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Silvio Berlusconi stirbt nach jahrzehntelanger politischer Karriere
Silvio Berlusconi stirbt nach jahrzehntelanger politischer Karriere / Foto: Alberto PIZZOLI - AFP/Archiv

Silvio Berlusconi stirbt nach jahrzehntelanger politischer Karriere

Es ist der Endpunkt einer Ära für Italien: Der frühere italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi ist am Montag im Alter von 86 Jahren gestorben. Mehrere Staats- und Regierungschefs, darunter der mit Berlusconi befreundete russische Präsident Wladimir Putin, würdigten den Verstorbenen, dessen jahrzehntelange Karriere von zahlreichen Skandalen und Gerichtsverfahren überschattet war. Am Mittwoch soll er nach einem Staatsbegräbnis beigesetzt werden.

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Seinen Tod im San-Raffaele-Krankenhaus in Mailand am Montagvormittag bestätigte ein Sprecher des früheren Regierungschefs. Italienischen Medienberichten zufolge hatten die Behandlungen der Blutkrebserkrankung Berlusconis zuletzt keine Wirkung mehr gezeigt.

Berlusconi litt seit Jahren unter schweren Gesundheitsproblemen. 2016 wurde er am Herzen operiert, 2020 erkrankte er am Coronavirus. Anfang April teilten seine Ärzte mit, dass er an Leukämie leide. Er hatte im Frühjahr bereits sechs Wochen in der San-Raffaele-Klinik verbracht. Bei seiner erneuten Einlieferung am vergangenen Freitag hatten die Ärzte erklärt, dass Berlusconi lediglich Routineuntersuchungen unterzogen werde.

Berlusconi, der so lang wie kein zweiter italienischer Politiker seit dem Zweiten Weltkrieg die Regierung des Landes anführte, soll nach Angaben des Erzbistums Mailand am Mittwoch mit einem Staatsbegräbnis im Dom der norditalienischen Metropole gewürdigt werden. Für diesen Tag rief die italienische Regierung Staatstrauer aus. Einem Regierungssprecher zufolge sollen an allen öffentlichen Gebäuden die Flaggen Italiens und der EU auf Halbmast gesetzt werden.

Weitere Details zu dem Begräbnis wurden zunächst nicht bekannt. Berlusconi hat jedoch bereits vor Jahren ein monumentales Familiengrab aus Marmor auf dem Grundstück nahe seiner Villa in Arcore nahe Mailand errichten lassen.

Berlusconi hatte das öffentliche Leben in Italien über Jahrzehnte in verschiedenen Rollen geprägt - nicht nur als Regierungs- und Parteichef, sondern auch als Medienmogul und langjähriger Eigentümer des Fußballvereins AC Mailand.

Er spaltete das Land lange in Befürworter und Gegner. Für Millionen Italiener ist er seit seinem Aufstieg als Bauunternehmer in den 1970er Jahren eine Symbolfigur für die bisher letzte echte Hochphase der italienischen Wirtschaft: Berlusconi gilt als Gründer des landesweiten Privatfernsehens in Italien, die bis heute im Familieneigentum befindliche Holding Fininvest kontrolliert neben drei Fernsehsendern und mehreren Zeitungen auch das bedeutende Verlagshaus Mondadori.

Zwischen 1994 und 2011 war Berlusconi dreimal Ministerpräsident. Im vergangenen September wurde er bei den Parlamentswahlen erneut in den Senat gewählt. Seine rechtskonservative Partei Forza Italia koaliert aktuell mit der Regierung der ultrarechten Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

Zuletzt erregte der seit Jahren mit dem russischen Präsidenten Putin befreundete Berlusconi mehrfach mit pro-russischen Aussagen zum Ukraine-Krieg internationale Aufmerksamkeit - und brachte damit die als entschlossene Unterstützerin Kiews auftretende Meloni in Verlegenheit.

Putin meldete sich nach Berlusconis Tod auch als einer der ersten ausländischen Staats- und Regierungschefs zu Wort. Er bezeichnete ihn als "lieben Menschen", "wahren Freund" und "prinzipientreuen Befürworter" starker freundschaftlicher Beziehungen zwischen Russland und Italien. Der rechtsnationale ungarische Regierungschef Viktor Orban lobte Berlusconi als "großen Kämpfer" und "Freund".

Papst Franziskus schrieb in einem Kondolenztelegramm vom "energischen Temperament", mit dem Berlusconi öffentliche Ämter übernommen habe. Der britische Premierminister Rishi Sunak ließ über einen Sprecher ausrichten, Berlusconi habe eine "bedeutende Spur" in der italienischen Politik hinterlassen. In Berlin erklärte Vize-Regierungssprecher Wolfgang Büchner, die Bundesregierung spreche "dem italienischen Volk und der italienischen Regierung" ihre Anteilnahme aus.

In Italien selbst nannte Regierungschefin Meloni ihren verstorbenen Koalitionspartner "einen der einflussreichsten Männer in der Geschichte Italiens" und einen "Kämpfer". Staatspräsident Sergio Mattarella würdigte ihn als "großen politischen Anführer", der "die Geschichte unserer Republik geprägt" habe.

Elly Schlein, Chefin der oppositionellen Mitte-Links-Partei Partito Democratico, sagte, sie habe sich zwar "in allem" von Berlusconi unterschieden. Es bleibe aber der "menschliche Respekt" für einen "Protagonisten der Geschichte unseres Landes".

Berlusconis politische Karriere war von einer Serie von Skandalen geprägt. Er musste sich wegen Dutzender mutmaßlicher Wirtschafts- und Korruptionsdelikte und seiner Rolle bei den berüchtigten Bunga-Bunga-Sexpartys vor Gericht verantworten, 2013 wurde er wegen Steuerbetrugs rechtskräftig verurteilt.

Obwohl er im vergangenen Jahr in den Senat gewählt worden war, war Berlusconi seither nur noch selten in der Öffentlichkeit zu sehen gewesen. Er hinterlässt seine 33-jährige Lebenspartnerin Marta Fascina, zwei geschiedene Ehefrauen und fünf Kinder.

Y.Baker--AT