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17 Verletzte bei Raketenangriffen auf Kiew - Moskau meldet Einnahme von weiterem Dorf
Bei den schwersten russischen Raketenangriffen auf Kiew seit Wochen sind am Donnerstag in der ukrainischen Hauptstadt und Umgebung 17 Menschen verletzt worden. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sie habe 31 russische Raketen abgefangen. Im Stadtzentrum gab es am Morgen mehrere Explosionen, wie AFP-Reporter berichteten. Präsident Wolodymyr Selenskyj rief nach den Angriffen die westlichen Verbündeten zur Lieferung von mehr Luftabwehrraketen auf. Moskau gab indes die Einnahme eines weiteren ostukrainischen Dorfs bekannt.
"Dieser Terror geht Tag und Nacht weiter", schrieb Selenskyj in den Online-Netzwerken. Ihn zu beenden sei "durchaus möglich, wenn unsere Partner ausreichenden politischen Willen zeigen". Selenskyj forderte insbesondere die Lieferung von Patriot-Luftabwehrsystemen. Im US-Kongress wird seit Monaten ein Hilfspaket für die Ukraine in Höhe von 60 Milliarden Dollar (rund 55 Millionen Euro) blockiert.
Wie örtliche Behörden mitteilten, verletzten herabstürzende Trümmer insgesamt 17 Menschen - 13 davon in Kiew und vier in der umliegenden Region. Die ukrainische Luftwaffe erklärte, Russland habe zwei ballistische Iskander-Raketen und 29 Marschflugkörper abgefeuert. Die ukrainische Verteidigung habe "erfolgreich gearbeitet und alle Raketen abgeschossen", hieß es aus dem Büro des Präsidenten. Selenskyj veröffentlichte ein Video, das zeigt, wie Fensterscheiben eines Wohngebäudes zerbersten und Trümmer auf die Straße fallen, während die Feuerwehr Wasserschläuche einsetzt.
Kiews Militärverwaltungschef Serhij Popko zufolge handelte es sich um den ersten Raketenangriff auf die Hauptstadt seit Anfang Februar. Der letzte größere Angriff auf Kiew erfolgte am 7. Februar.
Das russische Verteidigungsministerium erklärte am Donnerstag, es habe ukrainische Militärstellungen mit "hochpräzisen Waffen mit hoher Reichweite, darunter Hyperschallraketen vom Typ Kinschal", angegriffen. "Die Ziele des Angriffs sind erreicht worden. Alle Ziele wurden getroffen", hieß es in dem täglichen Militärbriefing.
In den vergangenen zwei Wochen hatten die ukrainischen Angriffe auf russische Grenzregionen und Ölraffinerien stark zugenommen. Am Donnerstag meldete der Gouverneur der Region Belgorod fünf Verletzte durch ukrainische Angriffe, bei denen mehr als 30 Wohnungen und sechs Wohngebäude beschädigt worden seien.
Putin hatte mit Blick auf die Angriffe der vergangenen Tage Vergeltung angekündigt. Die "Angriffe des Feindes" würden nicht ungestraft bleiben, erklärte Putin, der sich bei der Präsidentschaftswahl am Wochenende eine weitere sechsjährige Amtszeit gesichert hatte.
Die zentrale russische Wahlkommission bestätigte am Donnerstag Putins Sieg offiziell. Der seit 24 Jahren an der Macht befindliche Putin habe 87,28 Prozent der Stimmen erhalten, sagte die Vorsitzende der Wahlkommission, Ella Pamfilowa.
Der russische Geheimdienst FSB gab unterdessen die Festnahme eines russischen Staatsbürgers in Belgorod bekannt, der "Terrorakte" gegen das russische Militär geplant haben soll. Demnach arbeitet der Festgenommene mit dem "Russische Freiwilligenkorps" zusammen - einer der kremlfeindlichen Milizen, die hinter den bewaffneten grenzüberschreitenden Angriffen der vergangenen Wochen stehen sollen.
Die russische Armee nahm nach eigenen Angaben ein weiteres Dorf im Osten der Ukraine ein. "Die russischen Streitkräfte haben das Dorf Tonenke befreit", teilte das Verteidigungsministerium am Donnerstag mit. Das kleine Dorf Tonenke liegt rund zehn Kilometer westlich der Stadt Awdijiwka. Diese war im Februar nach monatelangen blutigen Kämpfen von den russischen Truppen eingenommen worden.
Russland rückt damit weiter langsam vor, während es der ukrainischen Armee an Munition fehlt. Laut dem Telegram-Kanal Rybar, welcher der russischen Armee nahesteht und mehr als 1,2 Millionen Abonnenten zählt, versuchen die russischen Truppen, in dem Gebiet das linke Ufer des örtlichen Flusses zu erreichen, um eine Offensive in Richtung der Dörfer Semeniwka und Umanske zu starten.
Auch die ukrainische Seite hatte in den vergangenen Tagen erneut mehrere russische Angriffe gemeldet. Den Angaben zufolge wurden bei einem Raketenangriff auf die nordöstliche Stadt Charkiw am Mittwoch mindestens fünf Menschen getötet, bei einem Angriff auf die Hafenstadt Odessa vergangene Woche gab es 21 Tote.
F.Ramirez--AT