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Entscheidende Runde der Präsidentenwahl in Rumänien: Ultrarechter gegen Pro-Europäer
Ultrarechter oder Pro-Europäer: In Rumänien entscheiden die Wahlberechtigten am Sonntag über den künftigen Präsidenten. In der Stichwahl stehen sich der ultrarechte George Simion und der pro-europäische Bukarester Bürgermeister Nicusor Dan gegenüber. Simion, der die erste Runde der Wahl mit fast 41 Prozent der Stimmen für sich entscheiden konnte, geht als Favorit ins Rennen. Dan lag in der ersten Runde 20 Prozentpunkte hinter Simion.
Rumänien steckt seit Monaten in einer politischen Krise. Im November hatte der zuvor weitgehend unbekannte Rechtsradikale Calin Georgescu überraschend die erste Runde der Präsidentenwahl gewonnen. Das Verfassungsgericht erklärte den Urnengang jedoch wegen des Verdachts der Wahleinmischung durch Russland für ungültig, Georgescu wurde von der Wiederholungswahl ausgeschlossen. An seiner Stelle trat nun Simion als Kandidat des rechten Lagers an.
Würde der nationalistische Simion die Wahl gewinnen, bekäme Rumänien erstmals einen ultrarechten Präsidenten. Simion hatte im Wahlkampf angekündigt, Rumäniens Interessen voranzustellen und nannte Gesetze aus Brüssel "absurd". Mittel für die militärische Unterstützung der Ukraine will er kürzen.
Der 38-jährige Simion gab seine Stimme am Sonntag in Mogosoaia nahe der Hauptstadt Bukarest ab - gemeinsam mit dem ultrarechten Georgescu, der von der Wahl ausgeschlossen worden war. "Calin Georgescu for president", riefen Dutzende Anhänger bei der Ankunft der beiden. Nach der Annullierung der Wahl im vergangenen Jahr und dem anschließenden Ausschluss von Georgescu hatten Zehntausende bei teilweise gewalttätigen Kundgebungen protestiert.
Der 55-jährige Dan hatte in Umfragen zuletzt aufgeholt. "Das ist ein Wendepunkt, eine entscheidende Wahl", sagte der unabhängige, pro-europäische Dan nach seiner Stimmabgabe in seiner Heimatstadt Fagaras, im Zentrum des Landes. Er habe "für eine europäische Richtung" und "nicht für Rumäniens Isolation" gewählt.
Der 57-jährige Rentner Catalin Birca sagte der Nachrichtenagentur AFP nach seiner Stimmabgabe in Bukarest: "Ich habe mit dem Gedanken an ein besseres Leben gewählt". Er wünsche sich, dass das Land pro-europäisch bleibe. "Was machen wir ansonsten? Wieder da anfangen, wo wir gestartet sind?", fügte Birca hinzu.
Die Stimmung während des Wahlkampfs war angespannt. Der bisherige Ministerpräsident und Sozialdemokrat Marcel Ciolacu hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Der neue Präsident hat die Macht, den neuen Regierungschef zu bestimmen.
Die Wahllokale sollten um 21.00 Uhr (Ortszeit, 20.00 Uhr MESZ) schließen. Danach werden erste Prognosen auf Grundlage von Nachwahlbefragungen veröffentlicht, erste Ergebnisse wurden in der Nacht erwartet.
M.Robinson--AT