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Amnesty Deutschland: Iran Land mit den zweitmeisten Hinrichtungen weltweit
Die Zahl der vollstreckten Todesurteile ist laut Amnesty International so hoch wie seit mehr als 40 Jahren nicht mehr. Vor allem im Iran sei der Anstieg auf mehr als 2150 Hinrichtungen "erschreckend" hoch, hieß es in einem am Montag veröffentlichten Bericht der Menschenrechtsorganisation. "2025 war Iran das Land mit den zweitmeisten Hinrichtungen weltweit", erklärte die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Julia Duchrow, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Im vergangenen Jahr wurden weltweit insgesamt 2707 Menschen hingerichtet, heißt es in dem Bericht. Damit wurde der höchste Stand seit 1981 erreicht. Die aktuellen Höchstzahlen sind der Organisation zufolge auf Rückschritte in wenigen Staaten zurückzuführen.
Allein die Behörden der Islamischen Republik Iran richteten demnach im Jahr 2025 mindestens 2159 Menschen hin - mehr als doppelt so viele wie 2024. "Der dramatische Anstieg von Hinrichtungen um 78 Prozent im Vergleich zum Vorjahr geht vor allem auf wenige Staaten zurück, die die Todesstrafe gezielt als Instrument der Einschüchterung einsetzen, allen voran China, Iran und Saudi-Arabien", hieß es in dem Bericht. Insbesondere dem Iran sei diese neue Höchstzahl zuzuschreiben.
Zum Jahresende 2025 war laut Amnesty gegen weltweit 28.085 Menschen ein Todesurteil ergangen. Die Todesstrafe sei "unmenschlich, endgültig und lässt keinen Raum für Fehler oder Gerechtigkeit", erklärte Duchrow. Dass immer noch Regierungen darauf setzten, zeige "eine erschreckende Missachtung des Rechts auf Leben".
Dies gelte insbesondere für den Iran. "Im Iran können wir aktuell auf bedrückendste Weise mitverfolgen, wie Staaten die Todesstrafe systematisch einsetzen, um Menschen zum Schweigen zu bringen, benachteiligte Gruppen zu unterdrücken und Angst zu verbreiten", erklärte die Amnesty-Generalsekretärin. "Die iranischen Behörden setzen die Todesstrafe gezielt ein, um die Bevölkerung massiv einzuschüchtern und zu kontrollieren."
Laut Amnesty und weiteren Menschenrechtsgruppen hat Teheran die Zahl der Hinrichtungen nach den jüngsten regierungskritischen Protesten im Januar und den US-israelischen Angriffen Ende Februar noch einmal vorangetrieben. Viele dieser Hinrichtungen stehen demnach im Zusammenhang mit Anklagen im Zuge der Proteste und der angeblichen Mitgliedschaft in verbotenen Gruppen. Die Menschen im Iran sieht daher Duchrow "doppelt unter Druck - einerseits durch Androhung neuer Bombardierungen durch die USA und Israel. Andererseits durch die massiven, teils tödlichen Repressionen der eigenen Regierung".
Einen "deutlichen Anstieg von Hinrichtungen" gab es 2025 laut Duchrow nach dem Zwölftagekrieg zwischen Israel und dem Iran. Zudem verwies sie gegenüber AFP auf ein neues Gesetz "unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit". Das Gesetz trat demnach im Oktober 2025 in Kraft und sieht für Vorwürfe wie "Zusammenarbeit mit feindlichen Regierungen" und "Spionage" laut Duchrow "zwingend die Todesstrafe vor".
Auch in anderen Ländern der Region wurden dem Bericht zufolge mehr Menschen hingerichtet als 2024. Saudi-Arabien vollstreckte im vergangenen Jahr mindestens 356 Hinrichtungen - und übertraf damit die bereits 2024 festgestellte Rekordzahl von mindestens 345 Hinrichtungen. In Kuwait verdreifachte sich die Zahl der Hinrichtungen nahezu von sechs im Jahr 2024 auf 17 im vergangenen Jahr.
Die im Bericht dokumentierten 2707 Hinrichtungen weltweit bilden allerdings nur einen Teil des tatsächlichen Ausmaßes ab: Nicht erfasst sind Exekutionen in China, wo entsprechende Daten als Staatsgeheimnis gelten. Dennoch ist China dem Bericht zufolge mit tausenden Fällen unverändert das Land mit den meisten Hinrichtungen weltweit.
Nach Angaben von Amnesty haben insgesamt 145 Länder die Todesstrafe mittlerweile per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. 113 Länder haben die Todesstrafe für alle Straftaten abgeschafft. Allerdings stellte die Organisation für 2025 Hinrichtungen in 17 Ländern fest - im Vorjahr waren es noch 15 Länder.
Die Staaten, die weiterhin an Hinrichtungen festhielten, stehen aus Duchrows Sicht "zunehmend isoliert da". Weltweit setze sich die Erkenntnis durch, "dass die Todesstrafe grausam, diskriminierend und wirkungslos ist - und deshalb keinen Platz mehr in unserer Zeit haben darf".
A.Clark--AT