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Größtes Luftwaffenmanöver seit Gründung der Nato über Deutschland angelaufen
Im Luftraum über Deutschland hat am Montag das größte Luftwaffenmanöver seit Gründung der Nato begonnen. An der Übung "Air Defender 2023" nehmen unter deutscher Führung etwa 10.000 Soldatinnen und Soldaten aus 25 Ländern teil. Insgesamt sind im knapp zehntägigen Übungszeitraum rund 2000 Flüge geplant. Geübt wird das fiktive Szenario eines Angriffs aus dem Osten. Während des Manövers muss mit Behinderungen im zivilen Luftverkehr sowie zusätzlichem Fluglärm gerechnet werden.
Das Großmanöver begann am späten Vormittag an den drei Standorten Wunstorf, Jagel and Lechfeld, wie ein Luftwaffensprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte. "Aktuell läuft die Übung nach Plan", fügte er hinzu. Teile des deutschen Luftraums seien wegen der Übung von 10.00 bis 14.00 Uhr gesperrt.
Luftwaffen-Inspekteur Ingo Gerhartz wies auf die historischen Dimensionen der Übung hin. Es sei innerhalb weniger Tage gelungen, mehr als 250 Flugzeuge einsatzbereit zu haben. Zwar gab es ihm zufolge auch schon vor 1990 Übungen mit ähnlich vielen Flugzeugen - der "Anteil der Verlegung" sei jedoch dieses Mal einzigartig.
Allein die US-Luftstreitkräfte hätten rund hundert Maschinen nach Deutschland verlegt, erläuterte Gerhartz. "Das ist ein Anteil, den wir so noch nicht hatten seit Bestehen der Nato."
Gerhartz betonte, dass es keine Nato-Übung sei, "sondern eine deutsch-geführte Übung". Aufgrund der Größe und Position Deutschlands in Europa sei es wichtig gewesen, "die Dinge auch in die Hand zu nehmen": "Wir nennen das Rahmen-Nation - eine Führungsrolle zeigen", sagte der General.
Die Übung richte sich dabei gegen niemanden speziell, sie sei jedoch vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs auch als "Rückversicherung" an die östlichen Bündnispartner gedacht, sagte er. Das Manöver wurde bereits im Jahr 2018 von Deutschland initiiert, also noch vor dem russischen Überfall auf die Ukraine.
Zur inhaltlichen Ausrichtung des Manövers erklärte die Luftwaffe: "Kampfhandlungen auf deutschem Boden, knappe Energieressourcen und eine von Corona und Inflation erschöpfte Bevölkerung: Wie kann reagiert werden, wenn ein feindliches Militärbündnis einen Teil Deutschlands besetzt hält?"
Das fiktionale Übungsszenario geht davon aus, dass ein östliches Militärbündnis namens "Occasus" Deutschland angegriffen hat und ein Viertel des Landes besetzt hält. Die westlichen Luftstreitkräfte arbeiten zusammen, um den weiteren Vormarsch nach Norddeutschland zu stoppen.
Die teilnehmenden Flugzeuge werden während des Manövers hauptsächlich von Flugplätzen in Schleswig-Holstein, Bayern, Rheinland-Pfalz und Niedersachsen sowie in den Niederlanden und Tschechien starten. Ziel ist laut Bundeswehr, gemeinsame Einsätze mit verbündeten Luftstreitkräften zu üben. Dabei stünden die Optimierung und Ausweitung der Kooperation im Mittelpunkt.
Die Luftwaffe sagte zu, die Manöver-Auswirkungen auf die Bevölkerung "so gering wie möglich zu halten". In der zivilen Luftfahrt sei nicht mit Flugausfällen zu rechnen, "sondern höchstens mit Verzögerungen".
In den Übungsgebieten über Ostdeutschland wird den Angaben zufolge zwischen 10.00 und 14.00 Uhr geübt, über Süddeutschland zwischen 13.00 und 17.00 Uhr sowie über Norddeutschland zwischen 16.00 und 20.00 Uhr. Nachts und am Wochenende sollen keine Übungsflüge stattfinden.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), nannte die Übung eine "gute Nachricht". Es gehe darum, "so zu trainieren, wie man arbeiten müsste, wenn aus dem Osten angegriffen würde", sagte Strack-Zimmermann dem Radiosender SWR Aktuell. "Das ist keine Fiktion. Wir erleben seit 16 Monaten, was in der Ukraine passiert."
Die Linken-Vorsitzende Janine Wissler hingegen wertete das Manöver als "militärisches Säbelrasseln, das wir für unverantwortlich halten". Weiter sagte sie: "Gerade wo ein Krieg in Europa tobt, ist doch Deeskalation das Gebot der Stunde."
T.Wright--AT