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London kündigt Lieferung schwerer Kampfpanzer an Kiew an
Inmitten einer neuen russischen Angriffswelle auf wichtige Infrastruktur in der Ukraine hat Großbritannien die Lieferung schwerer Kampfpanzer an Kiew angekündigt. Die Bereitstellung der Panzer vom Typ Challenger 2 sowie zusätzlicher Artilleriesysteme solle der ukrainischen Armee dabei helfen, "die russischen Truppen zurückzudrängen", sagte Premierminister Rishi Sunak am Samstag. Bei den russischen Angriffen wurden nach Angaben aus Kiew im ostukrainischen Dnipro mindestens fünf Menschen getötet.
Sunak kündigte die Lieferung der Panzer in einem Telefongespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an. Großbritannien ist damit das erste Land, das der Ukraine schwere Kampfpanzer liefert. Britischen Medienberichten zufolge sollen vier Panzer sofort geliefert werden, acht weitere sollen kurzfristig folgen.
Selenskyj begrüßte die britische Entscheidung. Sie werde nicht nur die Ukraine "auf dem Schlachtfeld stärken", sondern sende auch "das richtige Signal an andere Partner", schrieb er auf Twitter. Moskau warnte nach der Ankündigung aus London, ein solcher Schritt werde den Konflikt nur "intensivieren".
Durch die Zusage Sunaks wächst der Druck auf Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD), ebenfalls Kampfpanzer in die Ukraine zu schicken. Der Leopard 2 sei "der am weitesten in Europa verbreitete Kampfpanzer", sagte der Grünen-Politiker Anton Hofreiter dem Nachrichtenportal t-online. Es seien genug Möglichkeiten zur Wartung und ausreichend Munition vorhanden. "Daher liegt es auf der Hand, jetzt auf unsere europäischen Partner zuzugehen und gemeinsam der Ukraine Leopard 2 zur Verfügung zu stellen", sagte Hofreiter.
Polen hatte am Mittwoch seine Bereitschaft erklärt, der Ukraine im Rahmen einer internationalen Koalition 14 Leopard 2-Kampfpanzer bereitzustellen. Dafür wäre allerdings eine Genehmigung vom Herstellerland Deutschland nötig.
Vergangene Woche hatten Frankreich, Deutschland und die USA die Entsendung von 40 deutschen Marder-Schützenpanzern, 50 Bradley-Schützenpanzern sowie französischen Panzern vom Typ AMX-10 RC - leichte Kampfpanzer - zugesagt. Weitere Lieferungen könnten am kommenden Freitag beim nächsten Treffen der Verbündeten der Ukraine in Ramstein zugesagt werden.
Aus der Ukraine, wo am Samstag das orthodoxe Neujahr gefeiert wurde, wurden unterdessen erneut russische Raketenangriffe in mehreren Teilen des Landes gemeldet. Dabei wurde laut Kiew in der ostukrainischen Stadt Dnipro auch ein Wohnhaus getroffen. "Es gibt schon fünf Tote", erklärte der Gouverneur der Region Dnipropetrowsk, Walentyn Resnitschenko.
Der Angriff in Dnipro traf ein neunstöckiges Gebäude. Resnitschenko veröffentlichte ein Bild des zerstörten Wohnhauses und schrieb von 39 Verletzten. Darunter seien sieben Kinder, das jüngste von ihnen drei Jahre alt.
Selenskyj schrieb nach dem Angriff in den Online-Netzwerken: "Ewige Erinnerung all jenen, deren Leben durch russischen Terror genommen wurde!" Der Präsidentenberater Mychailo Podoljak forderte, Russland müsse "sofort aus dem UN-Sicherheitsrat ausgeschlossen werden".
Der ukrainische Energieminister German Galuschenko erklärte, nach der neuen russischen Angriffswelle sei es in den "meisten Regionen" des Landes zu Notabschaltungen des Stromnetzes gekommen. Die Angriffe hätten die Regionen Charkiw, Lwiw, Iwano-Frankiwsk, Saporischschja, Winnyzia und Kiew getroffen, schrieb Galuschenko auf Facebook.
Der staatliche Stromversorger Ukrenergo erklärte,vor allem in den Regionen Charkiw und Lwiw sei die Lage "kompliziert". Die Angriffe hätten die Stromversorgung dort teilweise lahmgelegt.
Die Ukraine widersprach am Samstag erneut der Darstellung Russlands, wonach die ostukrainische Kleinstadt Soledar von russischen Truppen erobert worden sei. "Soledar wird von den ukrainischen Behörden kontrolliert, unser Militär kontrolliert es", sagte Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko im Staatsfernsehen. Es gebe weiterhin Kämpfe "in und außerhalb der Stadt". Soledar und die nahegelegene Stadt Bachmut seien die "heißesten" Punkte an der Frontlinie.
Am Freitag hatte das russische Verteidigungsministerium die "Befreiung" von Soledar gemeldet. Zwei Tage zuvor hatte die russische Söldnertruppe Wagner erklärt, sie habe Soledar erobert. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich von unabhängiger Seite nicht überprüfen.
H.Romero--AT