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Mindestens elf Tote bei russischen Luftangriffen auf Selenskyjs Heimatstadt
Bei russischen Angriffen auf die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind elf Menschen getötet worden. Raketen schlugen in der Nacht zum Dienstag in mehrere Gebäude in Kriwij Rih ein, darunter ein fünfstöckiges Wohnhaus. Moskau meldete unterdessen, russische Truppen hätten von der ukrainischen Armee mehrere Panzer aus westlicher Produktion erbeutet, darunter auch deutsche Leopard-Panzer.
"In dieser schrecklichen Nacht hat der Feind elf Zivilisten in der Stadt getötet", meldete Regionalgouverneur Serhij Lysak nach den nächtlichen Angriffen auf Kriwij Rih. Selenskyj warf Russland vor, einen Krieg "gegen "Wohnhäuser, normale Städte und Leute" zu führen. Gleichzeitig versicherte er den Ukrainern, die "Terroristen" würden "niemals vergessen und für jede abgeschossene Rakete zur Verantwortung gezogen".
In der Nacht war im ganzen Land Luftalarm ausgelöst worden. Neben Kriwij Rih wurden auch aus der Hauptstadt Kiew und der im Osten des Landes gelegenen Stadt Charkiw russische Drohnen- und Raketenangriffe gemeldet. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland in der Nacht 14 Marschflugkörper und vier Drohnen aus iranischer Produktion auf ukrainische Ziele ab. Zehn der Raketen und eine Drohne seien jedoch abgefangen worden.
Die erneute Welle russischer Luftangriffe erfolgte, nachdem die Ukraine nach eigenen Angaben im Zuge ihrer Gegenoffensive in den vergangenen Tagen sieben Dörfer zurückerobert hatte. Selenskyj sprach in seiner täglichen Ansprache am Montagabend von "harten Kämpfen": "Das Wetter spielt nicht mit, der Regen erschwert unsere Aufgabe, aber die Stärke unserer Soldaten führt zu guten Ergebnissen", sagte er.
Die Regierung in Moskau meldete am Dienstag, russische Soldaten hätten mehrere deutsche Leopard-Kampfpanzer und US-Schützenpanzer vom Typ Bradley in der Ukraine erbeutet. "Das sind unsere Trophäen", erklärte das russische Verteidigungsministerium zu einem im Online-Dienst Telegram veröffentlichten Video, das beschädigte Panzer zeigt. Diese seien in der südlichen Region Saporischschja "im Kampf" erbeutet worden und würden nun untersucht.
Ob es sich um dieselben Panzer handelt, deren Verlust bereits am Montag von ukrainischer Seite bestätigt worden war, blieb zunächst unklar. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte derweil in der Sendung "RTL direkt", Deutschland werde "nicht jeden Panzer ersetzen können, der jetzt ausfällt". Ab Juli werde Deutschland jedoch weitere instandgesetzte Leopard 1 A5-Panzer nachliefern.
Unterdessen reiste der Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, nach Kiew. Nach Gesprächen in der ukrainischen Hauptstadt ist auch ein Besuch im Atomkraftwerk von Saporischschja geplant, wo Grossi sich nach der Zerstörung des Kachowka-Staudamms ein Bild von der Lage machen will. Der Damm war vor einer Woche zerstört worden, daraufhin waren riesige Mengen Wasser aus dem Stausee ausgetreten, der auch zur Kühlung der sechs Reaktoren des Akw genutzt wird.
Die Zahl der Todesopfer im russisch kontrollierten Teil des nach der Zerstörung des Staudamms überschwemmten Gebiets stieg nach russischen Angaben bis Dienstag auf 17. Auf ukrainischer Seite wurde die Zahl der Todesopfer zuletzt mit zehn angegeben, 41 weitere Menschen würden noch vermisst.
O.Brown--AT