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Polizei feuert nach Wahl in Sierra Leone Tränengas auf Oppositionelle
Die Polizei in Sierra Leone hat einen Tag nach den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen im Land Tränengas auf die Parteizentrale der größten Oppositionspartei, dem All People's Congress (APC), abgefeuert. Die Beamten hätten eine Menschenansammlung auflösen müssen, die "Leute auf der Straße drangsaliert" habe, begründete die Polizei am Sonntag ihr Vorgehen, während die Stimmauszählung von der Wahl am Samstag noch lief.
APC-Präsidentschaftskandidat Samura Kamara erklärte im Onlinedienst Twitter, die Polizei habe auch scharfe Munition eingesetzt. APC-Sprecherin Sidie Yahya Tuni sagte der Nachrichtenagentur AFP, bei dem Vorfall sei eine Frau getötet worden.
Die bekannte APC-Politikerin und Bürgermeisterin der Hauptstadt Freetown, Yvonne Aki-Sawyerr, verbreitete auf Twitter Fotos aus der Parteizentrale, auf denen Menschen auf dem Boden in Deckung gehen. "Ich bin im APC-Parteibüro und wir sind unter Beschuss", schrieb sie dazu.
Bereits am Mittwoch hatte es an der APC-Parteizentrale Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Parteianhängern gegeben, nachdem die Partei zu landesweiten "friedlichen" Protesten aufgerufen hatte. Dabei wurden nach Polizeiangaben 66 Menschen in Freetown festgenommen.
In Sierra Leone wurden am Sonntag die Stimmen der Wahl vom Samstag ausgezählt. Die Stimmabgabe verlief weitgehend friedlich. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Mohamed Konneh, verwies jedoch auf einige Wahlbezirke, in denen Wahlhelfer angegriffen worden seien.
Die Wahlbeobachtungsmission der Europäischen Union zeigte sich am Sonntagabend "besorgt" über die andauernde Wahlauswertung. Es sei "zwingend erforderlich", dass die Wahlkommission Sierra Leones "volle Transparenz" biete, hieß es in einer Mitteilung.
Die APC wirft der Wahlkommission seit Wochen Parteinahme für die Regierungspartei Sierra Leone People's Party (SLPP) von Präsident President Julius Maada Bio vor.
Wahlbehörden-Chef Konneh nannte den Wahltag "einen der besten" der jüngsten Vergangenheit. Ergebnisse werden bis Montagabend erwartet.
Unter den zwölf Kandidaten für das Präsidentschaftsamt gelten Amtsinhaber Bio und APC-Herausforderer Kamara als die Favoriten. Bei der Wahl vor fünf Jahren konnte Bio sich nur knapp in einer Stichwahl gegen Kamara durchsetzen. Für einen Sieg in der ersten Runde braucht ein Kandidat 55 Prozent der Stimmen. Zudem wurden am Samstag ein neues Parlament und Kommunalräte gewählt.
Etwa 3,4 Millionen Menschen in dem westafrikanischen Land waren wahlberechtigt. Bei den vergangenen drei Wahlen lag die Wahlbeteiligung zwischen 76 und 87 Prozent.
M.O.Allen--AT