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Stimmauszählung in Sierra Leone nach "relativ friedlicher" Wahl
Nach Verzögerungen bei einer weitgehend friedlichen Parlaments- und Präsidentschaftswahl sind in Sierra Leone die Stimmauszählungen im Gange. Die Auszählung der gesammelten Stimmen lief in der Hauptstadt Freetown und vier weiteren Orten, teilte die Wahlkommission am Sonntag mit. Die Ergebnisse werden in den kommenden 48 Stunden erwartet. Präsident Julius Maada Bio von der Partei SLPP lag nach Umfragen vor der Wahl gegenüber Oppositionsführer Samura Kamara von der APC vorn.
Unabhängige Wahlbeobachter bezeichneten die Wahlen trotz Zusammenstößen vor dem Wahltag als "relativ friedlich" - allerdings öffneten zahlreiche Stellen zur Stimmabgabe in Freetown am Samstag erst mit größeren Verzögerungen. Nach Schließung der Wahllokale wurden nach Angaben der Wahlkommission jedoch Abstimmungshelfer in Teilen des Landes beim Transport von Wahlunterlagen angegriffen.
Auch die Oppositionspartei APC meldete am Samstagabend Gewaltausbrüche in der Nähe von Wahlzentren der Hauptstadt. Wahlbeobachter von zwei verschiedenen Organisationen bestätigten der Nachrichtenagentur AFP einen der Vorfälle.
Die Wähler stimmten am Samstag auch über neue Kommunalregierungen ab. Nach einem kürzlich verabschiedeten Gleichstellungsgesetz muss ein Drittel aller Kandidaten Frauen sein.
Um das Amt des Präsidenten bewarben sich zwölf Männer und eine Frau. Der Hauptrivale des Amtsinhaber Bio ist Oppositionsführer Kamara, Parteichef des All People's Congress (APC). Bio von der Sierra Leone People's Party (SLPP) hatte sich 2018 in einer Stichwahl knapp gegen Kamara durchgesetzt.
Sierra Leone steckt in einer wirtschaftlichen Krise: Für viele der acht Millionen Einwohner des westafrikanischen Lands sind die explodierenden Lebensmittelpreise eine Hauptsorge, denn Sierra Leone ist stark von Importen anhängig und leidet an den Auswirkungen der Corona-Pandemie sowie des Kriegs in der Ukraine. Im Vorjahresvergleich kletterte die Inflation im April auf 43 Prozent.
Bio hatte sich in diesem Jahr vor allem für die Themen Bildung und Frauenrechte eingesetzt. Er wolle die Landwirtschaft fördern und die tiefe Abhängigkeit seines Landes von Lebensmittelimporten verringern, sagte er der AFP.
Sein Herausforderer Kamara, der vor Bios Amtsantritt im Jahr 2018 Finanz- und später Außenminister des Landes war, sagte, er wolle das Vertrauen in staatliche Wirtschaftsinstitutionen wiederherstellen und ausländische Investoren anlocken.
Mehr als die Hälfte der rund 3,4 Millionen Wahlberechtigten sind jünger als 35 Jahre. Viele Wähler stimmen bei der Wahl für regionale Kandidaten, da erwartet wird, dass so Arbeitsplätze und Sozialleistungen in Regionen fließen, deren Politiker an der Macht sind.
Die Wahlbeteiligung lag in der Vergangenheit auf hohem Nivaeu zwischen 76 und 87 Prozent. Um die Präsidentenwahl für sich zu entscheiden, muss ein Kandidat in der ersten Runde 55 Prozent der Stimmen für sich holen.
A.Ruiz--AT