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Russland trauert nach Angriff auf Konzertsaal mit mehr als 130 Toten
Nach dem Angriff auf einen Konzertsaal bei Moskau mit mehr als 130 Toten begeht Russland am Sonntag einen nationalen Tag der Trauer. "Das ganze Land trauert mit den Menschen, die ihre Angehörigen bei dieser unmenschlichen Tragödie verloren haben", hieß es am Morgen im staatlichen Fernsehsender Russia 24. Während die Dschihadistenmiliz IS den Angriff für sich reklamierte, sprach der russische Staatschef Wladimir Putin von Spuren in die Ukraine.
Maskierte Angreifer waren am Freitagabend in die voll besetzte Crocus City Hall im nordwestlich gelegenen Moskauer Vorort Krasnogorsk eingedrungen und hatten dort das Feuer eröffnet. Nach Angaben des russischen Ermittlungskomitees stieg die Zahl der Toten am Samstag auf mindestens 133. Es war der folgenschwerste Angriff in Russland seit gut 20 Jahren.
Die russischen Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Opfer noch steigen wird. Mehr als 150 Menschen wurden demnach bei dem Angriff verletzt. 107 Menschen seien noch im Krankenhaus - viele von ihnen schwebten in Lebensgefahr, sagt Vize-Ministerpräsidentin Tatjana Golikowa. Das Katastrophenschutzministerium veröffentlichte am Sonntag ein Video davon, wie schweres Gerät am Tatort eintraf, um Trümmer zu räumen.
In Moskau standen Bürger im Regen in langen Warteschlangen, um Blut für die Verletzten zu spenden. Trauernde legten Blumen vor dem Konzertsaal ab. Gedenkposter mit einer Kerze ersetzten einige der großen Werbetafeln in der russischen Hauptstadt. Große Veranstaltungen im Land wurden abgesagt; Museen, Theater und Kinos schlossen über das Wochenende.
Die vier Angreifer seien "alle ausländische Staatsbürger", hatte am Samstag das Innenministerium erklärt, ohne genaue Angaben zur Nationalität der Verdächtigen zu machen. Putin gab persönlich die Festnahme "aller vier Angreifer" in einer Fernsehansprache bekannt. Sie seien festgenommen worden, als "sie sich in Richtung Ukraine bewegten". Nach ersten Erkenntnissen sei dort ein Zeitfenster für ihren Grenzübertritt vorbereitet worden, sagte der Kreml-Chef. Er sprach von einer "barbarischen terroristischen Tat", deren Hintermänner bestraft würden.
Zu einer Erklärung des IS, in der die Miliz den Angriff für sich reklamierte, sagte Putin am Samstag nichts. Der IS hingegen, der gegen Russland in Syrien kämpft und auch in der russischen Kaukasusregion aktiv ist, bekräftigte am Samstag im Onlinedienst Telegram seine Verantwortung für den Angriff.
"Der Anschlag wurde von vier IS-Kämpfern verübt", erklärte die Miliz. Diese seien "mit Maschinengewehren, einer Pistole, Messern und Brandbomben bewaffnet" gewesen. Der Anschlag sei Teil des "natürlichen Kontextes des tobenden Krieges" mit den "Ländern, die den Islam bekämpfen".
In einem Kanal im Onlinedienst Telegram, der nach Angaben des US-Unternehmens Site typischerweise von den Dschihadisten genutzt wird, wurde ein Video verbreitet, das mutmaßlich von den Angreifern gedreht wurde. Zu sehen und zu hören sind darauf mehrere mit Sturmgewehren und Messern Bewaffnete, die offenbar in der Eingangshalle der Crocus City Hall Schüsse abfeuern. Die Gesichter und Stimmen der Angreifer sind unkenntlich gemacht, um sie herum liegen zahlreiche leblose Körper, im Hintergrund ist Feuer zu sehen.
Später berichteten russische Medien und ein Abgeordneter, dass manche der festgenommenen Verdächtigen aus Tadschikistan stammten. Das russische Staatsfernsehen zeigte am Samstagabend Aufnahmen von der Festnahme und den Verhören der vier mutmaßlichen Angreifer. In Aufnahmen des Senders Perwyj Kanal war zu sehen, wie die Verdächtigen von bewaffneten Sicherheitskräften abgeführt werden. Bei ihrer Befragung geben zwei Verdächtige ihre Schuld zu, einer von ihnen sagt den Aufnahmen zufolge, er habe aus Geldgründen gehandelt.
Laut russischem Ermittlungskomitee wurden die vier Angreifer in der an die Ukraine und Weißrussland grenzende Region Brjansk festgenommen. Insgesamt sprach der Kreml von elf Festnahmen. Putin bestätigte die Version seines Inlandsgeheimdienstes FSB, der zuvor erklärt hatte, die Angreifer hätten "Kontakte" in die Ukraine gehabt.
In seiner täglichen Videoansprache ging der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Samstagabend auf Vorwürfe des russischen Präsidenten ein, dass die Angreifer auf den Konzertsaal Verbindungen zur Ukraine hatten: Putin und seine Gefolgsleute "versuchen einfach nur, jemand anderes die Schuld zu geben".
Die US-Botschaft in Moskau hatte nach US-Angaben ihre Landsleute vor zwei Wochen vor einem möglicherweise geplanten Anschlag in der russischen Hauptstadt gewarnt. Dieser könne sich gegen eine große Versammlung und auch gegen ein Konzert richten, hatte es geheißen. Nach US-Angaben wurden diese Informationen auch den russischen Behörden zur Verfügung gestellt.
Aus zahlreichen Ländern gab es Solidaritätsbekundungen. Das Weiße Haus in Washington benannte den IS als "gemeinsamen terroristischen Feind". Die USA "verurteilen nachdrücklich die abscheuliche terroristische Attacke von Moskau", fügte Karine Jean-Pierre, die Sprecherin des US-Präsidenten, hinzu. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) verurteilte "den schrecklichen Terrorangriff auf unschuldige Konzertbesucher in Moskau". Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan habe Putin in einem Telefonat die Bereitschaft Ankaras zugesichert, im Kampf gegen den Terror zusammenzuarbeiten.
M.White--AT