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Auszählung der Stimmen bei Präsidentschaftswahl in Guatemala geht nur langsam voran
Nach der Präsidentschaftswahl im von Armut, Korruption und Gewalt geplagten Guatemala geht die Auszählung der Stimmen nur langsam voran. Am Montagmorgen waren erst die Ergebnisse in rund 54 Prozent der Wahllokale ausgezählt. Mit knapp 15 Prozent der Stimmen lag die Sozialdemokratin und Ex-Präsidentengattin Sandra Torres in Führung, die in Umfragen im Vorfeld schon als Favoritin galt. Mit rund zwölf Prozent der Stimmen folgte Bernardo Arévalo, ein weiterer Sozialdemokrat, auf dem zweiten Platz.
Den ersten Ergebnissen zufolge gingen am Sonntag bei der Wahl, der viele Bürger ernüchtert und desillusioniert gegenüber standen, etwa 57 Prozent der 9,4 Millionen Wahlberechtigten an die Urnen. Mehr als sieben Prozent der Stimmzettel wurden leer abgegeben. 2019 hatte die Wahlbeteiligung noch bei 61 Prozent gelegen.
Da voraussichtlich keiner der insgesamt 22 Kandidaten für das Präsidentenamt in der ersten Runde die für einen Sieg erforderliche Mehrheit von mindestens 50 Prozent der Stimmen erreichen wird, ist eine Stichwahl am 20. August wahrscheinlich.
Die Wahl am Sonntag wurde durch den Ausschluss beliebter Kandidaten, ein hartes Vorgehen gegen die Presse und den Vorwurf der Wahlmanipulation beeinträchtigt. Viele Wähler bezweifeln daher, dass nach der Wahl die Probleme in dem Land gelöst werden.
Bislang ist der rechtsgerichtete Alejandro Giammattei Staatschef des Landes in Mittelamerika. Der als autoritär kritisierte Amtsinhaber, der von 75 Prozent der Bürger in dem Land abgelehnt wird, konnte bei der Wahl nicht mehr antreten.
Unter Giammattei wurden mehrere frühere Staatsanwälte der internationalen Kommission gegen Straffreiheit in Guatemala festgenommen oder ins Exil gezwungen. In diesem Monat wurde zudem der Gründer einer regierungskritischen Zeitung wegen Vorwürfen der Geldwäsche zu sechs Jahren Haft verurteilt. Organisationen für Pressefreiheit kritisierten dies scharf.
Menschenrechtsgruppen, Politikwissenschaftler und Indigenenvertreter kritisieren einhellig die zunehmende Kontrolle der Institutionen des Landes durch Interessensgruppen aus der Politik und der Finanzwelt, die demnach die Korruption und Straffreiheit in Guatemala fortbestehen lassen wollen.
W.Nelson--AT