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Johnson durch neuen Sexskandal in seiner Partei noch mehr unter Druck
Großbritanniens konservativer Regierungschef Boris Johnson ist durch einen neuen Sexskandal noch mehr unter Druck geraten: Der stellvertretende Parlamentarische Geschäftsführer der Tory-Partei, Chris Pincher, musste nach Vorwürfen der sexuellen Belästigung seinen Rücktritt einreichen. Laut britischen Medienberichten hatte der 52-Jährige in einem Londoner Privatclub zwei Männer sexuell belästigt, darunter einen Abgeordneten. Diese hätten sich anschließend bei der konservativen Parteiführung beschwert.
In seinem am Donnerstagabend veröffentlichten Rücktrittsschreiben erklärte Pincher, er habe bei dem Vorfall am Vorabend "viel zuviel getrunken". Er entschuldigte sich dafür, sich selbst und andere "in Verlegenheit gebracht" zu haben. Ein Sprecher von Regierungschef Boris Johnson, der bereits wegen einer Reihe von Skandalen schwer unter Druck steht, erklärte am Freitag, der Premierminister habe den Rücktritt akzeptiert und "denkt, es war richtig von ihm, zurückzutreten". Solch ein Verhalten sei "inakzeptabel".
Während Pincher sein Amt als stellvertretender Parlamentarischer Geschäftsführer niederlegte, wollte er zunächst Tory-Abgeordneter bleiben. Die Opposition reagierte empört: "Es kommt nicht in Frage, dass die Konservativen potenziellen sexuellen Missbrauch unter den Teppich kehren", schrieb die Vizechefin der Labour-Partei, Angela Rayner, im Onlinedienst Twitter. Die moralischen Standards seien unter Johnsons Regierung "komplett ausgehöhlt" worden.
Auch aus den eigenen Reihen wurden Rufe an Johnson nach einem kompletten Rauswurf Pinchers laut. Am Freitagabend dann gaben die Konservativen zumindest in einem Punkt dem Druck nach: Pinchers Parteimitgliedschaft wurde ausgesetzt.
Die Regierungspartei war in den vergangenen Monaten von einer ganzen Reihe von Sexskandalen erschüttert worden. Mitte Mai war ein Abgeordneter unter Vergewaltigungsverdacht vorübergehend festgenommen worden. Ebenfalls im Mai wurde ein früherer Tory-Abgeordneter wegen sexuellen Missbrauchs eines Minderjährigen zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt. Ende April war ein Parlamentarier zurückgetreten, nachdem er im Parlament auf seinem Handy Porno-Videos geschaut hatte.
Hinzu kommt der Skandal um alkoholgeschwängerte Partys am Regierungssitz während des Corona-Lockdowns, der Premier Johnson ein parteiinternes Misstrauensvotum einbrachte. Johnson hatte die "Partygate"-Abstimmung im vergangenen Monat knapp überstanden.
A.Taylor--AT