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"Wir warten nicht": Israels Armee rückt mit aller Kraft auf die Stadt Gaza vor
Im Gazastreifen rückt die israelische Armee nun mit aller Kraft auf die Stadt Gaza vor. Bewohner berichteten am Donnerstag von nächtlichen Angriffen in Außengebieten. "Das Haus hat die ganze Nacht gewackelt. Der Lärm von Explosionen, Artillerie, Kriegsflugzeugen, Krankenwagen und Hilfeschreien macht uns fertig", sagte der Palästinenser Ahmad al-Schanti der Nachrichtenagentur AFP. Die israelische Armee sprach von "vorbereitenden Einsätzen". Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) nannte die Ausweitung der Angriffe "nicht tolerierbar".
Die israelische Armee will nach eigenen Angaben die Stadt Gaza und die in Al-Mawasi im Zentrum des Gazastreifens liegenden Flüchtlingslager einnehmen. Erklärte Ziele des Anfang August vom israelischen Sicherheitskabinett gebilligten Plans sind unter anderem die militärische Zerschlagung der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas, die Etablierung einer israelischen Sicherheitskontrolle für das Palästinensergebiet und die Befreiung der verbliebenen israelischen Geiseln.
Die Armee hatte bereits in der vergangenen Woche erklärt, in den Vororten der Stadt Gaza vorzurücken. Am Mittwochabend erklärte sie, mit "vorbereitenden Einsätzen" zur Einnahme der letzten Hamas-Hochburg in der größten Stadt des Palästinensergebiets begonnen zu haben. "Wir warten nicht", erklärte Armeesprecher Effie Defrin. "Bereits jetzt halten die Truppen die Außenbezirke der Stadt Gaza besetzt". Die Armee werde die "Voraussetzungen schaffen, um die Geiseln zu befreien."
Verteidigungsminister Israel Katz hatte den Plan der israelischen Armee zur Einnahme der Stadt Gaza am Mittwoch gebilligt. Zudem gab er grünes Licht für die Mobilisierung von etwa 60.000 Reservisten, die nach Angaben des Militärs Anfang September beginnen soll. Am Donnerstag stand eine Billigung der Militärpläne der Offensive durch Regierungschef Benjamin Netanjahu noch aus.
Medienberichten zufolge rechnet das israelische Militär mit einem langwierigen Einsatz zur Einnahme der Stadt. Die Streitkräfte bereiteten sich auf eine "ausgedehnte Operation von mehreren Monaten vor, die bis in das Jahr 2026 andauern wird", berichtete das israelische Militärradio.
Der Sprecher der von der radikalislamischen Hamas kontrollierten Zivilschutzbehörde im Gazastreifen, Mahmud Bassal, berichtete am Donnerstag von nächtlichen Luftangriffen und Artilleriefeuer in der nordwestlichen und südöstlichen Umgebung der Stadt. Tagsüber dauerten die Angriffe in mehreren Vierteln an, wie Anwohner berichteten.
Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz warnte, durch die Intensivierung der Angriffe werde es mehr Tote, mehr Vertriebene, "mehr Zerstörung und mehr Panik" geben. Der Gazastreifen sei ein "geschlossener Raum, aus dem niemand entkommen kann (...) und in dem der Zugang zu medizinischer Versorgung, Essen und Trinkwasser schwindet", sagte IKRK-Sprecher Christian Cardon. Zudem werde die Sicherheitslage durch die Angriffe schlimmer.
Auch das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) warnte vor "schrecklichen humanitären Folgen" der Ausweitung des israelischen Einsatzes. Hunderttausende Menschen dazu zu zwingen nach Süden zu fliehen, "ist ein Rezept für schlimmere Katastrophen und könnte zu Zwangsvertreibung führen".
Israel steht im seit 22 Monaten andauernden Krieg gegen die Hamas angesichts der katastrophalen humanitären Situation im Gazastreifen zunehmend in der Kritik. Hilfsorganisationen warnten bereits vor einer Hungersnot.
Derweil warteten die Vermittler aus Katar auf Israels offizielle Antwort zu dem jüngsten Vorschlag für eine Waffenruhe und zur Freilassung der Geiseln. Der Vorschlag, dem die Hamas nach eigenen Angaben zugestimmt hatte, sieht eine Freilassung von zehn lebenden israelischen Geiseln und die Rückgabe von 18 toten Geiseln an Israel vor, wie AFP aus Kreisen der Hamas und des mit ihr verbündeten Islamischen Dschihad erfuhr. Die Hamas hatte das israelische Vorhaben zur Einnahme der Stadt Gaza nach Katz' Billigung der Pläne als "eklatante Missachtung" der Bemühungen der Vermittler um eine Waffenruhe-Vereinbarung bezeichnet.
Die radikalislamische Organisation und ihre Verbündeten hatten mit ihrem brutalen Großangriff auf Israel am 7. Oktober 2023 den Krieg im Gazastreifen ausgelöst. Bei dem Angriff wurden nach israelischen Angaben mehr als 1200 Menschen getötet, 251 Menschen wurden als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt.
Israel geht seit dem Hamas-Großangriff massiv militärisch im Gazastreifen vor. Dabei wurden nach Angaben der Hamas-Behörden bislang mehr als 62.000 Menschen getötet. Nach Einschätzung der UNO sind diese Angaben realistisch.
O.Gutierrez--AT