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Telefon und Internet nach Protesten in libyscher Stadt Darna unterbrochen
In der von einer Flutkatastrophe weitgehend zerstörten libyschen Küstenstadt Darna sind seit Dienstag alle Telefon- und Internetverbindungen unterbrochen. Das Telekommunikationsunternehmen LPTIC berichtete auf Facebook von einem "Glasfaserbruch" und sprach von einem möglichen "Sabotageakt". Experten vermuten jedoch, dass die Regierung von Ostlibyen die Verbindungen nach heftigen Protesten der Menschen in Darna gegen die Versäumnisse der Behörden bewusst gekappt hat.
Bei der Flutkatastrophe vor gut einer Woche waren nach Angaben der Behörden mindestens 3300 Menschen ums Leben gekommen, tausende weitere werden noch vermisst. Nach heftigen Regenfällen waren zwei Dämme gebrochen, große Teile von Darna wurden überschwemmt. Die Lage in der Stadt ist katastrophal.
Am Montag hatten sich hunderte Menschen vor der großen Moschee von Darna versammelt und den örtlichen und regionalen Behörden schwere Versäumnisse unter anderem bei der Wartung der beiden Dämme vorgeworfen.
Sie forderten die Auflösung des ostlibyschen Parlaments und rechtliche Schritte gegen die für das Ausmaß der Katastrophe Verantwortlichen. Einige Demonstranten steckten das Haus des unbeliebten Bürgermeisters der Stadt in Brand. Laut dem Fernsehsender Al-Masar löste der ostlibysche Regierungschef Ussama Hamad inzwischen den Stadtrat von Darna auf.
Auslöser der Katastrophe war das Sturmtief "Daniel", das heftige Überschwemmungen im Osten Libyens anrichtete. Das verheerende Ausmaß des Unwetters ist aber auch die Folge von jahrelangem Krieg und Chaos, wodurch die Infrastruktur vernachlässigt wurde und Frühwarnsysteme und Notfallmaßnahmen nicht funktionierten.
In Libyen herrscht seit dem Sturz von Machthaber Muammar al-Gaddafi 2011 die Gewalt, bewaffnete Milizen und ausländische Söldner bekämpfen sich. Die von der UNO anerkannte Übergangsregierung in der Hauptstadt Tripolis im Westen ringt mit einer von dem mächtigen General Chalifa Haftar unterstützten Gegenregierung im Osten um die Macht.
2018 übernahmen Haftars Streitkräfte die Kontrolle über Darna. Die Stadt war damals in der Hand radikaler Islamisten, doch schon zu Gaddafis Zeiten galt sie als eine Hochburg der Proteste.
Experten gehen davon aus, dass die Regierung die Einwohner von Darna mit allen Mitteln zum Schweigen bringen will. "Zweifellos geht es hier nicht um Gesundheit oder Sicherheit, sondern um die Bestrafung der Demonstranten in Derna", schrieb Emadeddin Badi vom Atlantik-Rat im Online-Dienst X (vormals Twitter) nach der Unterbrechung der Telekommunikation.
Tarek Megrisi vom European Council on International Relations schrieb von "extrem düsteren Nachrichten aus Darna". Die Bewohner, die noch immer unter den Überschwemmungen litten, hätten nun "große Angst vor einem unmittelbar bevorstehenden militärischen Vorgehen als kollektive Bestrafung für die gestrigen Proteste und Forderungen".
Dabei brauchen die Menschen in Darna zurzeit vor allem rasche Hilfe: Zehntausende sind nach UN-Angaben obdachlos und ohne Trinkwasser und Lebensmittel, die Gefahr von Cholera und anderen Krankheiten wächst.
UN-Generalsekretär António Guterres bezeichnete die Überschwemmungskatastrophe als Symbol für die Missstände in der Welt. "Während wir hier sprechen, werden am Ufer des Mittelmeers - wo Milliardäre auf ihren Super-Yachten in der Sonne liegen - Leichen angeschwemmt", sagte Guterres bei der Eröffnung der Generaldebatte der UN-Vollversammlung in New York.
O.Ortiz--AT