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Putin macht erstmals "radikale Islamisten" für Angriff bei Moskau verantwortlich
Drei Tage nach dem Angriff auf einen Konzertsaal bei Moskau mit 139 Toten hat der russische Präsident Wladimir Putin erstmals "radikale Islamisten" für die Tat verantwortlich gemacht. Nach dem Anschlag hätten die Attentäter versucht, in die Ukraine zu fliehen und es stelle sich die Frage, warum das so sei, sagte Putin am Montag bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen.
"Wer hat sie dort erwartet?", fragte Putin. Es müsse ermittelt werden, wer der Auftraggeber gewesen sei. Bereits am Wochenende hatte der Kreml-Chef die Festnahme der Verdächtigen in der Nähe der Grenze zur Ukraine verkündet. Nach ersten Erkenntnissen sei dort ein Zeitfenster für ihren Grenzübertritt vorbereitet worden. Die Regierung in Kiew weist jegliche Verwicklung in den Angriff zurück.
Maskierte Angreifer waren am Freitagabend in die voll besetzte Crocus City Hall im nordwestlich gelegenen Moskauer Vorort Krasnogorsk eingedrungen und hatten dort das Feuer eröffnet. Dabei starben nach jüngsten Angaben 139 Menschen.
Die Behörden erwarten, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigt. Rettungskräfte würden noch bis Dienstagabend in den Trümmern des Konzertsaals nach Toten suchen, erklärte Andrej Worobjow, Gouverneur der Region Moskau. 97 Menschen befanden sich noch im Krankenhaus. Insgesamt wurden 182 Menschen bei dem Angriff verletzt.
Kurz nach dem Angriff reklamierte die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) die Tat für sich und bekräftigte dies später mehrfach. Dem IS nahestehende Medienkanäle haben zudem Videos von den Bewaffneten in dem Konzertsaal veröffentlicht.
Am Sonntag hatte die russische Justiz zweimonatige Untersuchungshaft für vier Beschuldigte angeordnet. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow weigerte sich am Montag, auf eine Frage zu Berichten zu antworten, nach denen die Männer nach ihrer Festnahme gefoltert wurden. "Ich werde diese Frage unbeantwortet lassen", sagte er.
Auf den im Staatsfernsehen gezeigten Aufnahmen hatten drei der Männer Blut im Gesicht. Ein im Internet verbreitetes Video scheint zu zeigen, wie einem Verdächtigen das Ohr durchtrennt wird, die Echtheit der Aufnahme konnte aber nicht verifiziert werden.
Einer der russischen Oppositionellen im Exil, Leonid Wolkow, verurteilte einen Versuch der Sicherheitsdienste, mit der Veröffentlichung dieser Videos von ihrer "Machtlosigkeit" und ihrem "Scheitern" ablenken zu wollen.
Während der Anhörungen der Männer am Sonntagabend vor dem Bezirksgericht im Moskauer Distrikt Basmanny hatte einer von ihnen einen weißen Verband am Ohr. Beamte des Inlandsgeheimdienstes FSB rollten einen der Verdächtigen auf einer Art Krankentransportstuhl in die Anhörung, seine Augen waren kaum geöffnet.
Nach Berichten russischer Staatsmedien sollen alle tadschikische Staatsbürger sein. Zwei von ihnen hätten sich schuldig bekannt, erklärte das Gericht.
Zahlreiche Länder hatten die Tat von Krasnogorsk verurteilt. Der französische Präsident Emmanuel Macron bot Russland am Montag eine "verstärkte Zusammenarbeit" mit Blick auf die Terrorbekämpfung an. Der am Angriff "beteiligte" Ableger des IS sei "für mehrere Anschlagsversuche in den vergangenen Monaten" in Frankreich verantwortlich, sagte Macron.
A.Williams--AT