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Putin vereinbart in Nordkorea enge Zusammenarbeit und dankt für Ukraine-Hilfe
Bei seinem ersten Staatsbesuch in Nordkorea seit mehr als zwei Jahrzehnten hat der russische Präsident Wladimir Putin eine enge Zusammenarbeit beider Länder vereinbart und der Führung in Pjöngjang für die Unterstützung des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine gedankt. "Wir schätzen Ihre systematische und anhaltende Unterstützung der russischen Politik sehr, auch in der Ukraine-Frage", sagte Putin laut russischen Agenturen am Mittwoch nach einer Zeremonie zu seinen Ehren in der nordkoreanischen Hauptstadt. Putin und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un unterzeichneten auch ein gegenseitiges Beistandsabkommen für den Fall einer "Aggression".
Putin sagte russischen Nachrichtenagenturen zufolge, Moskau und Pjöngjang seien bei der Stärkung ihrer bilateralen Beziehungen "weit vorangekommen". Zudem lud er Nordkoreas Machthaber zu einem Besuch nach Moskau ein. "Ich freue mich, Sie erneut zu treffen", sagte Putin, der Kim bereits zwei Mal im Fernen Osten Russlands empfangen hatte.
Kim äußerte sich ähnlich lobend wie sein Gast über das Verhältnis zwischen beiden Staaten. "Die Beziehungen zwischen unseren Ländern treten in eine neue Ära der Blüte ein, die nicht einmal mit der Zeit der koreanisch-sowjetischen Beziehungen im letzten Jahrhundert verglichen werden kann", sagte Kim laut russischen Nachrichtenagenturen.
Putin und Kim unterzeichneten ein russisch-nordkoreanisches Abkommen über die vertiefte Zusammenarbeit zwischen beiden Staaten. Es handle sich um ein "umfassendes Abkommen über eine strategische Partnerschaft", berichtete die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti. Kreml-Chef Putin sagte bei einem gemeinsamen Presseauftritt mit Kim, der Vertrag sehe gegenseitigen "Beistand" im Fall einer "Aggression" gegen einen der beiden Staaten vor. Russland schließe "für sich eine militärisch-technische Zusammenarbeit mit Nordkorea" nicht aus. Moskau wie Pjöngjang würden sich "weiterhin gegen die Praxis des Strangulierens durch Sanktionen" seitens des Westens wehren.
Kim sprach von einem Abkommen "friedlicher und defensiver Natur" zwischen beiden Staaten. Der "kraftvolle" Vertrag sei "konstruktiv" und "in die Zukunft gerichtet". Kim bezeichnete Putin als "besten Freund des koreanischen Volks".
Pjöngjang wird vorgeworfen, Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine mit Waffenlieferungen zu unterstützen. Nordkorea hat die Vorwürfe als "absurd" zurückgewiesen. Putin bemüht sich derzeit um zusätzliche Munition für seine Armee.
Offizielle Rüstungsabkommen zwischen Nordkorea und Russland würden die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats gegen das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm verletzen, die auch Russland als ständiges Mitglied mitgetragen hatte.
Putin sprach sich bei seinem Staatsbesuch dafür aus, die UN-Sanktionen gegen Nordkorea zu "überprüfen". Das "unbegrenzte restriktive Regelwerk" gegen Nordkorea sei "inspiriert" von den USA und ihren Verbündeten im UN-Sicherheitsrat, sagte Putin.
Nordkorea-Experte Koh Yu Hwan von der südkoreanischen Dongguk-Universität erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, Moskau und Pjöngjang seien aufeinander angewiesen. Russland brauche Nordkoreas Waffenlieferungen für den Ukraine-Krieg - Nordkorea seinerseits Nahrungsmittel, Energie und modernen Waffen aus Russland.
Andererseits wolle Moskau vermeiden, "alle Brücken zu Ländern wie Südkorea abzubrechen". Was Kim und Putin öffentlich verkündeten und was sie bei ihrem Treffen besprechen würden, seien daher zwei unterschiedliche Angelegenheiten, sagte Koh.
Aus Sicht des Experten Wladimir Tichonow von der Universität Oslo ermöglicht es Putins Unterstützung für Kim, "seine Abhängigkeit von seinem anderen wichtigen Verbündeten Peking auszugleichen". Im Gegenzug erhalte Putin "sicheren Zugang zu Artilleriegranaten sowjetischen Typs, die er jetzt in enormen Mengen" benötige.
Kim erklärte erneut ausdrücklich die Unterstützung seines Lands für den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. "Nordkorea drückt der russischen Regierung, der Armee und dem Volk seine volle Unterstützung und Solidarität bei der Durchführung einer militärischen Spezialoperation in der Ukraine zum Schutz der Souveränität, der Sicherheitsinteressen und der territorialen Integrität aus", sagte Kim.
Putin war am Dienstagabend zu seinem Staatsbesuch in Nordkorea eingetroffen. Kim hatte Putin bei dessen Ankunft am Flughafen begrüßt. Die beiden international isolierten Staatsoberhäupter umarmten sich auf dem roten Teppich.
Es ist erst Putins zweiter Nordkorea-Besuch in seiner Zeit als Staatschef: Im Jahr 2000, kurz nachdem er russischer Präsident geworden war, hatte Putin Kim Jong Uns Vater Kim Jong Il in Nordkorea besucht. Das abgeschottete Land empfängt selten diplomatischen Besuch. Im vergangenen September war Kim in seinem gepanzerten Zug zu einem Besuch in den äußersten Osten Russlands gereist und hatte dort mit Putin unter anderem den Weltraumbahnhof Wostotschny besucht.
Zum offiziellen Start ihres Treffens hatten Putin und Kim am Mittwoch an einer Zeremonie auf Pjöngjangs Kim-Il-Sung-Platz teilgenommen. Wie aus vom Kreml veröffentlichten Aufnahmen hervorging, war der Platz mit großen Porträts der beiden Männer geschmückt. Tausende Bewohner der nordkoreanischen Hauptstadt, darunter viele Kinder, jubelten Putin und Kim zu den Klängen eines Militärorchesters mit Blumen und Luftballons zu. Die nordkoreanische Parteiführung ließ zudem eine Massentanzveranstaltung organisieren.
T.Perez--AT