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Schuster warnt vor Verblassen der Erinnerung - Steinmeier für neue Gedenkformen
Zentralratspräsident Josef Schuster hat vor einem Verblassen der Erinnerung an den Holocaust gewarnt. Sowohl von links als auch von rechts gebe es Bestrebungen, "Erinnerung neu zu definieren", schrieb Schuster in einem Gastbeitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Mittwoch aus Anlass des Jahrestags der Pogromnacht im Jahr 1938. Immer mehr Menschen empfänden das Gedenken als lästige Pflicht. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mahnte bei einer gemeinsamen Veranstaltung mit Schuster am Mittwoch im Schloss Bellevue neue Formen des Erinnerns an.
Es gebe "andere Formen und Formate, mit denen wir Gedenktage und Erinnerungstage lebendig und für die Gegenwart bedeutsam machen können", sagte Steinmeier. "Nach ihnen müssen wir immer neu suchen." Der Bundespräsident erinnerte an die Schwierigkeiten im Umgang mit dem Datum 9. November und mit den Anlässen, die mit diesem Datum verbunden sind.
Der 9. November steht für drei einschneidende Ereignisse in der deutschen Geschichte: 1918 rief in Berlin Philipp Scheidemann die Republik aus, 1938 setzten die Nationalsozialisten in der Reichspogromnacht Synagogen und andere jüdische Einrichtungen in Brand und drangsalierten und ermordeten Jüdinnen und Juden, 1989 fiel die Mauer in Berlin.
"An der Art und Weise, wie wir Deutsche unseren 9. November - unsere 9. November - in Erinnerung halten, wie wir ihrer würdig und angemessen gedenken, entscheidet sich unsere Identität" sagte Steinmeier laut vorab verbreitetem Redetext.
Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland zeigte sich besorgt darüber, dass sich in einer Bertelsmann-Umfrage jüngst 49 Prozent der Befragten dafür aussprachen, einen "Schlussstrich" unter das Holocaust-Gedenken zu ziehen. "Wir erleben einen Paradigmenwechsel in Kultur und Wissenschaft, der an den grundüberzeugungen der Bundesrepublik Deutschland rüttelt: der Erinnerung an die Schoa als identitätsstiftendes Element", sagte er.
M.White--AT