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Verbände fordern realistischen Blick auf Kinderarmut und mehr Hilfe
Zahlreiche Verbände wie der Deutsche Kinderschutzbund, der VdK, die Caritas und die Diakonie fordern einen unverstellten Blick auf Kinderarmut und mehr Hilfe für Betroffene. "Wir fordern, die Ursachen von Armut vorurteilsfrei in den Blick zu nehmen, um Kinderarmut nachhaltig zu bekämpfen", heißt es in einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme. "Von Armut betroffene Kinder, Jugendliche und ihre Familien brauchen Solidarität, Wertschätzung, Unterstützung und Chancengerechtigkeit."
Die Verbände äußern deutliche Kritik an bestimmten Stereotypen über Eltern mit wenig Geld. "In der aktuellen Diskussion um eine Kindergrundsicherung nehmen wir die von manchen Medien und politischen Entscheidungsträger*innen gezeichneten Bilder von Misstrauen als höchst problematisch wahr", heißt es in der Stellungnahme. "Vorurteile gegenüber einkommensarmen Eltern, sie würden die für ihre Kinder gedachten Geldleistungen für Alkohol, Tabak und elektronische Konsumgüter zweckentfremden, sind schlicht falsch."
Solche Äußerungen verzerrten zugleich "den Blick auf die tatsächlichen Belastungen in prekären Lebenslagen sowie die gravierenden Folgen von Armut", kritisieren die Unterzeichnenden. Studien belegten, "dass Eltern aus einkommensschwachen Familien eher bei sich selbst als bei ihren Kindern sparen und in Relation zum verfügbaren Einkommen genauso viel Geld für die Bildung ihrer Kinder verwenden wie einkommensstärkere Eltern".
Die "stigmatisierenden Denkweisen, falschen Armutsbilder und irreführenden Informationen" verhinderten letztlich "dringend notwendige politische Reformen und Lösungen", heißt es in dem Papier weiter. Gefordert wird eine "echte Kindergrundsicherung", die den jungen Menschen "Hand in Hand mit einer gut ausgebauten und verlässlich finanzierten Infrastruktur faire Teilhabechancen und allen ein gutes Aufwachsen ermöglicht".
Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks, Thomas Krüger, forderte die Einführung der Kindergrundsicherung "schnellstmöglich". Diese Sozialleistung ist im Koalitionsvertrag vorgesehen, die "Ampel" streitet aber über die Ausgestaltung und die Finanzierung. Einen Gesetzentwurf gibt es bisher nicht.
Krüger forderte von der Bundesregierung außerdem eine "ressortübergreifende Gesamtstrategie gegen Kinderarmut, die neben monetären Leistungen auch ein starkes Augenmerk auf infrastrukturelle Bedingungen zur Unterstützung von Familien und ihren Kindern legt". Bei der Bekämpfung von Kinderarmut müssten "alle politischen, staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteure" zusammenarbeiten.
Zu den rund 50 Unterstützern des Appells gehören unter anderem auch die AWO, der Paritätische Wohlfahrtsverband und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Sie haben sich im "Ratschlag Kinderarmut" zusammengeschlossen, um dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
T.Sanchez--AT