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Selenskyj zu Gesprächen mit Putin über die Krim und den Donbass bereit
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den russischen Staatschef Wladimir Putin erneut zu direkten Verhandlungen aufgerufen. Bei einem Treffen mit Putin sei er bereit, auch über den Status der von Russland annektierten Krim und der Separatisten-Gebiete im Donbass zu sprechen, sagte Selenskyj am Montagabend in einem Interview. Zugleich forderte er "Sicherheitsgarantien" und kündigte an, über jeglichen "Kompromiss" mit Moskau per Referendum abstimmen zu lassen.
Knapp einen Monat nach Beginn der russischen Invasion erklärte sich der ukrainische Präsident in einem Gespräch mit mehreren ukrainischen Medien dazu bereit, "alles anzusprechen, was Russland verärgert und missfällt".
"Die Frage der Krim und des Donbass ist für alle eine sehr schwierige Geschichte", sagte Selenskyj über die 2014 annektierte Halbinsel und die international nicht anerkannten "Volksrepubliken" im Osten des Landes. Er forderte "Sicherheitsgarantien" und ein Ende der russischen Angriffe. Danach könnten er und Putin "über alle Fragen" sprechen. "Würden wir sie alle klären? Nein. Aber es gibt eine Chance, dass wir es teilweise schaffen - zumindest um den Krieg zu beenden", fügte er hinzu.
Selenskyj betonte, dass die Krim und die "Volksrepubliken" Luhansk und Donezk zur Ukraine gehörten, und dass sein Land nicht kapitulieren werde. Über jegliches Abkommen mit Moskau, das "historische" Veränderungen mit sich bringe, müssten letztlich die Ukrainer in einem Referendum abstimmen, fügte er hinzu.
Selenskyj wies zugleich die "russischen Ultimaten" zur Beendigung des Krieges zurück. Moskau wolle unter anderem die "Übergabe" der Städte Mariupol, Charkiw und Kiew durch die Ukraine erreichen, sagte Selenskyj in dem Video-Interview, das auf der Nachrichten-Website "Suspilne" veröffentlicht wurde. Dem könnten aber "weder die Menschen in Charkiw noch die in Mariupol oder Kiew noch ich, der Präsident", nachkommen.
Die russische Armee setzte derweil ihre Angriffe auf zahlreiche Städte in der Ukraine fort. Zu den Städten, aus denen Luftangriffe gemeldet wurden, gehören unter anderem die Hauptstadt Kiew, die zweitgrößte Stadt Charkiw im Osten, die Hafenstädte Mariupol und Odessa sowie Mykolajiw im Süden.
Am späten Sonntagabend wurde bei einem russischen Angriff das Einkaufszentrum "Retroville" im Nordwesten Kiews zerstört. Laut Moskau diente das "funktionsunfähige" Einkaufszentrum als Waffenlager.
Ukrainischen Angaben zufolge wurden bei dem Angriff insgesamt acht Menschen getötet. Reporter der Nachrichtenagentur AFP sahen sechs Leichen, die aus den Trümmern herausgezogen worden waren. Es handelte sich um Männer in Militärkleidung. Die Überreste eines großen Motorblocks und Teile von grünen Stahlgerüsten deuteten auf gepanzerte Fahrzeuge hin.
In der seit Wochen von russischen Truppen belagerten Stadt Mariupol sind nach Angaben der Militärverwaltung mittlerweile "mehr als 80 Prozent der Infrastruktur beschädigt oder zerstört". Die humanitäre Lage dort ist laut der UNO "äußerst ernst", mit "einem kritischen und potenziell lebensbedrohlichen Mangel an Nahrungsmitteln, Wasser und Medikamenten". Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell nannte "das, was in Mariupol geschieht, ein schweres Kriegsverbrechen".
In der von russischen Truppen besetzten Stadt Cherson im Süden gaben russische Soldaten nach Angaben Selenskyjs Schüsse auf Demonstranten ab. Videoaufnahmen zufolge wurde dabei mindestens ein Mensch verletzt.
Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko erklärte, in der Hauptstadt seien seit Kriegsbeginn "65 friedliche Einwohner" bei russischen Luftangriffen getötet worden.
Der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow räumte ein, dass die militärische "Situation sehr schwierig" sei. Zum einen sei die russische Armee "zahlenmäßig sehr überlegen", zum anderen drohe eine "Bodeninvasion" der Armee des mit Moskau verbündeten Belarus.
US-Präsident Joe Biden warnte derweil vor einem möglichen russischen Angriff mit chemischen oder biologischen Waffen in der Ukraine. Putin ziehe "den Einsatz beider Waffen in Erwägung". Ein solcher Angriff würde eine "starke" Antwort des Westens nach sich ziehen, sagte Biden.
Nach UN-Angaben vom Montag sind seit dem 24. Februar fast 3,5 Millionen Menschen - hauptsächlich Frauen und Kinder - aus der Ukraine geflohen. Insgesamt sind demnach rund zehn Millionen Menschen vor den russischen Angriffen auf der Flucht.
M.King--AT