einfuhren erhöhten sich wertmäßig um 24,3 Prozent auf 1,488 Billionen Euro. Der Exportüberschuss hatte im Jahr 2021 noch 175,3 Milliarden Euro, also mehr als doppelt so viel, betragen und ist nun das fünfte Jahr in Folge rückläufig.
Hintergrund der Entwicklung war nach Angaben des Statistikamts insbesondere der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Um die Energieimporte aus Russland möglichst schnell und weitgehend herunterzufahren, hatte Deutschland im vergangenen Jahr seinen Bedarf kurzfristig über andere Lieferanten decken müssen, was teils sehr teuer war. Auch die erst nach und nach eingestellten Energieimporte aus Russland verteuerten sich massiv.
Im Handel mit Russland nahmen deshalb trotz massiv gesunkenen Volumens die Importe wertmäßig im Jahresvergleich um 6,5 Prozent zu. Die Exporte dorthin brachen infolge des Krieges hingegen um 43,7 Prozent ein.
Für Dezember vermeldete das Statistische Bundesamt bei den Exporten ein Plus von 5,9 Prozent im Vorjahresvergleich. Die Importe legten demnach um 3,0 Prozent zu. Der wichtigste Abnehmer deutscher Produkte waren abgesehen von den 26 EU-Partnerländern weiterhin die USA, auch wenn im Dezember zehn Prozent weniger dorthin exportiert wurde als noch im November. Die meisten Importe kamen im Dezember wie auch in den Vormonaten aus China.
"Das Exportland Deutschland hat im vorigen Jahr Weltmarktanteile und Wettbewerbsfähigkeit verloren", erklärte die Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Tanja Gönner. "Preisbereinigt haben sich die deutschen Ausfuhren im vergangenen Jahr zwei Prozentpunkte schwächer entwickelt als der globale Handel."
Gönner forderte von der Bundesregierung mehr Einsatz auf EU-Ebene für neue Freihandelsabkommen sowie eine engere Zusammenarbeit mit den USA. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) bemängelte vor dem Hintergrund der Exportzahlen insbesondere die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten für Unternehmen in Deutschland.
Ch.P.Lewis--AT