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Kiew meldet Abwehr "beispielloser" Welle russischer Raketenangriffe - Moskau spricht von Erfolg
Die ukrainische Armee hat in der Nacht zum Donnerstag eigenen Angaben zufolge eine "beispiellose" Welle von russischen Luftangriffen abgewehrt. Ukrainische Luftabwehreinheiten hätten 29 der 30 von Russland auf Kiew und andere Landesteile abgefeuerten Marschflugkörper zerstört und vier Drohnen abgeschossen, erklärte die ukrainische Luftwaffe. Das russische Verteidigungsministerium versicherte hingegen, alle Ziele bei den Angriffen "zerstört" zu haben. Unterdessen sagte der chinesische Ukraine-Sondergesandte Li Hui Angaben aus Peking zufolge, er sehe kein "Allheilmittel zur Lösung der Krise" zwischen der Ukraine und Russland.
Nach Angaben der ukrainischen Armee feuerten russische Streitkräfte die Marschflugkörper aus verschiedenen Richtungen vom Land, vom Meer und aus der Luft ab. Serhij Popko, Chef der Zivil- und Militärverwaltung von Kiew, sprach von einer "Serie von Luftangriffen auf Kiew, von beispielloser Stärke, Intensität und Vielfalt".
Es handele sich um den "neunte Luftangriff in Folge auf die Hauptstadt seit Anfang Mai", hieß es von der Zivil- und Militärverwaltung. Die örtlichen Behörden meldeten Explosionen, im Bezirk Darnyzkyj sei ein Unternehmen in Brand geraten.
In der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer wurde bei einem Angriff auf ein Industriegelände ein Mensch getötet. Zwei weitere Menschen wurden verletzt, wie die Militärverwaltung in der Region mitteilte. Nach Angaben der Armee gab es zudem Angriffe mit Marschflugkörpern in der Region Winnyzja im Landesinneren. Örtliche Medien berichteten über Explosionen in Chmelnyzkyj etwa hundert Kilometer weiter westlich.
Das Verteidigungsministerium in Moskau machte zunächst keine Angaben zu den Zielen der Angriffe. Es teilte lediglich mit, "erhebliche Bestände an Waffen und Munition" seien zerstört und ukrainische Truppenbewegungen "gebremst" worden.
Das US-Verteidigungsministerium hatte am Mittwoch Schäden an einem an die Ukraine gelieferten Flugabwehrsystem vom Typ Patriot nach russischem Beschuss eingeräumt. Das hochmoderne Flugabwehrsystem bleibe jedoch "einsatzbereit", erklärte ein Pentagon-Vertreter. Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor mitgeteilt, seine Streitkräfte hätten das Flugabwehrsystem mit einer Hyperschallrakete vom Typ Kinschal getroffen.
Unterdessen erklärte das chinesische Außenministerium, der Sondergesandte Li sehe nach seinen Gesprächen in Kiew kein "Allheilmittel zur Lösung der Krise" zwischen der Ukraine und Russland. "Alle Parteien müssen (...) gegenseitiges Vertrauen aufbauen und Bedingungen schaffen, um miteinander zu reden und den Krieg zu beenden", sagte Li demnach. Peking erklärte, Li und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hätten sich gesehen. Aus Kiew gab es dafür zunächst keine Bestätigung.
Der hochrangige Diplomat hielt sich in Kiew auf, um Möglichkeiten für einen Friedensschluss zwischen der Ukraine und Russland auszuloten. Am Mittwoch hatte er dort den ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba getroffen. Kuleba betonte gegenüber Li, dass die Ukraine keinerlei Vorschläge akzeptieren werde, "die den Verlust seiner Gebiete oder ein Einfrieren des Konflikts beinhalten". Li seinerseits sagte, dass China "der Ukraine weiterhin im Rahmen seiner Möglichkeiten Hilfe leisten" werde.
China bemüht sich nach eigenen Angaben im Ukraine-Konflikt um eine neutrale Position und will sich als Vermittler positionieren. Die Regierung in Peking hat den russischen Angriff auf die Ukraine bis heute nicht verurteilt.
Die chinesischen Vermittlungsbemühungen werden im Westen mit Skepsis verfolgt. Im Februar hatte China einen Zwölf-Punkte-Plan zur Lösung des Ukraine-Konflikts vorgelegt, der allerdings vage blieb und die westlichen Sanktionen gegen Russland sowie eine "Mentalität des Kalten Krieges" missbilligte. Auch die persönliche Rolle des Sondergesandten Li stößt auf Argwohn. Li war von 2009 bis 2019 Chinas Botschafter in Russland.
Derweil sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Donnerstag, eine Friedensmission sechs afrikanischer Staatschefs werde im Juni oder Anfang Juli nach Moskau kommen. Russland freue sich auf "konkrete Initiativen" der Delegation.
Am Dienstag hatte der südafrikanische Präsident Cyril Ramaphosa erklärt, Kreml-Chef Wladimir Putin und der ukrainische Präsident Selenskyj hätten eingewilligt, die "Mission und die afrikanischen Staatschefs zu empfangen".
R.Garcia--AT