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Selenskyj fordert vor G7- und EU-Gipfel mehr Luftverteidigungssysteme für die Ukraine
Kurz vor dem am Montag beginnenden G7-Gipfel im französischen Evian und einem Treffen der EU-Staats- und -Regierungschefs am Donnerstag in Brüssel hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Forderungen zur Lieferung westlicher Luftverteidigungssysteme erneuert. "Es ist sehr wichtig, dass diese Verhandlungen zu konkreten Entscheidungen führen", erklärte Selenskyj am Sonntag. Beim G7-Gipfel wird Selenskyj nach US-Angaben auf US-Präsident Donald Trump treffen.
Selenskyj erklärte im Onlinedienst X, die ukrainische Armee habe in der abgelaufenen Woche 1920 russische Drohnen- und 17 Raketenangriffe registriert. Bei den Treffen mit den Partnern Kiews müsse es um die "Verteidigung gegen diesen russischen Terror" gehen, fügte er hinzu. Neben der Lieferung von Luftabwehrsystemen forderte Selenskyj eine "Stärkung des Sanktionsdrucks" auf Moskau. Nur durch die "Einheit der Partner" könne der Krieg "auf würdige Weise" beendet werden.
Im Weiteren zählte Selenskyj jüngste ukrainische Angriffe auf Ziele in Russland auf, die demnach teilweise weit im Landesinneren liegen. Unter anderem seien "Beschränkungen des Luftverkehrs an sechs russischen Flughäfen verhängt" worden, und in 28 Regionen habe es seit Samstagabend Luftalarm gegeben. Außerdem sei eine Ölanlage attackiert worden.
Beim G7-Gipfel am Genfer See, der von Montag bis Mittwoch dauert, wird Selenskyj nach US-Angaben auf US-Präsident Trump treffen. "Am Dienstagmorgen wird Präsident Trump an einer Arbeitssitzung mit den Staats- und Regierungschefs der G7 und dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj teilnehmen", sagte ein US-Beamter am Samstag. Ein bilaterales Treffen stehe nicht offiziell auf der Agenda, fügte er hinzu. "Es ist aber durchaus möglich, dass sie sich am Rande treffen" - schließlich sei Trump der "einzige" Politiker, der den Krieg beenden könne.
Darüber hinaus wird erwartet, dass Selenskyj am Donnerstag persönlich am EU-Gipfel in Brüssel teilnehmen wird, bei dem es unter anderem um die weitere Unterstützung der Ukraine und einen möglichen EU-Beitritt Kiews gehen soll. Schon am Montag soll dazu der erste Verhandlungsblock eröffnet werden.
Im Zusammenhang mit den ukrainischen Angriffen auf Ziele in Russland gab der Gouverneur der russischen Region Krasnodar, Wenjamin Kondratjew, an, dass durch einen "ukrainischen Drohnenangriff" im Bezirk Temrjuk am Asowschen Meer ein Mensch getötet worden sei. Insgesamt schoss die russische Armee nach eigenen Angaben in der Nacht von Freitag auf Samstag 177 ukrainische Drohnen ab.
Aus einem Bericht der UN-Menschenrechtskommission ging derweil hervor, dass im Monat Mai in der Ukraine weitaus mehr Zivilisten verletzt oder getötet wurden als noch im Vorjahresmonat. Demnach wurden im Mai dieses Jahres mindestens 274 Zivilisten getötet und 1763 verletzt, im Mai 2025 waren es noch 191 Tote und 865 Verletzte gewesen. Im Vergleich zum April stieg die Gesamtzahl der Verletzten und Toten in der Ukraine um 23 Prozent an.
Nach mehreren Tagen ohne externe Stromversorgung ging unterdessen das russisch kontrollierte Atomkraftwerk Saporischschja in der Ukraine wieder ans Netz. Die Stromleitung sei wiederhergestellt worden, erklärte die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) am Samstag. Der Ausfall der Energieversorgung war am vergangenen Mittwoch durch einen Angriff auf ein Umspannwerk ausgelöst worden. Im Anschluss musste das Atomkraftwerk der IAEA zufolge auf Notstromgeneratoren zurückgreifen.
Die Ukraine hat in den vergangenen Monaten ihre Angriffe innerhalb Russlands verstärkt. Sie rechtfertigt die Angriffe als Vergeltung für die massiven russischen Bombenangriffe auf die Ukraine in dem seit mehr als vier Jahren anhaltenden Krieg.
E.Hall--AT