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Selenskyj: "Schicksal" des Donbass entscheidet sich in Sjewjerodonezk
Das Schicksal der ostukrainischen Donbass-Region entscheidet sich nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj in der heftig umkämpften Stadt Sjewjerodonezk. "Dies ist eine sehr harte, sehr schwierige Schlacht", sagte Selenskyj in einer Videobotschaft am Mittwochabend. Die Stadt befindet sich nach ukrainischen Angaben mittlerweile "weitgehend" unter russischer Kontrolle. Polens Präsident Andrzej Duda übte derweil scharfe Kritik an Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, weil sie während des Krieges mit dem russischen Präsidenten Waldimir Putin telefonieren.
Selenskyj berichtete von schweren Kämpfen in Sjewjerodonezk. Es handele sich wahrscheinlich um eine der schwierigsten Schlachten in diesem Krieg. In Sjewjerodonezk entscheide sich "in vielerlei Hinsicht das Schicksal unseres Donbass", fügte er hinzu.
"Die Russen schießen auf alles, sie zerstören alle Häuser in Sjewjerodonezk, mit Panzern, mit Artillerie", erklärte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Gajdaj, am Mittwoch. Inzwischen stehe die Stadt weitgehend unter russischer Kontrolle. Nur das Industriegebiet "gehört noch immer uns".
Allerdings könnte die Ukraine die Stadt mit westlichen Waffensystemen schnell wieder unter ihre Kontrolle bringen, erklärte Gajdaj am Donnerstag. Sobald die ukrainische Armee über Artillerie mit großer Reichweite verfüge, könnten ukrainische Spezialkräfte "die Stadt in zwei bis drei Tagen säubern". Gajdaj zufolge dauerten die Straßengefechte in den ukrainisch kontrollierten Gebieten von Sjewjerodonezk und der "ständige" russische Beschuss am Donnerstag weiter an.
Rund 800 Zivilisten sollen sich in der Asot-Chemiefabrik der Stadt verschanzt haben. Die ukrainischen Behörden haben dies bislang nicht bestätigt. Mindestens zwei Mal bombardierten russische Truppen am Mittwochabend nach ukrainischen Angaben den Industriekomplex. Dabei sei insbesondere eine Produktionsstätte für Ammonium getroffen worden.
Die benachbarte Stadt Lyssytschansk werde noch vollständig von der ukrainischen Armee kontrolliert, sei aber "starken und chaotischen" Bombardements ausgesetzt, fügte er hinzu. Den russischen Truppen warf er vor, "absichtlich" auf Krankenhäuser und Zentren für die Verteilung humanitärer Hilfe zu zielen.
Sjewjerodonezk und Lyssytschansk sind die letzten Städte der Region Luhansk, die Russland noch nicht erobert hat. Ihre Einnahme würde Moskau den Vormarsch auf die Großstadt Kramatorsk in der Region Donezk ermöglichen. Der Kreml käme damit seinem Ziel der vollständigen Eroberung des Donbass einen entscheidenden Schritt näher.
Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow bezeichnete die Lage an der Front im Donbass als schwierig. Der Kreml übe "weiter Druck mit schierer Masse aus" und erleide hohe Verluste, erklärte Resnikow am Donnerstag. Die Ukraine verzeichne in den Kämpfen mit der russischen Armee Tag für Tag "bis zu hundert" getötete und bis zu 500 verletzte Soldaten.
Auch in der Region Donezk im Donbass meldete die Ukraine heftigen russischen Beschuss "entlang der gesamten Frontlinie", insbesondere in den Städten Slowjansk und Bachmut. Dabei seien binnen 24 Stunden vier Menschen getötet und elf weitere verletzt worden.
Der polnische Präsident Andrzej Duda wandte sich gegen Gespräche mit Putin zum jetzigen Zeitpunkt, da sie nichts brächten. "Sie bewirken nur eine Legitimierung eines Menschen, der verantwortlich ist für Verbrechen, die von der russischen Armee in der Ukraine begangen werden", sagte der polnische Präsident in einem "Bild"-Interview. Seine Kritik richtete sich insbesondere gegen die Telefonate von Bundeskanzler Scholz und Frankreichs Präsident Macron mit dem Kreml-Chef.
W.Morales--AT