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Zahl der getöteten Palästinenser nach Razzia im Westjordanland steigt auf neun
Nach dem größten israelischen Militäreinsatz im Westjordanland seit Jahren ist die Zahl der Toten auf neun gestiegen. Hundert weitere Menschen seien verletzt worden, 20 von ihnen schwebten in Lebensgefahr, teilte das palästinensische Gesundheitsministerium in der Nacht zum Dienstag mit. An dem Einsatz waren hunderte israelische Soldaten, gepanzerte Fahrzeuge, Bulldozer und Drohnen beteiligt. Schüsse und Explosionen erschütterten die Stadt Dschenin und das angrenzende Flüchtlingslager.
Seit dem Beginn der Razzia am Montagmorgen verließen palästinensischen Angaben zufolge rund 3000 Menschen das Flüchtlingslager, das als Hochburg bewaffneter Palästinensergruppen gilt. Derzeit werde versucht, die Menschen in Schulen und anderen Unterkünften in der Stadt unterzubringen, erklärte der Vize-Gouverneur von Dschenin, Kamal Abu al-Rub, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. In dem Flüchtlingslager leben seinen Angaben zufolge rund 18.000 Palästinenser.
Eine Sprecherin des UN-Hilfswerks für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) bestätigte AFP, dass Einwohner des Lagers ihre Unterkünfte verlassen hätten.
Die Razzia erfolgte vor dem Hintergrund einer Welle von palästinensischen Angriffen auf Israelis sowie gegen Palästinenser gerichteter Gewalt von Seiten israelischer Siedler.
"Unsere Truppen sind in das Terroristennest in Dschenin eingedrungen, sie sind dabei, Kommandozentren zu zerstören und eine beträchtliche Anzahl von Waffen sicherzustellen", erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.
Der Sprecher der israelischen Armee, Richard Hecht, sagte, die Armee gehe "gegen bestimmte Ziele" vor. Die Armee habe diese mit ihrem Angriff "aus der Luft, mitten im Herzen des Lagers (von Dschenin) überrascht". Es gebe keinen Zeitplan für die Militäraktion.
Die Arabische Liga rief für Dienstag eine Dringlichkeitssitzung ein.
Die USA bekräftigten Israels Recht auf Selbstverteidigung, riefen das Land aber gleichzeitig zu einer Wiederaufnahme der Sicherheitskooperation mit der Palästinensischen Autonomiebehörde auf. "Wir unterstützen Israels Sicherheit und sein Recht, die Bevölkerung gegen die Hamas, den Palästinensischen Islamischen Dschihad und andere terroristische Gruppen zu verteidigen", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington.
Gleichzeitig sei es "zwingend notwendig, alle möglichen Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen, um den Verlust von Menschenleben zu verhindern", fügte der Sprecher hinzu.
Dschenin und das angrenzende Flüchtlingslager sind immer wieder Schauplatz von Zusammenstößen zwischen israelischen Soldaten und militanten Palästinensern. Die israelische Armee nimmt regelmäßig Razzien in dem Gebiet vor, das theoretisch unter der Kontrolle der Palästinenserbehörde von Präsident Mahmud Abbas steht.
Vor zwei Wochen waren bei einer Razzia der israelischen Armee im Flüchtlingslager sieben Menschen getötet worden. Dabei feuerte die Armee Raketen von einem Hubschrauber aus ab. Kurz darauf starben vier Israelis bei einem Angriff von zwei bewaffneten Palästinensern an einer Tankstelle nahe der Siedlung Eli. In derselben Woche tötete die israelische Armee drei Mitglieder einer "Terrorzelle" bei einem Drohnenangriff in der Nähe von Dschenin.
Die Gewalt im Westjordanland hat sich in den vergangenen Monaten verschärft. Seit Jahresbeginn wurden mindestens 185 Palästinenser, 25 Israelis, ein Ukrainer und ein Italiener getötet, wie eine Zählung von AFP auf Grundlage offizieller Quellen ergibt.
P.Smith--AT