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Vertreter der Öl-Industrie wird Präsident der diesjährigen UN-Klimakonferenz
Ein Vertreter der Erdöl-Industrie wird in diesem Jahr die UN-Klimakonferenz leiten. Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) ernannten den Chef der nationalen Ölgesellschaft ADNOC, Sultan Ahmed al-Dschaber, am Donnerstag zum Präsidenten der diesjährigen Konferenz COP28 in Dubai. Sein Land werde einen "Ansatz einbringen, der transformative Fortschritte für das Klima und ein kohlenstoffarmes Wirtschaftswachstum ermöglicht", erklärte al-Dschaber. Umweltorganisationen reagierten mit scharfer Kritik auf die Personalie, Beobachter sehen sie im Einklang mit der Klimapolitik des Golfstaats.
Der staatlichen Nachrichtenagentur WAM zufolge ist al-Dschaber der erste Firmenchef auf diesem Posten. Al-Dschaber erklärte, er sei der "festen Überzeugung, dass der Klimaschutz heute eine immense wirtschaftliche Chance für Investitionen in nachhaltiges Wachstum" darstelle. Die Finanzierung sei der Schlüssel, der Klimaschutzmaßnahmen ermögliche, fügte al-Dschaber hinzu, der auch Industrieminister der Emirate und deren Sonderbeauftragter für den Klimawandel ist. Er hat bereits an mehr als zehn UN-Klimakonferenzen teilgenommen.
Der 49-Jährige ist zudem Vorstandsvorsitzender der staatlich finanzierten Investmentgesellschaft Masdar, die nach Angaben staatlicher Medien der Emirate seit ihrer Gründung im Jahr 2006 in mehr als 40 Staaten der Welt in Projekte im Bereich der erneuerbaren Energie finanziert hat. 2009 hatte der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon ihn in die UN-Beratungsgruppe für Energie und Klimawandel berufen. Al-Dschaber sei "Vorreiter in Sachen Klimaschutz in den Vereinigen Arabischen Emiraten", sagte Klimaexperte Karim Elgendy von der britischen Denkfabrik Chatham House.
Die UN-Klimakonferenz COP27 im ägyptischen Scharm el-Scheich war im November nach zähem Ringen zu Ende gegangen. Deren wichtigster Erfolg war die in der in der Abschlusserklärung festgehaltene Weichenstellung für einen Fonds zum Ausgleich klimabedingter Schäden. Bei der dringend notwendigen Verringerung des Treibhausgasausstoßes gab es jedoch kaum Fortschritte. Die nächste UN-Klimakonferenz findet im November und Dezember in Dubai statt.
Umweltschützer kritisierten die Ernennung al-Dschabers zum COP-Präsidenten scharf. Harjeet Singh, Leiter der Abteilung für globale politische Strategie beim Climate Action Network International (CAN), sprach wegen al-Dschabers Rolle in der Erdöl-Industrie von einem "ungeheuerlichen Interessenkonflikt".
Theresa Anderson, bei der NGO ActionAid für Klimagerechtigkeit zuständig, sagte, al-Dschabers Ernennung sei "schlimmer, als den Bock zum Gärtner zu machen". Tracy Carty von Greenpeace International erklärte, die fossile Industrie dürfe "keinen Platz in internationalen Klimaverhandlungen haben".
Karim Elgendy vom britischen Chatham House zufolge passt al-Dschabers Ernennung indes zur klimapolitischen Strategie der Vereinigten Arabischen Emirate. Die Emirate - deren wirtschaftlicher Aufstieg seit den 1970er Jahren eng mit Förderung und Export von Erdöl und Erdgas zusammenhängen - sprechen sich ausdrücklich dafür aus, die Führungsebene der Ölindustrie in Klimaverhandlungen einzuschließen.
Die Golfmonarchie argumentiert, dass Erdöl für die Weltwirtschaft auf absehbare Zeit unverzichtbar bleibe - und die Einnahmen aus deren Vertrieb zudem benötigt würden, um in erneuerbare Energien zu investieren. Die Emirate setzen sich daher unter anderem für die Technologie der CO2-Abscheidung und -Speicherung (CCS) ein, bei der Treibhausgas bei der Verbrennung aus der Luft gefiltert und daraufhin im Boden gelagert wird.
Die Emirate sind selbst besonders stark vom Klimawandel betroffen: Bereits jetzt erreichen die Temperaturen im Sommer hier fast 50 Grad Celsius. Einer 2021 veröffentlichten Studie zufolge könnten Teile der Golfregion bis Ende des Jahrhunderts sich derart erhitzen, dass sie für Menschen unbewohnbar werden.
A.Anderson--AT