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Israels Armee sperrt Fluchtkorridor aus Gaza-Stadt und warnt vor "beispielloser Gewalt"
Die israelische Armee hat im Zuge ihrer Bodenoffensive in der Stadt Gaza einen Fluchtkorridor gesperrt und die Bewohner unter Androhung "beispielloser Gewalt" zur Flucht in den Süden über eine Alternativroute aufgerufen. Da der 48 Stunden zuvor vorübergehend geöffnete Korridor Salah al-Din nun gesperrt sei, führe die einzige Fluchtroute in den Süden über die Al-Raschid-Straße, erklärte Militärsprecher Avichay Adraee am Freitag auf X. Palästinensischen Angaben zufolge wurden im Laufe des Tages mindestens 22 Menschen durch israelische Angriffe getötet.
Die israelischen Streitkräfte würden "weiterhin mit beispielloser Gewalt gegen die Hamas und andere Terrororganisationen vorgehen", betonte der Armeesprecher. Er forderte die in der Stadt Gaza verbliebenen Menschen auf, die Gelegenheit zu ergreifen und sich "hunderttausenden Bewohnern anzuschließen, die in Richtung Süden in die humanitäre Zone gezogen sind". Dort würde den Menschen medizinische Versorgung und Infrastruktur zur Verfügung gestellt, hieß es weiter.
Am Mittwoch hatte Israel den Korridor Salah al-Din für einen Zeitraum von 48 Stunden geöffnet, um mehr Palästinensern eine Flucht zu ermöglichen. AFP-Videoaufnahmen vom Donnerstag zeigten lange Schlangen von Menschen auf der Al-Raschid-Straße, die zu Fuß oder mit bepackten Fahrzeugen in Richtung Süden unterwegs waren.
Die 50-jährige Niwin Ahmed floh gemeinsam mit sieben Familienmitgliedern aus Gaza-Stadt in die weiter südlich gelegene Stadt Deir el-Balah. "Wir sind mehr als 15 Kilometer gelaufen und wir sind vor Erschöpfung fast gekrochen", sagte sie. Ihr jüngster Sohn habe vor Müdigkeit geweint.
Die 36-jährige Mona Abdel Karim schlief mit ihrer Familie zwei Nächte lang auf der Al-Raschid-Straße, während sie auf einen Fahrer warteten. "Wir können nicht zu Fuß gehen - die Eltern meines Mannes sind alt und krank, und die Kinder sind zu schwach, um zu laufen".
Israel hatte Anfang dieser Woche - fast zwei Jahre nach dem Beginn des Gaza-Krieges - seine angekündigte Bodenoffensive in der Stadt Gaza begonnen. In den vergangenen Wochen hatte die Armee ihre Offensive zur Vernichtung der radikalislamischen Hamas in der Stadt ausgeweitet und vor allem Hochhäuser aus der Luft angegriffen und zerstört, die nach Armeeangaben von der Hamas genutzt worden waren. Die Stadt ist nach israelischen Angaben eine der letzten Hochburgen der Hamas im Gazastreifen.
Am Freitag wurden im gesamten Gazastreifen mindestens 22 Menschen durch israelischen Beschuss getötet, darunter elf in der Stadt Gaza, wie von AFP kontaktierte Krankenhäuser in dem Palästinensergebiet mitteilten.
Die israelische Armee erklärte, sie habe im Laufe des Tages "mehr als 20 militärische Infrastruktureinrichtungen" in der Stadt zerstört.
Die Armee fordert die Bewohner seit Tagen auf, die Stadt in Richtung Süden zu verlassen, doch vielen Menschen ist die Flucht zu teuer oder sie wissen nach, wohin sie fliehen sollen. Dennoch sind Hunderttausende dem Aufruf gefolgt: Am Freitag erklärte die israelische Armee, dass seit Ende August 480.000 Menschen die Stadt verlassen hätten. Ende August hatte die UNO die Zahl der Einwohner in der Stadt Gaza und Umgebung auf rund auf rund eine Million geschätzt.
Die radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas und ihre Verbündeten hatten Israel am 7. Oktober 2023 überfallen und damit den Gaza-Krieg ausgelöst. Bei dem Großangriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet. 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt. Noch immer werden 47 Menschen von der Hamas festgehalten, 25 von ihnen sind nach israelischen Angaben bereits tot.
Als Reaktion auf den Hamas-Überfall geht Israel massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 65.100 Menschen getötet.
H.Thompson--AT