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Evakuierungen aus dem Sudan angelaufen
Angesichts der schweren Kämpfe im Sudan bemühen sich Deutschland und weitere Staaten unter Hochdruck, ihre Bürger aus dem afrikanischen Land in Sicherheit zu bringen. Das US-Militär flog am Wochenende das Personal der US-Botschaft im Sudan aus. Frankreich begann am Sonntag ebenfalls einen Einsatz zur Evakuierung von Diplomaten und französischen Zivilisten aus dem nordostafrikanischen Land, die Türkei plante eine Evakuierungsaktion auf dem Landweg. In Berlin tagte der Krisenstab. In Khartum gingen die Kämpfe derweil am Sonntag nach Berichten von Einwohnern weiter.
Die Krisenstabssitzung fand unter der Leitung von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) am Wochenende statt. Pistorius sagte am Samstag laut ZDF-"heute journal", die Zeit zur Evakuierung dränge. Der Krisenstab wolle sich "um diejenigen kümmern, die sich die größten Sorgen machen um ihren Aufenthalt beziehungsweise um die Beendigung desselben".
Laut "Bild"-Zeitung bereitet sich die Bundesregierung auf zwei Evakuierungseinsätze mit Militärtransportern vom Typ A400M vor, für deren Dauer mit den Konfliktparteien vor Ort Waffenruhe vereinbart worden sei. Zusätzlich sei eine mittlere dreistellige Zahl an Fallschirmjägern der Bundeswehr nach Jordanien gebracht worden, um notfalls Deutsche mit Waffengewalt aus dem Sudan retten zu können. Die Bundeswehr hatte vor wenigen Tagen eine Evakuierungsaktion laut "Spiegel" aus Sicherheitsgründen abbrechen müssen. Der Flughafen von Khartum wird nach schweren Gefechten derzeit von der sudanesischen paramilitärischen RSF-Miliz kontrolliert.
US-Präsident Joe Biden erklärte, auf seine Anweisung hin habe das Militär einen Evakuierungseinsatz ausgeführt. Die Arbeit der US-Botschaft in Khartum werde vorübergehend eingestellt. Biden forderte eine "sofortige und bedingungslose Waffenruhe" im Sudan und ungehinderten Zugang zu humanitärer Hilfe. Die "skrupellose" Gewalt müsse aufhören. Nach Angaben aus Washington wurden bei dem Einsatz weniger als hundert Menschen ausgeflogen, darunter auch mehrere Diplomaten anderer Staaten.
Auch das französische Außenministerium erklärte, auch Angehörigen anderer EU-Staaten und von "verbündeten Partnerländern" solle bei dem am Sonntag gestarteten französischen Evakuierungseinsatz Hilfe geleistet werden. Nach Diplomatenangaben hatten die sudanesische Armee und die mit ihr verfeindete Miliz Rapid Support Forces (RSF) zuvor Sicherheitsgarantien abgegeben.
Auf einer Ausfallstraße aus Khartum waren derweil am Sonntag Konvois von Autos und Bussen der Vereinten Nationen auf dem Weg zur 850 Kilometer östlich gelegenen Hafenstadt Port Sudan zu sehen.
Die italienische Regierung plante nach eigenen Angaben ebenfalls eine Evakuierung. Laut einer an in Khartum lebende Italiener verschickten Nachricht sollte sie am Sonntag stattfinden. Das türkische Außenministerium erklärte, türkische Staatsbürger sollten auf dem Landweg über einen Drittstaat in Sicherheit gebracht werden.
Saudi-Arabien hatte bereits am Samstag mehr als 150 Menschen per Schiff aus dem Sudan in Sicherheit gebracht, darunter 66 Angehörige anderer Nationen. Zuvor hatte die RSF-Miliz angekündigt, mit Auslandsvertretungen zusammenzuarbeiten, um Ausländern eine "sichere Rückkehr in ihre Länder" zu ermöglichen.
In der Hauptstadt Khartum gingen die Kämpfe am Sonntag weiter. Laut Zeugenberichten waren Gewehrfeuer und Explosionen zu hören, Militärflugzeuge überflogen die Stadt.
Im Sudan liefern sich Einheiten der Armee und der paramilitärischen RSF seit mehr als einer Woche erbitterte Kämpfe. Zuvor war eine Einigung zur Eingliederung der RSF-Miliz in die Streitkräfte gescheitert. Bei den Gefechten wurden bereits mehr als 420 Menschen getötet und mehr als 3700 weitere verletzt. Mehrere vereinbarte Waffenruhen wurden bereits gebrochen.
Der sudanesische Wissenschaftler Hamid Khalafallah warnte derweil vor den Folgen eines Abzugs ausländischer Diplomaten aus dem Land, die als mögliche Vermittler gebraucht würden. "Internationale Vertreter werden weniger Einfluss haben, wenn sie das Land einmal verlassen haben", erklärte er. An die internationale Gemeinschaft gerichtet schrieb er: "Tut alles was ihr könnt, um das Land sicher zu verlassen, aber lasst das sudanesische Volk nicht ungeschützt zurück."
T.Perez--AT