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Waffenruhe im Sudan hat weitgehend Bestand
Die unter Vermittlung der USA ausgehandelte 72-stündige Waffenruhe im Sudan hat am ersten Tag ihres Inkrafttretens weitgehend Bestand gehabt. In der Hauptstadt Khartum waren am Dienstag nur vereinzelt Schüsse zu hören. Nach der Besetzung eines staatlichen Medizinlabors mit Proben von Krankheitserregern warnte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) allerdings vor einer "extrem, extrem gefährlichen" Situation. Zahlreiche Länder setzten unterdessen die Evakuierung ihrer Staatsbürger aus dem Konfliktland fort.
WHO-Sprecher Nima Saeed Abid sprach im Zusammenhang mit der "Besetzung des Medizinlabors durch eine Konfliktpartei" von einem "sehr großen biologischen Risiko". Er sagte nicht, welche der beiden Konfliktparteien das Labor besetzt hält. In der Einrichtung werden nach WHO-Angaben Proben verschiedener potenziell tödlicher Krankheitserreger wie Cholera, Masern und Kinderlähmung gelagert. Alle anwesenden Labortechniker seien von den Kämpfern vetrieben worden, hieß es.
Die Bundeswehr brachte seit Sonntagabend nach eigenen Angaben mit insgesamt fünf Flügen knapp 500 Menschen außer Landes. "Die Evakuierung läuft weiter, wir planen weitere Flüge", sagte ein Bundeswehrsprecher der Nachrichtenagentur AFP. Demnach waren unter den Evakuierten vor allem deutsche Staatsbürger. Wie das Auswärtige Amt im Onlinedienst Twitter mitteilte, wurden mit deutscher Hilfe Menschen aus mehr als 30 Ländern in Sicherheit gebracht, unter anderem aus den Niederlanden, Österreich, Dänemark und Polen.
Nach einem Antrag der Bundesregierung für die Billigung des Einsatzes durch den Bundestag soll der Einsatz der Bundeswehr für Evakuierungen aus dem Sudan noch bis Ende Mai ermöglicht werden. Der Antrag, der AFP vorlag, sieht eine Beteiligung von bis zu 1600 Soldatinnen und Soldaten vor und umfasst ausdrücklich auch "den Einsatz militärischer Gewalt zur Durchsetzung des Auftrags".
Die Evakuierungen starteten nach Angaben des Bundeswehrsprechers von einem Flugplatz außerhalb der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Deutschland habe dort die Koordination aller Flüge von Frankreich übernommen und regele Flugzeiten und den praktischen Betrieb. "Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen auszufliegen", sagte der Sprecher weiter.
Aufgrund der anhaltenden Kämpfe in Khartum hatten Deutschland und zahlreiche andere Länder Evakuierungseinsätze für ihre Staatsangehörigen in dem nordostafrikanischen Land gestartet. Großbritannien begann am Dienstag mit einer "groß angelegten Evakuierung", nachdem Kritik an der Regierung in London laut geworden war, sie würde ihre Staatsbürger im Sudan im Stich zu lassen. Ein Sprecher von Premierminister Rishi Sunak sagte: "Wir arbeiten hierbei eng mit unseren deutschen Verbündeten zusammen."
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte unterdessen, Frankreich habe 538 Menschen aus dem Sudan ausgeflogen, darunter 209 Franzosen. Die Ukraine meldete, sie habe 138 Menschen aus dem Sudan nach Ägypten gebracht, darunter 87 Ukrainer. Seit Samstag wurden im Rahmen der verschiedenen internationalen Einsätze bislang mehr als 4000 Menschen in Sicherheit gebracht.
Ein UN-Konvoi mit etwa 700 Menschen erreichte Montag die Hafenstadt Port Sudan am Roten Meer. Der UN-Sonderbeauftragte für den Sudan, der Deutsche Volker Perthes, erklärte, der Konvoi sei sicher angekommen.
US-Außenminister Antony Blinken hatte am Montag erklärt, die sudanesische Armee und die paramilitärische RSF-Miliz hätten sich nach "intensiven Verhandlungen" auf eine dreitägige landesweite Waffenruhe ab Mitternacht verständigt. Sowohl die Armee als auch die RSF-Miliz bestätigten ihre Zustimmung zu der Vereinbarung.
Blinken rief beide Seiten auf, die Feuerpause in diesem Zeitraum "sofort und vollständig" einzuhalten. Die USA wollten sich zudem für ein "dauerhaftes Ende der Kämpfe" einsetzen, erklärte der Außenminister.
Die Europäische Union begrüßte die Ankündigung einer Waffenruhe. "Wir fordern beide Seiten auf, sie vollauf einzuhalten", erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.
Über die Sicherheitssituation im Sudan außerhalb der Hauptstadt ist derzeit wenig bekannt. Vor der Waffenruhe waren vor allem aus der westlichen Region Darfur heftige Kämpfe gemeldet worden. Tausende Sudanesen haben versucht nach Ägypten zu fliehen. Die Vereinten Nationen rechnen damit, dass bis zu 270.000 Menschen aus dem nordostafrikanischen Land in die Nachbarländer Tschad und Südsudan fliehen könnten.
Großbritannien hat wegen der Krise eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrats beantragt. Diplomatenkreisen zufolge soll diese noch am Dienstag stattfinden. Bei den seit Mitte April anhaltenden Gefechten zwischen der Armee und der RSF-Miliz wurden nach UN-Angaben mindestens 459 Menschen getötet und mehr als 4000 weitere verletzt.
R.Chavez--AT