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Wagner-Chef verteidigt Aufstand seiner Söldnergruppe in Russland
Nach dem Aufstand seiner Wagner-Kämpfer in Russland hat Söldnerführer Jewgeni Prigoschin die Revolte verteidigt und "schwerwiegende Sicherheitsprobleme" in Russland benannt. Die Militärkolonne seiner Truppe sei 780 Kilometer vorangekommen und sei bis rund 200 Kilometer vor Moskau gekommen. "Der Marsch hat schwerwiegende Sicherheitsprobleme in dem Land zum Vorschein gebracht", sagte Prigoschin in einer am Montag veröffentlichten elfminütigen Audiobotschaft. Derweil war Moskau bemüht, den Anschein der Normalität wiederherzustellen.
Die Söldner hätten "die gesamte Militärinfrastruktur blockiert", einschließlich Luftwaffenstützpunkten entlang der Strecke, sagte der Wagner-Chef. Prigoschin betonte, er habe nicht die russische Führung stürzen, sondern seine eigene Truppe retten wollen, die zum 1. Juli in die reguläre russische Armee eingegliedert werden sollte.
Seine Truppe habe "einen hohen Organisationsgrad bewiesen", den auch die russische Armee haben sollte, fügte der Söldnerchef hinzu. Prigoschin betonte zudem, Zivilisten in Städten an der Strecke hätten seine Leute unterstützt.
Am Freitagabend war der seit langem schwelende Machtkampf zwischen Prigoschin und der russischen Militärführung eskaliert. Kämpfer der Wagner-Truppe marschierten von der Ukraine aus in Russland ein und wollten bis nach Moskau vordringen.
Nach rund 24 Stunden Aufstand vollzog Prigoschin am Samstagabend überraschend eine Wende und beorderte seine Söldner zurück in ihre Lager. Vorangegangen war dem eine Vereinbarung mit der russischen Führung, vermittelt durch Belarus.
Unterdessen hoben sowohl Moskau als auch die südlicher der russischen Hauptstadt gelegene Region Woronesch am Montag die wegen des Vormarsches der Wagner-Söldner verhängten "Anti-Terror-Vorkehrungen" auf.
Präsident Wladimir Putin zeigte sich am Montag erstmals seit der gestoppten Rebellion der Öffentlichkeit. Der Kreml veröffentlichte anlässlich eines Jugendforums mit dem Titel "Ingenieure der Zukunft" ein Video, in dem Putin die "stabile" Arbeit der russischen Industrie "im Angesicht ernster Herausforderungen von außen" lobte.
Verteidigungsminister Sergej Schoigu lobte seinem Ministerium zufolge am Montag bei seinem ersten öffentlichen Auftritt seit dem gescheiterten Aufstand den Einsatz der russischen Truppen gegen die Ukraine. Im Staatssender Rossija 24 ausgestrahlte Aufnahmen zeigten Schoigu beim Besuch eines Kommandopostens der russischen Streitkräfte in der Ukraine.
Schoigu war besonders von Prigoschin attackiert worden, der mit dem Aufstand seiner Söldner die Militärführung stürzen wollte. Wo sich der Wagner-Chef nun aufhält, ist nach wie vor unklar. Zuletzt war er am Samstag beim Abzug seiner Kämpfer aus dem südrussischen Rostow am Don gesehen worden.
Der Kreml hatte am Samstag erklärt, Prigoschin dürfe nach Belarus ausreisen, ohne strafrechtlich verfolgt zu werden. Auch seine Söldner würden nicht belangt. Russische Nachrichtenagenturen berichteten am Montag allerdings unter Berufung auf einen Vertreter der Generalstaatsanwaltschaft, gegen Prigoschin werde weiterhin ermittelt.
Die Wagner-Zentrale in St. Petersburg versicherte, sie arbeite "auf normale Art und Weise" weiter. Laut der Nachrichtenagentur Tass nahm die Gruppe auch ihre Rekrutierung in einigen Regionen Russlands wieder auf. Nach Angaben des russischen Außenministers Sergej Lawrow sollen auch die Auslandseinsätze der Söldner in Mali und der Zentralafrikanischen Republik fortgeführt werden.
Die westlichen Verbündeten der Ukraine werteten den Aufstand als Zeichen einer Schwächung von Präsident Putin. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg sah ihn als Beleg dafür, dass Russlands Einmarsch in die Ukraine ein "strategischer Fehler" war. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) sprach von einem "innenpolitischen Machtkampf in Russland", der "massive Risse in der russischen Propaganda" offenbare.
Die Entwicklung in Russland sei "durchaus beunruhigend", sagte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) im ZDF-"heute journal". Zum möglichen Aufenthalt von Prigoschin in Belarus sagte er, dass dies "nicht zwangsläufig eine Bedrohung bedeuten" müsse. "Entscheidend ist, dass sich die baltischen Staaten und hier allen voran Litauen sich große Sorgen machen", sagte Pistorius weiter.
Der SPD-Politiker hatte am Montag die dauerhafte Verlegung von 4000 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten nach Litauen angekündigt. Er betonte aber, dass dies keine Antwort auf die mögliche Verlegung von Wagner-Kämpfern nach Belarus sei.
Unterstützung erhielt Putin derweil aus Katar und dem Iran. Katars Emir Tamim bin Hamad al-Thani und der iranische Präsident Ebrahim Raisi hätten Putin gegenüber ihre Unterstützung zum Ausdruck gebracht, erklärte der Kreml.
O.Gutierrez--AT