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Wahlprogramme meist zu unverständlich: Expertenkritik an Bayern und Hessen
Zu lange Sätze, Fachbegriffe, komplizierte Formulierungen: Die Wahlprogramme der Parteien für die Landtagswahlen in Bayern und Hessen sind einer Analyse von Forschenden der Universität Hohenheim zufolge sprachlich meist nur schwer verständlich. Die Kommunikationsexpertinnen und -experten nannten das bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse am Dienstag "eine verschenkte Chance, die Wählerschaft zu erreichen". Parteien sollten ihre Positionen klar und verständlich darlegen.
Sprachlich am verständlichsten ist der Untersuchung zufolge in Bayern das Programm der CSU, in Hessen teilen sich die Programme von SPD und Linken den ersten Platz. Schlusslicht in Bayern ist demnach die SPD, in Hessen ist es die FDP.
Die Forschenden der Stuttgarter Hochschule durchleuchteten die Programme mit einer Analysesoftware, die nach Störfaktoren wie etwa überlangen Sätzen oder Fremdwörtern sucht. Je nach Häufigkeit der Funde werden die Programme auf der Skala eines eigenen Verständlichkeitsindex eingeordnet, die von 0 (schwer verständlich) bis 20 (leicht verständlich) reicht. Im Durchschnitt kommen die Wahlprogramme in Bayern auf 8,6 Punkte, in Hessen erreichen sie 7,2 Punkte.
Das Programm der CSU in Bayern kommt demnach auf 12,1 Punkte. Der Wert könne "sich sehen lassen", erklärte der Hohenheimer Kommunikationsexperte Frank Brettschneider. Bei den anderen Parteien sei hingegen "noch viel Luft nach oben". Schon bei einer identischen Untersuchung vor der Landtagswahl 2018 hätten die Christsozialen das mit Abstand verständlichste Programm vorgelegt.
Auch insgesamt führt Bayern im Bundesländervergleich, wenn es um die formale Verständlichkeit von Wahlprogrammen geht. Laut Untersuchung rangiert Bayern mit dem Durchschnittswert von 8,6 Punkten auf dem ersten Platz, während es Hessen mit seinen 7,2 Punkten nur auf den 13. Rang schafft. SPD und Linke liegen dort mit einem Wert von je 7,7 Punkten vorn. Die Experten und Expertinnen nehmen entsprechende Untersuchungen regelmäßig vor Wahlen vor.
Schlecht für die Verständlichkeit sind den Forschenden zufolge unter anderem zahlreiche Fremd- und Fachwörter, die insbesondere für Leserinnen und Leser ohne politisches Fachwissen eine große Verständlichkeitshürde sind. Auch zu lange Sätze mit oftmals mehr als 30 oder 40 Wörtern seien ein Problem in den Texten. Negativ wirken sich zudem zusammengesetzte lange "Wortungetüme" wie "Car2Infrastructure-Kommunikation" oder "Hochleistungsrechnerinfrastruktur" aus.
Brettschneider zeigte sich von den Ergebnissen der Analyse "enttäuscht" und kritisierte die Parteien. Diese hätten sich in den vergangenen Jahren mehr Transparenz und Bürgernähe auf die Fahnen geschrieben, verpassten mit ihren Programmen aber eine "kommunikative Chance". Diese seien meist so formuliert, dass sie "einen erheblichen Teil der Wählerinnen und Wähler" ausschlössen.
Der Kommunikationsexperte wies zugleich darauf hin, dass die Untersuchung lediglich formale und sprachliche Aspekte bewerte. "Die von uns gemessene formale Verständlichkeit ist natürlich nicht das einzige Kriterium, von dem die Güte eines Wahlprogramms abhängt - deutlich wichtiger ist der Inhalt", erklärte er. Formale Unverständlichkeit erschwere es aber, diesen zu verstehen.
R.Chavez--AT