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Zufriedenheit der Deutschen mit Demokratie binnen zwei Jahren gestiegen
Die Zufriedenheit der Deutschen mit der Staatsform der Demokratie ist in den vergangenen zwei Jahren gestiegen. In Ostdeutschland wuchs sie in diesem Zeitraum von 65 auf 90 Prozent an, wie die Universität Leipzig in ihrer am Mittwoch veröffentlichten sogenannten Autoritarismusstudie mitteilte. Bundesweit hat die Demokratie demnach eine Zustimmung von 82 Prozent.
Allerdings zeigte sich nur die Hälfte der Befragten einverstanden mit der demokratischen Alltagspraxis. Laut Studie geht die hohe Zufriedenheit mit der Staatsform mit dem Gefühl einher, trotzdem keinen politischen Einfluss zu haben.
Gleichzeitig sanken rechtsextreme Einstellungen teils deutlich. Im Osten zeigten nur noch zwei Prozent der Menschen ein geschlossen rechtsextremes Weltbild. 2020 waren es noch zehn Prozent gewesen. "Das ist eine gute Nachricht, aber nur das halbe Bild", erklärte Studienleiter Oliver Decker. "Während Elemente einer Neo-NS-Ideologie seltener sind, haben die Ressentiments gegen jene, die als 'anders' empfunden werden, sogar zugenommen", ergänzte der zweite Studienleiter Elmar Brähler.
31 Prozent der Ostdeutschen sind demnach manifest ausländerfeindlich eingestellt, 2020 waren es noch 27,8 Prozent. In Westdeutschland sank der Wert von 13,7 Prozent auf 12,6 Prozent. 40 Prozent der Ost- und 23 Prozent der Westdeutschen sind der Meinung, Deutschland sei durch viele Ausländer überfremdet.
Als Folge der Pandemie werteten die Wissenschaftler verstärkte Wünsche nach Autorität. Ohnmachtsgefühle und Einschränkungen des eigenen Lebens würden akzeptiert, führten aber zu vermehrten Aggressionen. Statt Elementen rechtsextremer Einstellungen träten nun andere antidemokratische Motive in den Vordergrund - als Beispiel nannte die Studie Vorurteile und Hass auf andere Menschen.
Demnach ist der Hass auf Migranten, Frauen und Muslime weit verbreitet. Die Ablehnung von Muslimen stieg im Vergleich zur Vorgängerumfrage im Osten auf 46,6 Prozent und im Westen auf 23,6 Prozent. Antisemitismus wird am häufigsten in Form einer Schuldabwehr geäußert. Seit 2020 stieg zudem die Zustimmung zu antifeministischen Aussagen. 27 Prozent der Befragten sagten aus, dass Frauen, die mit ihren Forderungen zu weit gingen, sich nicht wundern müssten, wenn sie in ihre Schranken gewiesen würden.
Der Anstieg des Antifeminismus, des Schuldabwehrantisemitismus und des Hasses auf Muslime zeige eine Verschiebung der Motive antidemokratischer Einstellungen, keine Stärkung der Demokratie, warnten die Studienautoren. Rechtsextreme hätten heute viel mehr Möglichkeiten, in der Mitte der Gesellschaft Anschluss zu finden.
Eine weitere Folge der Pandemie ist laut Studie eine Polarisierung der Gesellschaft. Demnach wird der politische Diskurs von einer verfestigten Gruppe von 13 Prozent Impfgegnern auf der einen Seite und 19 Prozent von Menschen mit starken Ressentiments gegen Impfgegner dominiert. In beiden Gruppen seien Ressentiments gegen Andere gleichermaßen stark ausgeprägt.
Ähnliches entdeckten die Forscher beim Thema des Ukraine-Kriegs. Die Unterstützer von Waffenlieferungen auf der einen und Russland-Sympathisanten auf der anderen Seite hätten eine generell höhere Neigung zu autoritären Aggressionen gemeinsam.
P.Hernandez--AT