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Ukraine weist vollständige Einnahme Bachmuts durch Russland zurück
Während der G7-Gipfel der Ukraine weitere massive Unterstützung im Kampf gegen Russland zugesichert hat, bleibt das Schicksal der seit Monaten hart umkämpften ostukrainischen Stadt Bachmut unklar. Die Regierung in Kiew dementierte am Sonntag russische Angaben, die Stadt sei vollständig gefallen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sicherte laut US-Präsident Joe Biden unterdessen zu, in Aussicht gestellte F-16-Kampfjets nicht für Angriffe auf russisches Territorium einzusetzen.
Russlands Präsident Wladimir Putin hatte russischen Truppen und der Söldnergruppe Wagner am Samstag zur Einnahme Bachmuts gratuliert. Am Sonntag waren dann Äußerungen Selenskyjs beim G7-Gipfel in Hiroshima zunächst als mögliches Eingeständnis der russischen Einnahme interpretiert worden.
Ein Sprecher Selenskyjs wies darauf jedoch zurück, dass der ukrainische Präsident den Verlust der Stadt eingeräumt habe. Der Präsident habe vielmehr "die Einnahme von Bachmut dementiert", sagte er. Der Kommandeur der ukrainischen Bodentruppen, Oleksandr Syrsky, sagte am Nachmittag, seine Truppen würden noch "einen unbedeutenden Teil" von Bachmut kontrollieren. Dies ändere aber nichts "an der Bedeutung seiner Verteidigung". Ukrainische Truppen rückten weiter an den Flanken in den Vororten vor.
Es sei richtig, dass Russen "in Bachmut sind", sagte Selenskyj nach Abschluss des G7-Gipfels am Nachmittag. Die Stadt sei aber "nicht von Russland besetzt". Genauere Angaben wollte er nicht machen, um "taktische Fehler" und eine Umzingelung der eigenen Truppen zu vermeiden.
Selenskyj zeigte sich tief bewegt über das Schicksal der ostukrainischen Stadt, die strategisch zwar keinen großen Stellenwert hat, aber einen hohen Symbolcharakter. Er verglich Bachmut mit dem 1945 durch eine Atombombe zerstörten Hiroshima. "Die Fotos von Hiroshima erinnern mich an Bachmut", sagte er. "Absolut nichts ist mehr am Leben, alle Gebäude sind zerstört."
Selenskyj hatte zuvor Blumen im Friedenspark von Hiroshima niedergelegt, der an die 140.000 Opfer des US-Atombombenabwurfs im Zweiten Weltkrieg erinnert. Er war am Samstag überraschend beim G7-Gipfel in der japanischen Stadt eingetroffen, nachdem US-Präsident Biden erstmals seine Bereitschaft signalisiert hatte, der Abgabe westlicher Kampfjets wie der in den USA hergestellten F-16 zuzustimmen.
"Selenskyj hat mir versichert, dass sie diese nicht nutzen werden, um auf russisches Territorium vorzudringen", sagte Biden am Sonntag nach einem Treffen mit dem ukrainischen Staatschef. Die Flugzeuge könnten aber "überall dort" eingesetzt werden, "wo sich russische Truppen innerhalb der Ukraine und dem Gebiet befinden".
Allerdings ist dies bisher noch eine eher hypothetische Frage. Vorerst geht es nämlich nur um die voraussichtlich Monate dauernde Ausbildung ukrainischer Piloten. Hierzu haben sich mehrere europäische Staaten in einer Kampfjet-Koalition bereit erklärt, darunter Großbritannien und die Niederlande. Konkrete Zusagen für eine F16-Lieferung gibt es noch nicht.
Darauf verwies auch Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) zum Ende des G7-Gipfels. Er sprach von einem "längerfristigen Projekt". Der Kanzler sah in der Kampfjet-Koalition eher eine Botschaft an Russland, dass die Unterstützung der Ukraine nicht nachlassen werde und Moskau seine Truppen zurückziehen müsse.
Die US-Regierung kündigte während des G7-Gipfels weitere Militärhilfe für die Ukraine im Wert von 375 Millionen Dollar (346 Millionen Euro) an. Laut Weißem Haus umfasst das Paket Munition für Himars-Mehrfachraketenwerfer, Artilleriegeschosse, Anti-Panzerlenkraketen, Wärmebild-Systeme und gepanzerte Fahrzeuge. "Wir werden nicht wanken", sagte Biden. "Putin wird unsere Entschlossenheit nicht brechen."
Als "unerschütterlich" bezeichneten die G7-Staaten in ihrer Gipfelerklärung ihre humanitäre, finanzielle und auch militärische Unterstützung der Ukraine. Sie vereinbarten eine Verschärfung der Sanktionen gegen Moskau, um bisherige Lücken zu schließen. Dabei soll auch der milliardenschwere Handel mit russischen Rohdiamanten "beschränkt" werden.
Bei dem kurzfristigen G7-Besuch hatte Selenskyj Gelegenheit auch mit Vertretern aus Staaten zu sprechen, die sich im Ukraine-Konflikt nicht klar gegen Russland positioniert haben. Der als Gast eingeladene indische Regierungschef Narendra Modi, dessen Land weiter Öl und Rüstungsgüter aus Russland importiert, sagte Selenskyj: "Ich verstehe ihren Schmerz und den Schmerz der ukrainischen Bürger sehr gut."
W.Moreno--AT