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Gewissheit nach wochenlangem Drama: Toter Wal vor Dänemark ist Tier aus Ostsee
Rund zweieinhalb Monate hat das Drama um den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal die Menschen in Atem gehalten, nun ist es Gewissheit: Das als Timmy bekannt gewordene Tier ist tot. Bei einem vor der dänischen Insel Anholt gefundenen Walkadaver handelt es sich nach Angaben dänischer und deutscher Behörden um den berühmten Meeressäuger.
"Am Ende hat wohl die Natur entschieden", teilte der Umweltminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), am Wochenende mit. Kritik an dem von Fachleuten abgelehnten Rettungsversuch einer Privatinitiative, die das Tier in einem Lastkahn zur Nordspitze Dänemarks gebracht hatte, wies er zurück. "Ich halte es für absolut menschlich, auch die geringste Chance zu nutzen, wenn es um ein Leben geht."
Der rund zwölf Meter lange Buckelwal war wochenlang vor der deutschen Ostseeküste umhergeirrt und dabei mehrfach gestrandet. Zuletzt hatte er rund einen Monat lang in einer flachen Seitenbucht vor der Insel Poel bei Wismar in Mecklenburg-Vorpommern gelegen. Das Schicksal des Tiers und der Umgang mit dem Wal hatten wochenlang für Schlagzeilen und hitzige Debatten gesorgt, die bis hin zu Morddrohungen reichten.
Experten und Behörden hatten das schwer angeschlagene und geschwächte Tier bereits Anfang April aufgegeben, trotzdem duldete Backhaus einen weiteren Rettungsversuch der von Unternehmern finanzierten privaten Rettungsinitiative. Diese hatte den jungen Walbullen Anfang Mai in einer mehrtägigen Aktion mit einem wassergefüllten Lastkahn aus der Ostsee zur Nordspitze Dänemarks gebracht, wo er ausgesetzt wurde.
Sein weiteres Schicksal blieb zunächst unklar. Experten des Deutschen Meeresmuseums waren von seinem Tod ausgegangen. Demnach dürfte dem geschwächten Meeressäuger die Kraft zu längerem Schwimmen gefehlt haben. Nach Angaben der Privatinitiative war zwar ein Tracker zur Positionsermittlung an dem Tier angebracht, funktionierte aber nicht.
Der Fund eines solchen Trackers an dem Walkadaver vor Anholt räumte letzte Zweifel aus, dass es sich um das fragliche Tier handelt. Es gebe nun "letzte Sicherheit", erklärte Backhaus. Ähnlich äußerte sich die nationale dänische Umweltschutzbehörde EPA, zunächst gab es nach deren Angaben "keine konkreten Pläne" für eine Autopsie oder Bergung.
Die Behörde warnte zudem vor Explosionsgefahr durch Verwesungsgase, die sich in dem toten Tier ansammeln. Der Kadaver könne auch "Träger von auf den Menschen übertragbaren Krankheiten" sein, Schaulustige sollten einen Sicherheitsabstand wahren. Anholt ist eine kleine Insel im Kattegat zwischen Dänemark und Schweden. Dort war der zunächst nicht sicher identifizierte Walkadaver am Donnerstag entdeckt worden.
"Es ging immer darum abzuwägen, welche Option die schlechteste ist: Den sicheren Tod des Tieres unter Qualen abzuwarten oder ihm eine letzte Chance zu geben und ihn dabei möglichem Stress auszusetzen", erklärte Backhaus mit Blick auf den Rettungsversuch. Es gehe jetzt darum, "aus dem Geschehen die bestmöglichen Lehren zu ziehen". Der Tod des Wals sei eine Mahnung für mehr Natur-, Arten- und Klimaschutz.
Backhaus sprach von "schweren Stunden". Es werde nun mit den Behörden in Dänemark zu klären sein, was mit dem toten Wal geschehen soll. Er kündigte dazu auch Gespräche mit der privaten Rettungsinitiative an.
Ähnlich äußerte sich auch die auf Hawaii lebende US-Tierärztin Jenna Wallace, die zeitweise in die Rettungsbemühungen der Privatinitiative eingebunden gewesen war. Sie hoffe, dass das Schicksal des Wals dazu beitrage, die Ozeane und die Tiere darin zu schützen und künftige Rettungsaktionen zu verändern, schrieb sie im sozialen Netzwerk Instagram.
Trotz des tragischen Ausgangs bezeichnete auch Wallace den Transport mit dem Lastkahn als einen Erfolg. "Timmy starb im Ozean und nicht einsam feststeckend in Schlamm in flachem Wasser", betonte sie dort.
Die Rettungsinitiative war auch mit internen Querelen sowie Vorwürfen gegen andere Beteiligte aufgefallen. Zuletzt hatte eine Vertreterin nach der Freisetzung des Wals vor Dänemark die Crews der angemieteten Schiffe kritisiert und diesen eigenmächtiges Handeln vorgeworfen.
Eine Rechtsanwältin der Reederei wies dies am Wochenende als unwahr zurück. Es handle sich "um undifferenzierte, unvollständige und durch nichts gerechtfertigte Vorwürfe und sogar falsche Behauptungen wider besseres Wissen", erklärte sie am Samstag in Hamburg. Die Maßnahmen seien auf "Anweisung der Privatinitiative" und im Beisein des von dieser benannten Entscheidungsträgers erfolgt. Sie berichtete auch von Anfeindungen "bis hin zu Morddrohungen" gegen Reedereimitarbeiter.
R.Garcia--AT