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Selenskyj droht Moskau nach Tod von 24 Menschen bei russischen Angriffen mit Vergeltung
Einen Tag nach dem Tod von 24 Menschen in Kiew bei massiven russischen Angriffen hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Moskau mit Vergeltung gedroht. Die Ukraine werde "keinen der Angriffe" Russlands mit ukrainischen Toten "ungestraft lassen", erklärte Selenskyj am Freitag im Onlinedienst X. Zuvor hatte Kiew mit einem Trauertag der Opfer des heftigen russischen Angriffs vom Vortag gedacht. Russland und die Ukraine tauschten nach Angaben aus Moskau unterdessen jeweils 205 Kriegsgefangene aus.
"Unsere Vergeltungsmaßnahmen gegen die russische Ölindustrie, die Rüstungsproduktion und diejenigen, die direkt für Kriegsverbrechen gegen die Ukraine und die Ukrainer verantwortlich sind, sind vollkommen gerechtfertigt", erklärte der ukrainische Staatschef.
Am Freitagvormittag hatte Selenskyj die Stelle besucht, an der ein mehrstöckiges Wohngebäude in Kiew von einer russischen Rakete zerstört worden war. Das Wohnhaus sei bei dem Angriff "dem Erdboden gleichgemacht worden", sagte Selenskyj nach dem Gang durch den von Trümmern übersäten Innenhof. Russland habe hier 24 Menschen das Leben genommen, darunter drei Kindern.
Bei den drei getöteten Kindern handelte es sich um Mädchen im Alter von zwölf, 15 und 17 Jahren. Der Vater des jüngsten Kindes war bereits im Kampf gegen die russische Invasion ums Leben gekommen, wie die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko erklärte.
Die Flaggen wehten "zum Gedenken an die Opfer des massivsten Angriffs des Feindes" auf die ukrainische Hauptstadt auf Halbmast, Unterhaltungsveranstaltungen seien verboten, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. In den Trümmern suchten Einsatzkräfte nach Verschütteten.
"30 Menschen konnten dank der unermüdlichen Bemühungen unserer Rettungskräfte glücklicherweise gerettet werden", erklärte Regierungschefin Swyrydenko in Onlinediensten. Zwei Dutzend Menschen befanden sich laut Klitschko noch im Krankenhaus.
Der ukrainischen Luftwaffe zufolge hatte Moskau 675 Angriffsdrohnen gestartet und 56 Raketen abgefeuert. Ein Anwohner namens Andrij berichtete im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP von den Angriffen: "Alles brannte. Die Menschen schrien, die Menschen riefen."
Die russischen Angriffe vom Donnerstag hatten sich nicht auf Kiew beschränkt. Selenskyjs Angaben zufolge wurden auch die Städte Cherson und Saporischschja im Süden angegriffen sowie Charkiw im Osten.
"Das sind ganz sicher nicht die Handlungen derjenigen, die glauben, der Krieg gehe zu Ende", erklärte Selenskyj am Donnerstag. Kreml-Chef Wladimir Putin hatte bei einer Pressekonferenz am Rande der Feierlichkeiten zum Jahrestag des Siegs über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg gesagt, der Krieg mit der Ukraine neige sich "dem Ende" zu.
Es sei nun wichtig, dass die westlichen Verbündeten der Ukraine zu diesem Angriff "nicht schweigen", forderte Selenskyj. "Es muss eine Antwort auf all diese Attacken geben."
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) schrieb am Donnerstagabend im Onlinedienst X: "Die schwersten russischen Angriffe auf die Ukraine seit Langem zeigen: Moskau setzt auf Eskalation statt Verhandlung." Kiew und seine Partner stünden "bereit für Verhandlungen über einen gerechten Frieden. Russland aber führt weiter Krieg", fügte er hinzu. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Russland demonstriere mit der Bombardierung von Zivilisten seine Schwäche.
Derweil teilten die russischen Behörden mit, dass bei ukrainischen Drohnen-Angriffen auf die rund 200 Kilometer von Moskau entfernte Stadt Rjasan vier Menschen getötet worden seien. Unter den Toten sei ein Kind, erklärte der örtliche Gouverneur. Laut russischem Verteidigungsministerium wurden in der Nacht zu Freitag 355 ukrainische Drohnen "abgefangen und zerstört".
Russland und die Ukraine tauschten unterdessen nach Angaben aus Moskau jeweils 205 Kriegsgefangene aus. Die russischen Soldaten befänden sich derzeit in Belarus, wo sie psychologische und medizinische Betreuung erhielten, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Die Vereinigten Arabischen Emirate hätten "humanitäre Hilfe" bei der Rückkehr der russischen Soldaten geleistet.
Der von Russland entfachte Ukraine-Krieg dauert seit mehr als vier Jahren an. Die von den USA vermittelten Gespräche über ein Ende des Kriegs haben bisher keinen Durchbruch gebracht. In der vergangenen Woche fanden erstmals seit Ende März wieder Gespräche zwischen ukrainischen und US-Gesandten statt.
M.White--AT