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Selenskyj fordert Unterstützung durch westliche Truppen nach Ende des Kriegs mit Russland
Am Jahrestag der ukrainischen Unabhängigkeit hat Präsident Wolodymyr Selenskyj die Bedeutung von ausländischen Truppen in seinem Land nach einem Ende des Krieges mit Russland unterstrichen. Eine solche Präsenz sei "wichtig für uns", sagte Selenskyj am Sonntag in Kiew. Moskau warf den westlichen Verbündeten der Ukraine vor, Friedensgespräche zu blockieren. US-Vizepräsident JD Vance versicherte, Russland sei bereit zu "bedeutenden Zugeständnissen" für ein Friedensabkommen.
Selenskyj hatte den Jahrestag der Unabhängigkeit seines Landes von der einstigen Sowjetunion im Jahr 1991 mit einer kämpferischen Erklärung eingeleitet. Mit Blick auf eine Reihe ukrainischer Drohnenangriffe auf Russland am Sonntag hob er hervor: "So schlägt die Ukraine zu, wenn ihre Aufrufe zum Frieden ignoriert werden." Infolge der ukrainischen Drohnenangriffe waren nach russischen Angaben Brände im Atomkraftwerk Kursk in der Grenzregion zur Ukraine und in einem Erdölterminal in der Nähe von St. Petersburg ausgebrochen.
Im Atomkraftwerk Kursk sei eine abgeschossene, ukrainische Drohne "detoniert", teilte der Betreiber der Anlage am Sonntag mit. Der dadurch entstandene Brand sei gelöscht worden, es gebe keine erhöhte Radioaktivität. Es habe auch keine Opfer gegeben. Die Atomanlage, die nahe der 440.000-Einwohner-Stadt Kursk in der gleichnamigen westrussischen Region liegt, sei heruntergefahren worden.
Beim Abfangen von zehn ukrainischen Drohnen über dem russischen Ostseehafen Ust-Luga nahe St. Petersburg brach außerdem ein Feuer in einem Erdölterminal aus, wie der Regionalgouverneur Alexander Drosdenko im Onlinedienst Telegram erklärte. Das Feuer werde gelöscht.
Selenskyj erklärte: "Die Ukraine ist kein Opfer; sie ist ein Kämpfer." Er betonte anlässlich der Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit, zu denen der kanadische Premierminister Mark Carney und der US-Sondergesandte für die Ukraine, Keith Kellogg, nach Kiew gereist waren: "Die Ukrainer und ihre Partner arbeiten gemeinsam daran, Russland zum Frieden zu drängen. Und es ist möglich." Kellogg zeichnete er mit dem nationalen Verdienstorden aus.
Russland lehnt die Stationierung europäischer Truppen, die als Teil westlicher Sicherheitsgarantien für Kiew diskutiert werden, in der Ukraine strikt ab. Carney sagte aber in Kiew bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Selenskyj, es sei nicht Russland, das entscheide, "wie die Souveränität, Unabhängigkeit und Freiheit der Ukraine in Zukunft garantiert" werde. Carney forderte auch eine Waffenruhe. Zuvor war Nato-Generalsekretär Mark Rutte am Freitag in Kiew gewesen und hatte "robuste Sicherheitsgarantien" der westlichen Verbündeten für die Ukraine gefordert.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf den westlichen Verbündeten der Ukraine am Sonntag vor, Friedensgespräche zu verhindern. "Sie suchen nur nach einem Vorwand, um Verhandlungen zu blockieren", sagte Lawrow in einem TV-Interview. Zugleich kritisierte er Selenskyj dafür, dass er "hartnäckig darauf besteht, Bedingungen stellt und um jeden Preis ein sofortiges Treffen" mit Kremlchef Wladimir Putin verlange. Die bisherigen Treffen zwischen Putin und US-Präsident Donald Trump hätten "sehr gute Ergebnisse gebracht", sagte er weiter. Wenn andere Staaten mit neuen Sanktionen drohten, dann sei es "der Versuch, diesen Prozess zu stören".
US-Vizepräsident Vance versicherte, Russland habe Trump gegenüber seit dem Gipfel mit Putin am 15. August in Alaska "bedeutende Zugeständnisse" mit Blick auf ein Friedensabkommen gemacht. Dem Sender NBC sagte Vance: "Sie sind bereit, bei einigen ihrer zentralen Forderungen flexibel zu sein." Genauere Angaben zu den angeblichen Zugeständnissen machte der Vizepräsident nicht.
Russland kontrolliert derzeit rund ein Fünftel des ukrainischen Territoriums, einschließlich der Halbinsel Krim, die Moskau bereits 2014 annektiert hatte. Der Krieg hat Zehntausende Menschen das Leben gekostet, Millionen Menschen zur Flucht gezwungen und Städte und Dörfer vor allem im Osten und Süden der Ukraine verwüstet.
Auch am Sonntag griff Russland die Ukraine erneut an. In der ostukrainischen Region Dnipropetrowsk kam eine 47-jährige Frau ums Leben, wie der Regionalgouverneur mitteilte. Insgesamt feuerte die russische Armee 72 Drohnen sowie eine Rakete ab, wie die ukrainische Luftwaffe bekanntgab. An der Front meldete Russland am Samstag die Einnahme von zwei Dörfern in der ostukrainischen Region Donezk, die Ukraine am Sonntag die Rückeroberung von drei Dörfern.
Die diplomatischen Bemühungen, die zeitweise auf Hochtouren gelaufen waren, schienen zuletzt ins Stocken geraten zu sein. Nach dem Alaska-Gipfel und einer Runde mit dem ukrainischen Präsidenten und europäischen Spitzenpolitikern wenig später im Weißen Haus kam ein direktes Gespräch zwischen Selenskyj und Putin bisher nicht zustande. Kiew und Moskau machen sich gegenseitig dafür verantwortlich.
Am Wochenende vollzogen beide Seiten einen erneuten Gefangenenaustausch. Es seien jeweils 146 Soldaten an die Gegenseite übergeben worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium. Demnach kehrten außerdem acht Bewohner der russischen Region Kursk in ihre Heimat zurück.
O.Brown--AT