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Tausende Menschen erinnern an Opfer der Militärherrschaft in Chile
Kurz vor dem 50. Jahrestag des Putsches von General Augusto Pinochet in Chile sind am Sonntag tausende Menschen in der Hauptstadt Santiago de Chile auf die Straße gegangen, um der Opfer der Militärherrschaft zu gedenken. Dabei kam es vereinzelt zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Die etwa 5000 Demonstranten zogen zum Hauptfriedhof von Santiago, wo sich eine Gedenkstätte für die Opfer der Militärdiktatur befindet. Auf dem Weg hielten sie kurz am Präsidentenpalast La Moneda an, wo der damalige sozialistische Präsident Salvador Allende am 11. September 1973 gestürzt wurde. Nach Angaben der Regierung schloss sich auch der linke Präsident Gabriel Boric dem Gedenkmarsch an. Er ist damit der erste chilenische Staatschef seit dem Ende der Militärdiktatur im Jahr 1990, der sich an dem Gedenken beteiligt hat.
Vor dem Präsidentenpalast kam es auch zu ersten Ausschreitungen. Eine kleine Gruppe von Männern in Kapuzenpullovern warf Steine auf den Palast und die ihn bewachenden Polizisten, durchbrach Absperrungen und beschädigte den Zugang zu einem Kulturzentrum im Keller des Gebäudes. Später wurden auch Brandsätze geworfen und Barrikaden in Brand gesetzt.
Auf dem Friedhof wurden einige Mausoleen beschädigt, darunter das Grab eines 1991 getöteten rechten Senators. "Die Verantwortlichen für diese Gewalt sind Gegner der Regierung", sagte der stellvertretende Innenminister Manuel Monsalve. Seinen Angaben zufolge wurden drei Polizisten verletzt. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, drei Menschen wurden festgenommen.
Der Großteil der Demonstranten zog aber friedlich durch Santiago. Sie schwenkten chilenische Fahnen und riefen Sprechhöre wie "Wahrheit und Gerechtigkeit jetzt" oder "Allende lebt". Am Morgen hatte Boric im Präsidentenpalast in Anwesenheit von Hinterbliebenen Allendes eine Ausstellung zum Gedenken an den Ex-Präsidenten eröffnet.
Pinochet hatte Allende am 11. September 1973 mit Unterstützung des US-Geheimdiensts CIA gestürzt und selbst die Macht übernommen. Während seiner 17-jährigen Herrschaft wurden mehr als 3200 Menschen getötet oder verschwanden spurlos - sie wurden verschleppt und vermutlich auch ermordet. Rund 38.000 weitere Menschen wurden inhaftiert und gefoltert.
Pinochet starb 2006 im Alter von 91 Jahren an einem Herzinfarkt, ohne je für die Verbrechen unter seiner Herrschaft verurteilt worden zu sein.
M.O.Allen--AT