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Nordkorea verschärft Spannungen mit Abfeuern von mehr als 20 Raketen
Mit dem Abfeuern von mehr als 20 Raketen hat Nordkorea die Spannungen mit Südkorea verschärft und die Angst vor einem erneuten Atomtest genährt. Eine der 23 Raketen sei den südkoreanischen Hoheitsgewässern "so nahe wie nie zuvor" gekommen, teilte Südkoreas Armee am Mittwoch mit. Nordkorea habe außerdem Artillerie-Salven abgefeuert. Experten zufolge reagierte Pjöngjang damit auf das gegenwärtige gemeinsame Großmanöver von südkoreanischer und US-Luftwaffe.
Pjöngjang habe Geschosse "unterschiedlicher Art nach Osten und Westen" abgefeuert, erklärten die Generalstabschefs der südkoreanischen Armee. Eine Kurzstreckenrakete überquerte demnach die De-Facto-Seegrenze zwischen Nord- und Südkorea. Laut Generalstab kam sie den südkoreanischen Hoheitsgewässern "so nahe wie nie zuvor" eine Rakete seit Ende des Koreakriegs im Jahr 1953: Sie schlug nur 57 Kilometer östlich des südkoreanischen Festlands ins Meer.
Dieser Umstand sei "sehr selten und nicht hinnehmbar", erklärten die südkoreanischen Generalstabschefs. Präsident Yoon Suk Yeol berief eine Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats ein und nannte den Vorfall ein "faktisches Eindringen" Nordkoreas in südkoreanisches Gebiet. Er ordnete "schnelle und entschiedene Maßnahmen" an, "damit Nordkorea für seine Provokationen einen deutlichen Preis zahlt".
Das südkoreanische Militär erklärte, es habe drei Luft-Boden-Raketen in Richtung der Stelle nahe der Seegrenze abgefeuert, an der die nordkoreanische Rakete niedergegangen war. Bewohner der südkoreanischen Insel Ulleungdo wurden aufgerufen, sich in Schutzbunker zu begeben. Südkorea schloss vorübergehend einige Flugrouten und riet, das Japanische Meer aus Sicherheitsgründen zu umfliegen.
Japan bestätigte ebenfalls den Abschuss mutmaßlicher ballistischer Raketen durch Nordkorea, die japanische Küstenwache rief Schiffe zur Wachsamkeit auf.
Russland wiederum rief alle Beteiligten zur Ruhe auf. "Alle Konfliktparteien müssen jedwede Maßnahmen vermeiden, die zu einer Zunahme der Spannungen führen könnten", erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow.
Laut Südkoreas Militär feuerte Nordkorea sieben Kurzstreckenraketen und 16 andere Raketen ab, darunter sechs Boden-Luft-Raketen. Außerdem habe Nordkorea etwa hundert Artillerie-Salven in eine Pufferzone nördlich der Seegrenze zwischen den beiden Staaten abgefeuert.
Die Seegrenze war zum Ende des Koreakriegs im Jahr 1953 von einer US-geführten UN-Truppe gezogen worden, sie wurde von Pjöngjang jedoch nie anerkannt. An ihr kam es im Laufe der Jahre wiederholt zu Vorfällen zwischen beiden koreanischen Staaten. Die Pufferzone wurde 2018 eingerichtet, um die Spannungen zu verringern.
Cheong Seong Chang vom südkoreanischen Sejong-Institut sagte der Nachrichtenagentur AFP, Nordkoreas Raketenabschüsse am Mittwoch seien "die aggressivste und bedrohlichste bewaffnete Machtdemonstration gegen den Süden seit 2010". Nun herrsche eine "gefährliche und instabile Situation, die zu bewaffneten Konflikten führen könnte".
Go Myong Hyun vom Asan Institute for Policy Studies sprach von "Provokationen gegen Südkorea". "Ich wäre nicht überrascht, wenn sie zu einem Atomtest führen", warnte er. Nordkorea hatte zuletzt 2017 einen Atomtest vorgenommen. Wegen wiederholter Raketentests warnen Südkorea und die USA vor einem bevorstehenden weiteren Atomtest des Nordens.
Südkorea und die USA halten derzeit ihre bisher größten gemeinsamen Luftübungen unter dem Namen "Vigilant Storm" ab. An dem Manöver sind hunderte Kampfflugzeuge beider Länder beteiligt.
Nordkorea hatte vorab kritisiert, dass es sich bei dem Manöver um Vorbereitungen für eine mögliche Invasion handele. Pjöngjang drohte zugleich, dass die USA und Südkorea teuer bezahlen würden, falls sie den Norden angreifen sollten.
R.Lee--AT