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Trotz Ultimatum: KI-Firma Anthropic will Pentagon uneingeschränkte Nutzung verweigern
Kurz vor dem Ablaufen einer vom US-Verteidigungsministerium gesetzten Frist will der Chef des KI-Unternehmens Anthropic dem Pentagon weiterhin die uneingeschränkte militärische Nutzung seiner Technologie verweigern. "Wir können ihrer Forderung nicht guten Gewissens nachkommen", erklärte der Anthropic-Vorstandsvorsitzende Dario Amodei am Donnerstag (Ortszeit).
Das US-Verteidigungsministerium hatte Anthropic bis Freitagnachmittag (17.01 Uhr Ortszeit, 23.01 Uhr MEZ) Zeit gegeben, einer uneingeschränkten militärischen Nutzung seiner Technologie zuzustimmen - und andernfalls mit Zwangsmaßnahmen unter einem Gesetz aus der Zeit des Kalten Kriegs gedroht. "Diese Drohungen verändern unseren Standpunkt nicht", sagte Anthropic-Chef Amodei und fügte an: "Wir werden nicht wissentlich ein Produkt bereitstellen, das amerikanische Soldaten und Zivilisten in Gefahr bringt."
Ein ranghoher Vertreter des Pentagon hatte am Dienstag nach einem Treffen mit Anthropic-Vertretern erklärt, sollte das Unternehmen der uneingeschränkten Nutzung durch das US-Militär nicht fristgerecht zugestimmt haben, werde das Verteidigungsministerium vom im Jahr 1950 verabschiedeten Defense Production Act Gebrauch machen. Unter dem Gesetz darf die US-Regierung Unternehmen zwingen, sich Anforderungen der nationalen Sicherheit zu beugen.
Zudem drohte das Pentagon damit, Anthropic als "Sicherheitsrisiko in der Lieferkette" einzustufen. Eine solche Bewertung vergibt die US-Regierung üblicherweise an Unternehmen aus Ländern, die von den USA als Gegner betrachtet werden. Träfe dies nun Anthropic, könnte das Unternehmen künftig keine Staatsaufträge mehr erhalten und einen erheblichen Reputationsschaden erleiden.
Anthropic weigert sich nach Angaben von Unternehmenschef Amodei, seine Software für die "Massenüberwachung im Inland" oder in vollautonomen Waffensystemen einsetzen zu lassen. Das Pentagon hatte seinerseits nach dem Treffen mit Anthropic-Vertretern am Dienstag erklärt, es habe stets im Rahmen des Gesetzes gehandelt.
Anthropic wurde 2021 von ehemaligen Mitarbeitern des KI-Unternehmens OpenAI gegründet. Während OpenAI durch seinen Chatbot ChatGPT der breiten Öffentlichkeit deutlich bekannter ist, zielt Anthropic mit seinem Chat Claude auf Programmierer und Unternehmen ab, denen unter anderem Datensicherheit wichtig ist.
S.Jackson--AT