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Untersuchung zu Großbritanniens Umgang mit Corona-Pandemie begonnen
In Großbritannien hat eine Untersuchung zum Umgang der Regierung mit der Corona-Pandemie begonnen. Die Vorsitzende des Untersuchungsgremiums, die pensionierte Richterin Heather Hallett, versprach am Dienstag, die Menschen, die unter der Pandemie gelitten haben, würden "immer im Mittelpunkt dieser Untersuchung stehen". Die Verluste durch an Covid-19 gestorbenen Menschen würden "anerkannt". Überschattet wurde der Beginn der Untersuchung vom Streit über die Herausgabe von Whatsapp-Nachrichten zwischen Mitgliedern der damaligen britischen Regierung unter Premierminister Boris Johnson, zudem fordern Hinterbliebene mehr Präsenz in den Verfahren.
Die Corona-Untersuchung hatte der damalige Premierminister Johnson 2021 in die Wege geleitet. Sie soll bis Mitte 2026 dauern, zuvor sollen Zwischenberichte veröffentlicht werden. In einer ersten Phase der Untersuchung soll es darum gehen, inwieweit Großbritannien auf den Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020 vorbereitet war. Später sollen unter anderem der Umgang des britischen Gesundheitssystems mit der Pandemie und die Impfkampagne im Land im Fokus stehen.
Großbritannien war eines der am stärksten von der Corona-Pandemie betroffenen Länder Europas. Allein bis Mitte Juli 2021 starben mehr als 128.500 Menschen an Covid-19, bis heute hat sich ihre Zahl nach offiziellen Angaben auf 227.000 erhöht.
Vor Eröffnung des Verfahrens bestand die Ausschussvorsitzende Hallett darauf, die von dem während der Hochphase der Corona-Pandemie amtierenden Johnson verfassten Whatsapp-Nachrichten und Notizen in unbearbeiteter Fassung zu erhalten. Johnsons Nachfolger Rishi Sunak, der damals Finanzminister war, focht die Anforderung an. Sunak bestritt allerdings, das Material blockieren zu wollen. Johnson selbst ist Berichten zufolge für die Freigabe des Materials. Ende Juni soll ein Gericht in der Angelegenheit entscheiden.
Hinterbliebene von Covid-19-Todesopfern sollen in den ersten sechs Wochen der Untersuchung nicht aussagen dürfen. Die Betroffenen kritisierten diese Entscheidung scharf. Dies sei "eine Farce", sagte Ärztin Saleyha Ahsan, die während der Pandemie ihren Vater verloren hatte. Mitglieder der Covid-19-Hinterbliebenen-Organisation "Bereaved Families for Justice" stellten sich bei einer Protestveranstaltung vor dem Sitz der Untersuchung im Zentrum Londons auf und hielten Bilder ihrer Angehörigen in die Höhe.
Eine Sprecherin der Untersuchung sagte, die Vorsitzende Hallett schließe nicht aus, in späteren Phasen der Untersuchung Zeugenaussagen von Hinterbliebenen einzuholen.
Öffentliche Untersuchungen im Vereinigten Königreich werden von der Regierung finanziert, haben aber einen unabhängigen Vorsitz. Sie untersuchen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse und verfolgen den Auftrag, Fakten zu ermitteln, die Gründe für das Geschehene festzustellen und Lehren daraus zu ziehen. Die Untersuchungskomitees dürfen aber nicht über die zivilrechtliche oder strafrechtliche Haftung Beteiligter verhandeln, ihre Empfehlungen sind rechtlich nicht bindend.
W.Nelson--AT